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Alexander Bubman und Mario Giuntoni bekommen heute Abend die Goldene Bürgermedaille verliehen

Treue Freunde der Stadt

Ingolstadt
erstellt am 16.04.2018 um 22:11 Uhr
aktualisiert am 19.04.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (sic) Mario Giuntoni, 92 Jahre alt, aus Carrara und Alexander Bubman, 76 Jahre alt, aus Moskau bekommen am heutigen Dienstagabend im Historischen Sitzungssaal des Rathauses die Goldene Bürgermedaille der Stadt Ingolstadt verliehen.
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Kommt aus der Partnerstadt Carrara: Mario Giuntoni.
Kommt aus der Partnerstadt Carrara: Mario Giuntoni.
Foto: DK-Archiv
Ingolstadt
Die Feierstunde beginnt um 18 Uhr. Damit werden zwei treue Freunde der Schanz ausgezeichnet, die sich in vielen Jahrzehnten um die Partnerschaft zwischen Ingolstadt und Carrara sowie Moskau (Zentralbezirk) sehr verdient gemacht haben. Beide kommen oft und gern nach Ingolstadt. Sie pflegen zahlreiche Freundschaften mit Schanzern.

Jedoch: Als Bubman das erste Mal mit Ingolstadt in Kontakt trat, war an Vertrautheit noch überhaupt nicht zu denken. Der Direktor der Moskauer Schule Nummer 1513 gab sich distanziert bis frostig. Er musste tief im Kalten Krieg mit Widersachern im Westen telefonieren, in seinem Fall dem Chef des Christoph-Scheiner-Gymnasiums. Es war die erste Schule in Bayern, die Russisch als Hauptfach anbot. Die Sprachpioniere hatten 1987 auf Anregung ihres Lehrers Rolf-Dieter Pohl zur Übung einen Brief an Michail Gorbatschow geschrieben und ihn aus Spaß sogar abgeschickt. Adresse "Michail Gorbatschow, Kreml, Moskau"; mehr wussten die Jugendlichen nicht. Dann geschah etwas höchst Unerwartetes: Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion ließ den Schülern des Scheiner-Gymnasiums antworten. Und lud sie nach Moskau ein. Kalter Krieg hin, Eiserner Vorhang her.

Der Chef der Schule Nummer 1513 musste den politisch heiklen Schüleraustausch einfädeln. So kam es zu dem kühlen Telefonat. Alexander Bubman, geboren 1941 als Shulim S. Bubman, stammt aus einer jüdischen Familie; mit den Deutschen hatte er es nicht so. "Generalsekretär Gorbatschow hat befohlen, mit Ihnen in Kontakt zu treten", ließ er in perfektem Deutsch seinen Amtskollegen Rainer Rupp am anderen Ende der Leitung wissen. Dann quetschte er eine verquälte Einladung heraus. "Bubman wollte erst nicht", hat Rupp später erzählt. Aber das Scheiner-Gymnasium wollte - und wie. 1988 brachen 25 des Russischen mächtige Schüler, Lehrer Pohl und eine Kollegin mit dem Zug zu einer Reise nach Moskau auf, die alle gewiss niemals vergessen werden. Im selben Jahr trafen Moskauer Gymnasiasten zum Gegenbesuch in Ingolstadt ein. Sie wurden am Hauptbahnhof mit Blasmusik empfangen. Es war der Beginn einer tiefen Freundschaft, die bald zur Ingolstädter Partnerschaft mit dem Moskauer Zentralbezirk (nicht der gesamten Metropole) führte.

Und mitten unter jenen, die fortan bei jeder Gelegenheit begeistert nach Ingolstadt reisten, dort Freundschaften schlossen und bis heute Ingolstädter in ihrer Heimatstadt herzlich empfangen, ist Alexander Bubman. Fällt (zum Beispiel im Scheiner-Gymnasium) sein Name, geht in der Regel ein Strahlen durch das Haus. Und wenn der alte Freund aus Moskau schließlich eintrifft, ist richtig was los.
Kommt aus Moskau: Alexander Bubman.
Kommt aus Moskau: Alexander Bubman.
Foto: Scheiner-Gymnasium
Ingolstadt



"Mit seiner äußerst warmherzigen, humorvollen und aufgeschlossenen Art unterstützt er immer wieder Begegnungen der Menschen aus beiden Kulturkreisen", schreibt OB Christian Lösel in der Begründung seines Vorschlags, Bubman die Bürgermedaille zu verleihen "Triebfeder seines Einsatzes war und ist die Überzeugung, dass Friede und Völkerverständigung nur durch Begegnungen, wachsendes Vertrauen und Freundschaften auf möglichst vielen Ebenen zu erreichen sind. "

Der zweite Geehrte ist ein noch älterer Freund: Mario Giuntoni. Als die Ingolstädter Anfang der 1960er-Jahre zaghaft ihre erste Städtepartnerschaft anbahnten - mit Carrara in der Toskana - streckte der begeisterte Europäer (Giuntoni gehörte früh dem Bund Europäischer Jugend an) den Deutschen sofort die Hand entgegen, obwohl er im Krieg als Partisan gegen die Wehrmacht und die SS gekämpft hatte.

Nachdem die Bürgermeister von Ingolstadt und Carrara 1962 ihren Freundschaftsvertrag unterzeichnet hatten, "sorgte Giuntoni dafür, dass sich die Partnerschaft nicht nur auf offizielle Kontakte beschränkte", so Lösel. Da in Carrara die Stadtoberhäupter oft wechselten, waren die politisch beständigeren Ingolstädter froh, für gemeinsame Aktionen immer einen zuverlässigen und allseits beliebten Ansprechpartner zu haben: ihren Mario. 1982 war er die treibende Kraft und der Organisator des ersten Carrara-Weinfests in Ingolstadt. Bis heute engagiert er sich trotz seines Alters leidenschaftlich für die Partnerschaft.

Am 26. April wird Giuntoni 93 Jahre alt. Heute Abend trifft er viele gute Freunde wieder.

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