Dienstag, 11. Dezember 2018
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Leonhard Bergsteiner und sein Buch über die einstige Schambachtalbahn

Nostalgische Reise nach Riedenburg

Ingolstadt
erstellt am 18.11.2018 um 18:42 Uhr
aktualisiert am 22.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (peh) Wo heute ein bequemer Radweg verläuft, führten bis vor einigen Jahrzehnten Gleise von Ingolstadt nach Riedenburg.
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Eisenbahnexperte Leonhard Bergsteiner und sein neues Buch über die Schambachtalbahn.
Eisenbahnexperte Leonhard Bergsteiner und sein neues Buch über die Schambachtalbahn.
Eberl
Ingolstadt
Nur wenig erinnert noch an diese Zeit. Aber man erkennt noch einige Relikte, wie etwa die früheren Bahnstationen in Mendorf oder Theißing, heute schön gelegene Privathäuser. Fährt der Ausflügler heute mit dem Fahrrad ins Altmühltal, war dies einst ein schöner Tagesausflug mit der Bahn. Der Eisenbahnexperte Leonhard Bergsteiner hat jetzt ein neues Buch herausgebracht, in dem er 90 Jahre Eisenbahngeschichte wieder zum Leben erweckt. "Unvergessene Schambachtalbahn - Eine nostalgische Reise von Ingolstadt nach Riedenburg" lautet der Titel des Buches, das er gestern im Barocksaal des Stadtmuseums vorgestellt hat.

Bergsteiner ist nicht einer von vielen Bahn-Nostalgikern in der Region. Er ist der Eisenbahnfachmann, der schon etliche Bücher über sein Lieblingsthema verfasst hat. Archivar Edmund Hausfelder erläuterte in seiner Einführung kurz die Geschichte des Eisenbahnwesens in Ingolstadt. Erst spät, 1867, wurde Ingolstadt an das Bahnnetz in Bayern angeschlossen. Nach der Strecke nach München folgten in den Jahren darauf die Linien nach Treuchtlingen, Regensburg und Donauwörth sowie 1875 nach Augsburg.

Damit war für fast drei Jahrzehnte erst mal Schluss. Bis dann im Jahr 1894 die Ratskollegien von Ingolstadt und Riedenburg ein Bittgesuch nach München sandten, man möge doch prüfen, ob eine Zugverbindung entweder nach Kinding oder nach Riedenburg möglich sei, so Bergsteiner. Interessant ist die Begründung: Man wollte nicht nur den Güterverkehr stärken. Vielmehr sollten die Menschen in Ingolstadt die Möglichkeit haben, kleine Tagesausflüge ins Altmühltal zu unternehmen, da sie sich größere Reisen ohnehin nicht leisten konnten. Zunächst passierte überhaupt nichts, weil in dieser Zeit mehrere derartige Projekte verwirklicht wurden. Doch im Jahr 1900 wurden die ersten Schienen verlegt, 1902 war Dolling erreicht, 1904 schließlich Riedenburg. 42 Kilometer vom Hauptbahnhof aus, 39 vom Nordbahnhof. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern in der Stunde dauerte die einfache Fahrt gute eineinhalb Stunden.

Bergsteiner hat einen alten DK-Artikel aus dem Jahr 1954 ausgegraben, worin der Heizer der allerersten Fahrt sich an die Premiere erinnert. Da die Zugfahrt kostenlos war, wollten viele Riedenburger die Gelegenheit nutzen, um günstig aufs Oktoberfest zu kommen. Viele auf dem Land hatten zuvor noch nie einen Zug gesehen, manche alten Frauen fürchteten gar, der Leibhaftige sei erschienen. Geschichten wie diese sind es, die das Buch von Bergsteiner zu einer unerschöpflichen Quelle der lokalen Eisenbahngeschichte machen. Oder die Erinnerung an Bayerns erste Bahnagentin. Käthe Stadler hatte während der Bauphase für die Arbeiter gekocht und sich anschließend für die Agentur in Mendorf beworben. Das heißt, sie verkaufte Billets und erledigte den Frachtverkehr. Bis 1929 war sie Agentin, bis zur Schließung der Agentur im Jahr 1962 ihr Sohn Michael.

Leonhard Bergsteiner hat sich akribisch mit der Schambachtalbahn beschäftigt, und das in allen Bereichen. Ob Lokomotiven, Bahnstationen und Bahnhöfe, der Transport der Zuckerrüben, die Modellbahn, das Dampflok-Sammellager Desching (heute Gunvor-Raffinerie) oder die schrittweise Einstellung des Verkehrs bis 1994: Der Eisenbahnkenner hat alles dokumentiert. Besondere Erwähnung müssen hier auch die zahlreichen historischen Fotos finden, die die Erinnerung an die Schambachtalbahn hoch halten. Manches dürfte vielleicht noch bekannt sein, wie der Nordbahnhof und das Wandgemälde mit den Ausflugstipps der Region, einiges ist in Vergessenheit geraten. Leonhard Bergsteiners Buch ist ein unverzichtbarer Beitrag, dass auch kommende Generationen bei ihren Ausflügen auf dem schon ab Ingolstadt ausgeschilderten Schambachtal-Radwanderweg wissen, dass sie auf einer früheren Bahnstrecke radeln.

Leonhard Bergsteiner: Unvergessene Schambachtalbahn, Erfurt 2019, Sutton Verlag, 120 Seiten, zahlreiche Abbildungen.
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