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Das letzte neue Therapiezentrum in der früheren Reiserklinik im Ingolstädter Süden ist eröffnet

Tags Behandlung, abends ins eigene Bett

Ingolstadt
erstellt am 12.10.2018 um 20:13 Uhr
aktualisiert am 17.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Um dem Klinikum im Ingolstädter Norden eine Versorgung südlich der Donau entgegenzusetzen, ist in der ehemaligen Reiserklinik das "Tagesklinische Zentrum Münchener Straße" entstanden. Das letzte der vier Therapiezentren dort ist für alte Menschen und wurde am Freitag offiziell eröffnet.
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15 Plätze bietet die am freitag eröffnete akutgeriatrische Tagesklinik, die mit vielerlei Therapieräumen ausgestattet ist. Von der Einsatzbereitschaft der Geräte überzeugten sich (linkes Bild von rechts) Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Oberbürgermeister Christian Lösel und Michael Ruth, Direktor der Klinik für Akutgeriatrie am Ingolstädter Klinikum. Antonpfarrer Matthias Blaha segnete mit Pfarrerin Julia Conrad (St. Markus) die Einrichtung.
15 Plätze bietet die am freitag eröffnete akutgeriatrische Tagesklinik, die mit vielerlei Therapieräumen ausgestattet ist. Von der Einsatzbereitschaft der Geräte überzeugten sich (linkes Bild von rechts) Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Oberbürgermeister Christian Lösel und Michael Ruth, Direktor der Klinik für Akutgeriatrie am Ingolstädter Klinikum. Antonpfarrer Matthias Blaha segnete mit Pfarrerin Julia Conrad (St. Markus) die Einrichtung.
Eberl
Ingolstadt
Der Ort der ehemaligen Privatklinik ist natürlich ein durchaus historischer und ein hervorstechender Grund der Ingolstädter Medizingeschichte. Auch nach der umfangreichen Sanierung der Räume wird das mehr als sichtbar. Die Fassade erscheint seit längerer Zeit nun schon in Schwarz, was mit dem in Blau gehaltenen Eingangsbereich aber inzwischen nicht mehr ganz so bedrückend wirkt. Denn im Inneren geht es ja um ein erfreuliches Hilfsangebot für Menschen, das es so noch nicht in der Stadt gegeben hat.

Vier Tageskliniken bietet das Ingolstädter Klinikum in Zusammenarbeit mit dem Heckscher-Klinikum des Bezirks Oberbayern und der Emmi-Böck-Förderschule hier an: Seit April stehen 15 Plätze für Kinder- und Jugendpsychiatrie zur Verfügung. Außerdem können jeweils zwölf Menschen in den Tageskliniken für Psychiatrie sowie für Psychosomatik versorgt werden. Als letzte in dem Zentrum ist nun die Tagesklinik für Akutgeriatrie eröffnet, die sich an Menschen ab 70 Jahren richtet.

Bei allen vier Zentren ist die Grundidee identisch: Tagsüber ist Behandlung, abends sind die "optimal und hochkompetent betreuten" Patienten wieder zu Hause - "in der Familie, in ihrem sozialen Umfeld und können im eigenen Bett übernachten", sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. Er sei deshalb ein großer Verfechter des tagesklinischen Konzeptes, fügte Mederer am Freitag bei der Eröffnung der Akutgeriatrie an.

Besonders im psychischen Bereich sei es eine perfekte Ergänzung, wenn es auch "noch viel zu tun" gebe, so der Bezirkstagspräsident. 20 bis 30 Prozent der Patienten, die aktuell irgendwo stationär behandelt würden, könnten auch gewiss tagesklinisch mit den genannten Vorteilen versorgt werden. "Damit wir uns da nicht falsch verstehen: Da geht es mir nicht um das Geld. Es geht da um den Menschen und die richtige Behandlung", sagte Mederer.
 
Eberl
Ingolstadt



Die Einrichtung in der alten Reiserklinik schließt eine Lücke im Angebot - für Menschen, die eben aus einer stationären Behandlung oder einer Rehaeinrichtung kommen und einen Zwischenschritt bis zur vollständigen Aufnahme zu Hause brauchen. Oder auf umgekehrten Weg für Menschen, die mit psychischen und/oder körperlichen Gebrechen durch einen niedergelassenen Arzt zugewiesen werden.

Die Nachfrage ist definitiv da. Das weiß Michael Ruth, der Direktor der Klinik für Akutgeriatrie am Ingolstädter Klinikum, zu dem die Einrichtung in der ehemaligen Reiserklinik unmittelbar gehört. Während gerade die ersten Seniorinnen ihre Behandlung in den großzügigen Räumen begonnen haben, werde man in wenigen Wochen sicherlich "unter Volllast immer voll sein", so Ruth. Er geht von einer Wartezeiten aus, wobei die Therapien mit einer Dauer von zehn Tagen (zwei Wochen je Montag bis Freitag) angesetzt sind.

Von der Privatklinik des Dr. Reiser zur Tagesklinik

Zunächst wurde ein Wohnhaus umgebaut, doch die Klinik lief so erfolgreich, dass sie 1972 erweitert wurde. In jenem Jahr wurde die Klinik Dr. Reiser staatlich anerkannt, verbunden mit der Aufnahme in den Krankenhausplan. Dadurch war das Haus den größeren kommunalen Krankenhäusern finanziell gleichgestellt und bekam fortan Fördermittel. 1974 folgte ein Neubau für die HNO-Abteilung. Nach dem Tod des Klinikgründers (1986) ging das Haus an die zweite Generation über. 1990 nahm Dr. Silvano Reiser seine Tätigkeit als Facharzt für Chirurgie auf. Es folgten Jahre der Generalsanierung und der Bau eines neuen Haupthauses, mit dem sich die Nutzfläche auf 5000 Quadratmeter verdoppelte. 2002 wurde der Neubau bezogen. Doch man hatte zu groß gebaut.

Im Januar 2008 ging die Reiserklinik eine Kooperation mit dem Ingolstädter Klinikum ein. Das Klinikum betrieb im ersten Stock eine Station mit 20 Betten für chirurgische Patienten. Die Privatklinik selbst verfügte zu dieser Zeit noch über 14 Belegbetten. Beide Einrichtungen arbeiteten mit eigenem Personal. Zum 1. September 2008 wurde an der Reiserklinik der lange geforderte Notarztstandort im Süden übergeben. Ein Jahr später wurde bekannt, dass das Klinikum die Reiserklinik komplett übernehmen möchte. Der Deal ging im Februar 2010 über die Bühne. Zunächst waren hier Abteilungen und das Schlaflabor des Klinikums untergebracht, im November 2011 mietete sich das Neuburger Geriatriezentrum ein, das die Filiale aber im September 2013 wieder schloss.

Danach standen die Räume leer. Zwischen September 2015 und März 2016 lebten dort rund 200 Flüchtlinge im Rahmen des Notfallplans. Von Juni 2016 bis Februar 2018 lief danach die lange geplante Renovierung für das "Tagesklinische Zentrum Münchener Straße" mit vier Einrichtungen, die das Ingolstädter Klinikum in Kooperation mit dem Heckscher-Klinikum des Bezirks Oberbayern betreibt. Die Ausbaukosten betrugen rund 5,2 Millionen Euro.


330 Minuten täglich müssen die Patienten den Vorgaben entsprechend im Haus bleiben und die Therapie durchlaufen. "Das ist eine ziemliche Anstrengung", weiß Ruth aus Erfahrung. Für beide Seiten. Entsprechend hoher personeller Aufwand werde in der Geriatrie verlangt. Die Tagesklinik umfasst Stellen für drei Ärzte (Neurologie, Internist, Rehamedizin), drei Pfleger, zwei Physiotherapeuten, einen Ergotherapeuten, einmal physikalischen Therapie und jeweils halbe Stellen für Logopädie und Sozialdienst. "Man muss alte Menschen auch ganz besonders mögen", fasst Ruth das Anforderungsprofil zusammen. Schließlich handele es sich in der Regel um "multimorbide" Patienten, die also viele Erkrankungen gleichzeitig aufweisen.

Und die bekämen hier nun, wie Pfarrerin Julia Conrad bei der Segnung der Räume sagte, "ein Gefühl der Geborgenheit und noch Freude am Leben".

TAG DER OFFENEN TÜR AM SONNTAG

Die vom Ingolstädter Klinikum, dem Heckscher-Klinikum des Bezirks Oberbayern und der Emmi-Böck-Schule getragene Einrichtung in der früheren Reiserklinik (Eingang Hanslmairstraße) hat von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Die Besucher haben die Möglichkeit, sich bei Vorträgen sowie Mitmach- und Infoständen über Therapieangebote bei Erkrankungen jeder Altersstufe zu informieren.

Die Besucher erwarten 10- bis 20-minütige Vorträge der behandelnden Ärzte und Therapeuten. Sie referieren über die Vorteile tagesklinischer Behandlungen, zu psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen sowie zum erfolgreichen Altern und stehen für Fragen zur Verfügung.

Ergänzt wird das Programm durch Mitmach-Aktionen, wie dem Testen eines Altersanzuges, Achtsamkeitsübungen oder kreative Angebote für Kinder. Im Rahmen der akutgeriatrischen Therapieformen werden die Ergo-, Musik- und Sporttherapie vorgestellt. Außerdem können die Klassenzimmer der Emmi-Böck-Schule besichtigt werden. Lehrpersonal der Einrichtung steht für Fragen zur Verfügung. DK

Christian Rehberger
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