Sonntag, 18. November 2018
Lade Login-Box.

Opposition und Freie Wähler schütteln über den monumentalen Tunnelplan der CSU den Kopf

Unten durch

Ingolstadt
erstellt am 08.11.2018 um 21:53 Uhr
aktualisiert am 12.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Es ist eine Vision von gigantischer Dimension. Wie berichtet, verfolgt die CSU-Stadtratsfraktion den Plan, zwischen der Kreuzung Neuburger Straße / Westliche Ringstraße und der Münchener Straße den Kraftfahrzeugverkehr in einen 2,4 Kilometer langen Tunnel zu verlegen. So würden zwei schlimme Nadelöhre verschwinden, und die Natur bekäme viel Raum zurück. Doch die Partner von den Freien Wählern beurteilen das skeptisch; sie hegen andere Tunnelpläne. Die Opposition reagiert kopfschüttelnd. Die ÖDP spricht von "Peterchens Mondfahrt der Ingolstädter CSU".
Textgröße
Drucken
  • Grüne: Petra Kleine, die Fraktionsvorsitzende, erkennt in dieser "wirklich monumentalen Planung ein völlig überkommenes Denken: Man setzt weiter auf das Auto, baut neue Straßen und holt damit viel Verkehr in die Stadt rein. Das ist das Konzept der autogerechten Stadt." Also tiefste 1960er-Jahre. Davon müsse man endlich weg, fordert Kleine. "Wir brauchen die mobile Stadt!" Statt viele hundert Millionen Euro für einen kilometerlangen Autotunnel auszugeben, "dessen Vorteile sich auch angesichts des gewaltigen Aufwands nicht erschließen", sollte man endlich daran gehen, "Bus und Bahn besser zu konzentrieren und entschlossen auf die großen Chancen zu setzen, die der künftige Audi-Bahnhalt eröffnet". Denn eigentlich habe es Ingolstadt "relativ einfach", findet die Grünen-Stadträtin. "Wir haben nur im Berufsverkehr einen echten Massenverkehr." Außerhalb der Stoßzeiten fließe auf Ingolstadts Straßen alles. "Wir haben also wenige Ziele, etwa das Audi-Werk, die wir besser bedienen müssen." Mit öffentlichen Massenverkehrsmitteln. Davon verspricht sie sich weitaus mehr als von einem teuren Tunnel mit ungewissem Effekt. "Stattdessen diskutieren wir im Stadtrat ewig über das Zwölf-Millionen-Euro Defizit der INVG!"
 
  • Freie Wähler: Bei den FW beäugt man die Tunnelpläne der Stadtratspartner von der CSU besonders genau, schließlich verfolgt man ein ähnliches Ziel, allerdings außerhalb der Stadt. Nach den Vorstellungen der FW soll ein Tunnel, der östlich von Gerolfing verläuft und unter der Donau durchführt, die Verkehrssituation in der Stadt deutlich entspannen. Peter Springl, der Fraktionsvorsitzende, stellt sich bereits auf eine lange Diskussion darüber ein, "welches Konzept das bessere ist", denn dass sich beide realisieren lassen, kann er sich nicht vorstellen. "Zunächst ist es positiv, dass eine Tunnellösung allgemein nicht mehr als exotisch abgetan wird, sondern als realisierbar - und dass man dafür nicht mehr belächelt wird." So wie die FW. Er ahnt, dass der CSU-Vorschlag beim Wähler super ankommt, weil die Untertunnelung der Westlichen Ringstraße und der einmündenden Kreuzungen - vermeintlich - "alle Probleme löst". Aber so einfach sei die Sache nicht, sagt Springl. "Ich glaube, dass durch den CSU-Plan die Zubringerstraßen wie die Haunwöhrer und die Münchener Straße noch stärker belastet werden. Das ist der Unterschied zum Ansatz der Freien Wähler: Wir wollen den Verkehr entzerren. Die CSU will alles konzentriert in die Mitte lenken." Und unter der Donau durch. 25 bis 30 Meter tief. "Wie soll man da am Südende des Tunnels gleich wieder auf das Niveau der Münchener Straße gelangen? Da braucht man ja eine Art Kreisel nach oben!" Und ob es auch wirtschaftlich Sinn ergebe, die Westliche Ringstraße "komplett zurückzubauen", sei eine weitere wichtige Frage."Wir sind mit unserem Tunnelkonzept gedanklich und planerisch weiter als die CSU", resümiert der FW-Fraktionsvorsitzende. Der unterirdische Wettbewerb zwischen den Stadtrats-partnern - er kann kommen.
 
  • SPD: "Ich hoffe, das ist nicht nur ein Wahlkampf-Gag", sagt der Fraktionsvorsitzende Achim Werner über den Plan der CSU. Er weist darauf hin, dass "dieser Tunnel im Verkehrsentwicklungsplan, den der Stadtrat 2016 beschlossen hat, nicht vorgesehen ist!" Die Verkehrssituation in Ingolstadt sei schwierig, doch das größte Problem sei nicht nur die Dichte der Fahrzeugströme, "dazu zählen auch die Umweltbelastung, und der Lärm". Deshalb sei "das Wichtigste ein vernünftiger Öffentlicher Personennahverkehr - aber da fehlt es bei uns meilenweit!", so Werner. Es interessiere ihn auch, wie es bei den gewaltigen Tunnelplänen eigentlich mit staatlichen Fördermitteln aussehe. "Davon habe ich noch nichts gehört."
 
  • Bürgergemeinschaft (BGI): Der Gedanke eines Tunnels zwischen der Neuburger Straße und der Münchener Straße sei "nicht neu", schreibt die BGI in einer Mitteilung. "Grundsätzlich unterstützt die BGI-Fraktion die Prüfung dieses Vorschlags, gibt aber zu bedenken, dass die Realisierung eines solchen Mammut-Projekts einer langen Vorlaufphase bedarf. Eine Umsetzung wird frühestens 2030 oder gar noch später in Angriff genommen werden können. Für die bestehenden Verkehrsprobleme muss aber schon jetzt eine Lösung gefunden werden." Die Tunnel-Vision sei dafür jedenfalls nicht geeignet, so die BGI, deshalb trete man dafür ein, den ÖPNV durch höhere Taktungen, neue Ringlinien und Tangenten attraktiver zu machen. Christian Lange: "Wir müssen jetzt damit beginnen, den motorisierten Individualverkehr in Ingolstadt zu reduzieren, und die Menschen dazu bewegen, auf Fahrrad und Bus umzusteigen oder zu Fuß zu gehen. Das ist die Zukunft unserer Stadt! Nicht die Vision eines Tunnelbaus", betont Lange.
 
  • ÖDP: Der langjährige Stadtrat Franz Hofmaier überschreibt seine Kritik am Tunnelkonzept pointiert: "Peterchens Mondfahrt der Ingolstädter CSU." Er argumentiert: "Wenn das Wachstum der Verkehrsflächen nicht mehr mit dem Zuwachs an Fahrzeugen und beim Verkehrsaufkommen Schritt hält, dann greift in Ingolstadt immer wieder ein Reflex: Es muss ein Tunnel her!" Da dieser Reflex jedoch kurz nach der Verabschiedung des Verkehrsentwicklungsplans auftrete, müsse man sich fragen, "wieso die CSU diese Idee nicht in dieses Konzept eingearbeitet hat". Die Antwort liege für die ÖDP auf der Hand: "Die Kommunalwahl 2020 war Triebfeder dieses Aktionismus. Man sucht langsam nach einem biertischtauglichen Wahlkampfthema."
 
  • Unabhängige Demokraten Ingolstadts: Die UDI schütteln als einzige nicht den Kopf über die CSU. "Visionen bringen Städte grundsätzlich voran. Jede stadtnahe Donauquerung ist zu begrüßen", sagt Dorothea Soffner. "Süden und Südwesten dürfen nicht im Berufsverkehr ersticken!" Man brauche aber auch "kurz- und mittelfristige Lösungen wie eine Stadtbahn, die die UDI geprüft haben will". Und zu den Finanzen: "Wir legen großen Wert darauf, dass im kulturellen, schulischen und sozialen Bereich nichts eingespart wird!"
Christian Silvester
Kommentare
Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
es werden nur die letzten 3 Kommentare angezeigt
alle 4 Kommentare anzeigen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!