Montag, 19. November 2018
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Die Rettung des Mosaiks von Knut Schnurer am Reuchlin-Gymnasium wird wohl gelingen

Notoperation mit der Flex

Ingolstadt
erstellt am 10.09.2018 um 18:54 Uhr
aktualisiert am 14.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Abriss des Ostbaus des Reuchlin-Gymnasiums gefährdet ein Mosaik von Knut Schnurer, das einen Treppenaufgang in dem Turnhallentrakt ziert. Erfahrene Handwerker haben jetzt einen Weg gefunden, die Bestandteile des Keramik-Reliefs von der Wand zu nehmen und die Arbeit des Ingolstädter Künstlers aus den 1970er-Jahren zu erhalten.
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Kunst-Retter: Hans Zech und Franz Horvath (oben rechts) vor dem Kunstwerk Knut Schnurers, das schon in Teilen abgebaut ist (unten Mitte). Dazu werden mit einem Trennschleifer zunächst die Kachelfugen und dann die Metall-Aufhängungen durchtrennt (unten links). Die einzelnen Mosaik-Elemente werden gut verpackt verwahrt, um sie eines Tages wieder im Reuchlin-Gymnasium aufhängen zu können.
Kunst-Retter: Hans Zech und Franz Horvath (oben rechts) vor dem Kunstwerk Knut Schnurers, das schon in Teilen abgebaut ist (unten Mitte). Dazu werden mit einem Trennschleifer zunächst die Kachelfugen und dann die Metall-Aufhängungen durchtrennt (unten links). Die einzelnen Mosaik-Elemente werden gut verpackt verwahrt, um sie eines Tages wieder im Reuchlin-Gymnasium aufhängen zu können.
Hauser
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Wenn Franz Horvath den Trennschleifer ansetzt, könnte man auf den ersten Blick meinen, er sei unter die Bilderstürmer gegangen. Der gelernte Kamin- und Kacholfenbauer weiß allerdings genau, was er tut, wenn er die kreischende Flex funkenstiebend in die Fugen des Wandreliefs im Reuchlin-Gymnasium treibt. Er will das Kunstwerk retten, nicht zerstören. Der städtische Kurator Hans Zech und Robert Schmid von der ausführenden Bausanierungsfirma ICE haben den erfahrenen Handwerker als Verstärkung zu ihrer künstlerischen Rettungsaktion hinzugezogen. Es geht um das großflächige Keramik-Relief des Ingolstädter Kunstförderpreisträgers Knut Schnurer, das seit der Mitte der 1970er-Jahre den so genannten Ostbau der Schule ziert. Der Trakt wird nun abgerissen.
 
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Neben Zech hatte sich auch die Ingolstädter Grünen-Stadträtin und Lehrerin am Reuchlin, Barbara Leininger, für den Erhalt des Kunstwerks eingesetzt. Mehrere Varianten wurden diskutiert. Am Ende kamen die Verantwortlichen überein, die Wand hinter dem Kunstwerk Stück für Stück abzutragen und so die über 100 glasierten Keramikkacheln abzubauen.
 
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Vergangene Woche schritten die Bauarbeiter zur Tat. Von einem Klima-Raum aus schlugen sie ein Loch in die Wand hinter dem Relief und lösten so die erste Kachel ab. Dabei wurde auch sichtbar, wie sie an der Wand befestigt ist: Haken und Ösen verbinden die Bildelemente untereinander und mit der Wand. Den Bauprofis wurde klar, dass es eventuell gar nicht nötig war, die gesamte Wand abzutragen und entwickelten die Methode, mit der die Kacheln jetzt abgenommen werden. Mit dem Trennschleifer werden dabei zunächst die Fugen zwischen den Keramikplatten zerteilt. Dann werden die Metallstifte, die das Kunstwerk an der Wand halten, durchschnitten. "Bisher ist dabei keine einzige Kachel beschädigt worden", versichert Horvath. Mit einem Holzkeil und gezielten Hammerschlägen lösen er und seine Kollegen dann jede Kachel einzeln ab, erklärt der 68-Jährige. Zwei Helfer sind notwendig, um die Keramiken abzutransportieren. Sie wiegen teils deutlich über 30 Kilogramm.
 
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Von Mörtelresten befreit werden die Stücke verpackt und nummeriert, um das Kunstwerk später einfacher zusammensetzen zu können. "Einige Kacheln haben leichte Beschädigungen, die im Schulbetrieb entstanden sind", erklärt Zech. Abgesprunge Stellen in der Glasur werden noch zu restaurieren sein.

Heute oder morgen sollen die letzten Kacheln von der Wand abgenommen sein. "Sie werden zunächst eingelagert", sagt Zech. So soll es aber nicht bleiben. Unter anderem hat sich Kulturreferent Gabriel Engert dafür ausgesprochen, das Relief an einem öffentlichen Ort wieder auszustellen. Zuletzt kursierten bereits einige Ideen, wo das Mosaik wieder zusammengesetzt werden könnte. Unter anderem war der Innenhof der Harderbastei im Gespräch.

Wie Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle auf Anfrage des DONAUKURIER erklärte, schwebt den Verantwortlichen mittlerweile eine andere Lösung vor: Das Kunstwerk soll nach der Errichtung des Neubaus wieder einen Platz am Reuchlin-Gymnasium finden. "Die Architekten sind angehalten, einen Platz in der Schule dafür zu finden", betont Preßlein-Lehle. "Schließlich gehört es da ja auch hin." Knut Schnurer war in den 1930er-Jahren selbst Schüler am humanistischen Gymnasium, das heute Reuchlin-Gymnasium heißt.
Johannes Hauser
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