Sonntag, 20. Januar 2019
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Rund 1100 Menschen besuchen in der ersten Stunde den neuen Primark - Demo gegen Billigkleidung

Partystimmung zur Eröffnung

Ingolstadt
erstellt am 30.08.2018 um 20:40 Uhr
aktualisiert am 03.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) So viele Menschen sind in der Innenstadt selten zu sehen: Eine Stunde nach der Eröffnung werden knapp 1100 Kunden im neuen Primark in der Ludwigstraße gezählt. Es ist die 27. Filiale des irischen Textildiscounters in Deutschland - die zweite in Bayern. Die meisten Besucher äußern sich positiv über das neue Angebot. Außerhalb des Geschäfts fordern etwa zwei Dutzend Demonstranten faire Bedingungen in der Textilproduktion.
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"Verstecktes Leid im Billigkleid", steht auf einem der gelben Plakate der von der Landtagskandidatin der Linken, Eva Bulling-Schröter, angeführten Gegendemonstration, zu der neben den Linken die Ortsgruppe von Transition Town und Bund Naturschutz aufgefordert haben. Die Menschen, die in einer langen Schlange vor der Absperrung zum Eingang warten, haben kaum ein Auge für sie.
 
Der Primark ist eröffnet: Mit einer überdimensionalen Schere zerschneiden Bürgermeister Sepp Mißlbeck und Storemanagerin Anastasia Taylor das Absperrband.
Der Primark ist eröffnet: Mit einer überdimensionalen Schere zerschneiden Bürgermeister Sepp Mißlbeck und Storemanagerin Anastasia Taylor das Absperrband.
Eberl
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Auch im Innern des über 3100 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassenden, weltweit 360. Primark-Stores interessieren sich nur wenige für das Anliegen der Demonstranten. Hier haben die Gäste - darunter auch Vertreter der Innenstadtgeschäfte und IN-City-Vorsitzender Thomas Deiser - den Primark vor der offiziellen Eröffnung schon mal in Augenschein nehmen können.
Mitarbeiter halten die Eröffnung mit dem Smartphone fest (Foto links) . Vor dem Laden demonstrieren Kritiker um die Landtagskandidatin der Linken, Eva Bulling-Schröter, für bessere Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern (rechts oben). Eine Karte im Kassenbereich weist auf lokale Sehenswürdigkeiten hin (kleines Foto, links). Ob es diese Schuhe (rechts) auch bei Primark gibt?
Mitarbeiter halten die Eröffnung mit dem Smartphone fest (Foto links) . Vor dem Laden demonstrieren Kritiker um die Landtagskandidatin der Linken, Eva Bulling-Schröter, für bessere Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern (rechts oben). Eine Karte im Kassenbereich weist auf lokale Sehenswürdigkeiten hin (kleines Foto, links). Ob es diese Schuhe (rechts) auch bei Primark gibt?
Eberl
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T-Shirts ab 2,50 Euro, der modische Flausch-Pulli für 13 Euro, Jeans ab 11 Euro, ein Damen-Blazer für 22 Euro, angesagte Sneaker für 12 Euro: Primark-Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann weiß genau, dass die billigen Preise und vor allem, dass Primark in Billiglohnländern produzieren lässt, vielerorts auf Kritik stößt. Und lässt keine Gelegenheit aus, auf die ethischen Werte, "für Primark eine Herzensangelegenheit und Herausforderung zugleich", einzugehen.
 
Die Eröffnung im Live-Blog
 
Fabriken, die für das Unternehmen arbeiten, würden "sehr bewusst ausgewählt" und 60 Tage lang nach international anerkannten Standards überprüft. Der Verhaltenskodex enthalte Standards über Bezahlung, arbeitsrechtliche Vorschriften sowie Sicherheit und Gesundheit. Dass die Preise so günstig seien, liege an den "schlanken Organisationsformen" des Unternehmens.
 
Eberl
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Rund 200 Mitarbeiter werden in der Ingolstädter Filiale arbeiten. Nicht alle Stellen sind bereits besetzt. "Ich denke, dass wir dazu beitragen werden, in der Ludwigstraße die Frequenz zu erhöhen", sagt Krogmann. Worte, die man in Ingolstadt gerne hört. Bürgermeister Sepp Mißlbeck bezeichnet den neuen Primark-Store als "wichtigen Meilenstein für die Altstadt".
 
Eberl
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Mitarbeiter in "I-love-Primark"-T-Shirts zählen den Countdown runter, bei Null schneidet Mißlbeck mit Storemanagerin Anastasia Taylor das Band durch. Kurz vor 10 Uhr öffnen sich die Türen, fast eine Viertelstunde lang drängt eine Menschenmasse zu DJ-Musik und unter Anfeuerungsrufen der Mitarbeiter in den Laden. Viele verlassen ihn später mit Einkaufstüten. Die aus Pappkartons recycelte Primark-Tasche ist am Eröffnungstag vielfach zu sehen - in der Fußgängerzone, im Café und sogar in manch anderem Geschäft.
 
Eberl
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Kommentar von Ruth Stückle

Sie demonstrieren gegen "die Billigheimer" und für bessere Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern.
Das ist begrüßenswert und verdient Respekt. Allerdings darf sich die Kritik nicht ausschließlich auf Primark oder andere Billiganbieter beziehen. Designerfirmen wie Hugo Boss oder Adidas lassen zum Teil in denselben Fabriken produzieren wie Primark & Co. Nur, dass das T-Shirt dann nicht 2,50, sondern um die 50 oder im Einzelfall auch mal gerne über 100 Euro kostet. Und im Gegensatz zu manch anderer Firma hat Primark nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch seine Hausaufgaben gemacht.

Ob Primark der Heilsbringer für die Innenstadt ist, wird sich zeigen. Ein Ansporn für die anderen Geschäftsleute in der Altstadt jedenfalls dürfte er sein. Das Sortiment ist umfangreich, die Öffnungszeiten kundenfreundlich. Für die Kaufleute der Innenstadt gibt es viel zu tun.
 
Fotostrecke: Primark Eröffnung Ingolstadt
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Ruth Stückle
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