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Von Mumien und Meerfrauen

Pförring
erstellt am 10.08.2018 um 18:12 Uhr
aktualisiert am 13.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pförring (DK) Die 19 Kilometer lange Denkmaltour rund um Pförring ist für Fahrradfahrer gedacht – die Stationen sind aber auch jede für sich einen Ausflug wert. Besuche der historischen Bauten leben insbesondere von den Erzählungen der Menschen, die deren Schlüssel hüten.
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1. Marktplatz


Der schönste Marktplatz im ganzen Landkreis Eichstätt liegt mit der Pfarrkirche St. Leonhard und dem Brunnen mit der Bronzezille in Pförring. Das ist jedenfalls die Meinung der Marktbewohner. Genaue Infos zur vor knapp einem Jahr eingerichteten Denkmaltour durch die Vergangenheit Pförrings finden sich im Internet unter www.pfoerring.de/denkmaltour. Dort sind auch die Telefonnummern der jeweiligen Ansprechpartner vermerkt.
Stephan
Pförring
Im geografischen Zentrum der Gemeinde Pförring liegt der Marktplatz, der angeblich der schönste im ganzen Landkreis Eichstätt  sein soll. Der 2012 neu gestaltete Platz wird seinem Namen nicht nur durch große Veranstaltungen wie den Georgi- oder den Leonhardimarkt, sondern      auch durch den wieder eingeführten   mittwöchlichen Verkauf von Obst und Gemüse   gerecht, wie  Bürgermeister Bernhard Sammiller vor einiger Zeit stolz ankündigte. Rundherum versammeln sich die wichtigsten Gebäude des Orts. Dazu zählen das neue Rathaus, in dem Funde aus dem Steinbruch Ettling und dem Bereich des Kastells Celeusum ausgestellt sind, die romanische Pfarrkirche St. Leonhard sowie die barocke Kapelle St. Sebastian. Die Bronzezille  am Brunnen erinnert an die    Nibelungensage, in der Pförring wohl  als  „Faringa“   erwähnt wird. Hier soll sich der Hof des Fährmanns befunden haben, den Hagen erschlug. 


2. Kleinhäusler-Museum

Stephan
Pförring
Unvorstellbar, dass  im letzten  Marktturm Anfang des 19. Jahrhunderts eine Familie mit zehn Kindern gelebt haben soll. Der  verstorbene Rudolf Lohr, einst Dekorateur des  Modehauses Xaver Mayr, hat deren Wohnverhältnisse  aber   „mit viel Herzblut“, wie  Ehefrau Renate  sagt, visualisiert: Auf engstem Raum stehen    zwölf  Käthe-Kruse-Puppen in authentischer Kleidung und Unmengen von Exponaten aus dem bäuerlichen Alltag der Familie. Die 78-jährige Renate Lohr führt   bis heute durch die   Sammlung  an  Möbeln, Haushaltsgegenständen sowie Werkzeugen  – und  Puppen, die sie „ihre Kinder“ nennt.


Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik in voller Größe zu sehen. Grafik: DK
Pförring

 

3. Kastell Celeusum

Eine aufwendige Nachbildung des Nord-Osttors an der B299 nördlich von Pförring erinnert an das Reiterkastell Celeusum.
Stephan
Pförring
Von der B299 nördlich von Pförring aus  ist das Plateau gut zu sehen, auf dem im  römischen  Kastell Celeusum einst eine 500 Mann starke Reitereinheit stationiert war.  Ein Lehrpfad führt von einem kleinen Parkplatz mit Infotafeln aus  zwischen Feldern und Bäumen hindurch zu der aufwendigen Nachbildung des Nord-Osttors des Kastells, das bis 253 nach Christus in Betrieb war. Ein  Reiter  aus Cortenstahl  grüßt   mit erhobener Lanze, sein Pferd bäumt sich auf. Nach einem kurzen Marsch geht es eine Treppe hinauf auf  eine Plattform, von wo aus gerade in diesen Sommertagen eine gigantische Aussicht über die Landschaft gewährt wird. Gut vorstellbar, warum sich die Römer  diesen Ort für ihre Wehranlage ausgesucht haben. Die  metallene Rekonstruktion des Tors ist mit ihren Dutzenden von Streben und Bögen übrigens ein interessantes Motiv für die Fotografen unter den Besuchern.

4. Stephanus-Kapelle

Direkt neben einem Hopfenfeld an der Stefanistraße in Richtung Marching steht die Stephanus-Kapelle.
Stephan
Pförring
Wer nicht aufpasst, ist an der Stephanus-Kapelle   zwischen Forchheim und  Marching schnell vorbeigefahren – gerade zu dieser Jahreszeit, in der der Bau von dichten Baumkronen und hohen Hopfenfeldern umgeben ist. Kaum ein Auto ist hier zur Mittagszeit unterwegs. So umgibt die um 1300 als Chorturmanlage errichtete Kapelle eine andächtige Stille, nur unterbrochen von Grillenzirpen. Die barocke Fassadenbemalung, 1949 von einem Regensburger Kunstmaler   erneuert, ist schlicht. Ein Blick durchs Fenster  an der dem Turm gegenüberliegenden Seite offenbart dagegen  bunte Farben: Von der Wand der ungewöhnlichen, dreieckigen Chornische über dem Alter, dessen Aufbau samt Altarbild 1970 gestohlen wurde, äugen unter anderem Christus als Weltenrichter und einige Apostel auf simple  Holzbänke herab. Die mittelalterlichen Seccomalereien wurden bei der Innensanierung  1978/79 freigelegt.
 

5. Wasserschloss Ettling

Die Ruinen des Wasserschlosses in Ettling sind besonders beliebt bei Kindern – und Wünschelrutengängern.
Stephan
Pförring
Gruselgeschichten kommen in den Ruinen des mittelalterlichen Wasserschlosses in Ettling besonders gut an, weiß Rita Batz. Bei Kindern  sind die Führungstermine im Zuge ihres Ferienprogramms  beliebt. Auf dem Grund der Familie Batz stehen die zugewachsenen Überreste eines Palas der   Oettlinger Edlen sowie der  Burgkapelle St. Peter. Im nahen Quelltopf des Kelsbachs soll  Hagen   dem Nibelungenlied zufolge einst  Meerfrauen getroffen haben. Und im   Kellergewölbe der  Wasserburg, in dem bis vor einigen Jahren noch  Fledermäuse lebten und   Kartoffeln lagerten, spüren  Wünschelrutengänger offenbar eine starke Energie, erzählt Batz.
 

6. Schloss Wackerstein 

Kügel
Pförring
Auf einem Fels thront  über der Donau  Schloss Wackerstein  derzeit hinter sattgrünen Baumkronen. Im Süden lohnt es deshalb, die Flussseite zu wechseln, um Details des aus einer mittelalterlichen Burg entstandenen Baus zu entdecken.   1989 wurden  dort Privatwohnungen  eingerichtet. Wie  die Herren Barone und Generalmajore dort gehaust haben mögen, davon lässt sich  also nur träumen. Am besten   bei einem Abstecher in die  Schlossschenke.  


7. Jordan-Gruft

Eine der weltweit am besten erhaltenen Kindermumien – Karolina – liegt in der unscheinbaren Jordan-Gruft in Dötting.
Stephan
Pförring
Vier Türen muss  Schlüsselhüter Christian Koch aufsperren, um den Besucher in die dunkle Gruft in der   Grabkapelle am Spitzelberg in Dötting zu geleiten. Durch einen Altarraum geht  es zur   Ruhestätte der Familie  von  Friedrich Wilhelm Freiherr von Jordan.   Koch  erzählt viele Geschichten über den letzten Hofmarksherren von Wackerstein und die 2012 letztmalig zu besichtigenden Mumien seiner Angehörigen. Nur der Sarg der kleinen Karolina darf bis heute geöffnet werden. Diese Info spart sich Koch  bewusst bis zum Schluss auf, ehe er den Deckel anhebt und ein muffiger Geruch  zutage tritt, bevor  der Blick auf den mumifizierten Körper des etwa eineinhalb Jahre alten Mädchens unter einem Glasfenster fällt.
Tanja Stephan
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