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Vom Wandel der Zeit

stadtgeflüster
erstellt am 15.05.2018 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 18.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
(hl) Vielleicht können Sie sich ja auch noch an jene Anfangsjahre erinnern, als uns unsere Eltern ebenso liebevoll wie mühsam die Grundregeln der menschlichen Existenz beigebracht haben: Sei pünktlich!
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Geh schön rechts! Verlier kein Geld! Wähle immer CSU! (Nein, kleiner Scherz; wir waren ja damals noch gar nicht wahlberechtigt! ) Aber im Ernst: Wer zur rechten Zeit, also gemeinhin noch vor der Einschulung, ein paar goldene Regeln mit auf den Weg bekommt, der hat es einfach leichter im Leben. Also, behaupten wir jetzt mal.

Nehmen wir zum Beispiel die Zeitmessung: Wer schon im zarten Vorschulalter das Ablesen der analogen Uhr erlernt hat (es gab da früher für Kinder schöne, manuell bedienbare Holzuhren mit Obstsymbolen als Ziffernersatz: Nun ist es eine Viertelstunde nach Banane, oder so), wer also irgendwann mit fünf oder sechs Jahren durch einen kurzen Blick zum Kirchturm feststellen konnte, wie spät es ist - ja, der hatte einfach eine solide Basis für die Zukunft: Er wusste dann später mit der Stechuhr am Firmentor und mit der Armbanduhr, die ihm zum Dienstjubiläum vom Arbeitgeber überreicht wurde, etwas anzufangen.

Nun, solche Geschenke zu Arbeitsjubiläen sind ja mittlerweile weitgehend aus der Mode gekommen und werden künftig ganz von der Bildfläche verschwinden - die Leute werden solch eine Uhr mit Zeigern einfach nicht mehr kennen. Ja, leider kein Scherz: Eine Nachricht aus Großbritannien, wonach dort etliche Kinder und Jugendliche nach Jahren der Gewöhnung an die digitale Zeitanzeige auf ihren Handys nicht mehr in der Lage sind, die Zeigerstellung von Kirchturm- oder Rathausuhren zu interpretieren, gibt dem Kulturpessimismus einige Nahrung. Da wird den Briten bei der gegenwärtigen Sanierung ihres berühmten Glockenturms am Londoner Parlament wohl nichts anderes übrig bleiben, als gleich rundum Displays einzubauen. Schade irgendwie, aber offenbar im Trend der Zeit.

Schwappt das Sterben der Analoguhren auf den Kontinent über, wird womöglich eine ganze Branche gebeutelt: Der Herr Hackner vom Juwelierladen am Rathausplatz zum Beispiel könnte praktisch seine komplette Schaufensterauslage mit all den sündhaft teuren Armbanduhren ins Museum tragen. Und ob der Spruch, nach dem die Uhren in Bayern anders gehen, dann noch zu halten ist?

Vielleicht empfiehlt sich ja, damit die schönen Zifferblätter an vielen historischen Gebäuden nicht völlig nutzlos werden, beizeiten einfach Mut zu groben Veränderungen. Für unser Altes Rathaus würde sich zum Beispiel der Rüstsatz "Schwarzwald" empfehlen: Wenn dort erst mal zu jeder vollen Stunde ein Kuckuck aus dem Giebel fährt, schauen bestimmt auch alle jungen Schanzer hin, die sonst immer nur auf ihre Handys starren. Und die Fremdenführer hätten den Touristen etwas Neues zu erklären. Etwa so: "Da haut's unserem Oberbürgermeister wieder mal den Vogel raus! "
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