Dienstag, 23. Oktober 2018
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E-Zigaretten liegen im Trend - ein Mediziner sieht dennoch Gefahren

Nikotinkonsum im Akkubetrieb

Ingolstadt
erstellt am 23.07.2018 um 19:54 Uhr
aktualisiert am 27.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (mbl) Salonfähig ist der blaue Dunst schon lange nicht mehr, das Rauchen in Deutschland inzwischen mehr verpönt als geduldet.
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Auf den Geschmack gekommen: Adrian (vorne rechts) und Roxana (hinten rechts) sind Nutzer einer sogenannten elektrischen Zigarette. Für sie hat das im Moment vor allem Vorteile.
Auf den Geschmack gekommen: Adrian (vorne rechts) und Roxana (hinten rechts) sind Nutzer einer sogenannten elektrischen Zigarette. Für sie hat das im Moment vor allem Vorteile.
Foto: Brandl
Ingolstadt
Nicht zuletzt das Rauchverbot in Gaststätten hat dazu beigetragen. Die Verbote umgehen lassen sich auch mit elektrischen Zigaretten nicht. Glaubt man den Herstellern, liegen diese bei erwachsenen Rauchern dennoch im Trend. Zudem soll das Endprodukt, der nikotinhaltige Dampf, sehr viel weniger Schadstoffe enthalten als der beim Rauchen verbrennende Tabak.

Der Tabakwarenkonzern Philip Morris vertreibt seit mehr als einem Jahr sein Produkt IQOS in Deutschland. Dabei handelt es sich um einen elektrischen Tabakerhitzer, in dem sogenannte Heets, kurze Stifte aus Tabak, auf bis zu 300 Grad Celsius erhitzt werden. Tabakaroma und Nikotin werden so für den Konsumenten freigegeben. "Es entsteht ein Dampf mit Tabakgeschmack, allerdings kein Geruch von Zigarettenrauch", heißt es von Philip Morris. Jetzt hat die Münchner Niederlassung des Konzerns in der Donaustraße in Ingolstadt ihren zehnten Store in Deutschland eröffnet. Rund 100 geladene Besucher waren am Eröffnungsabend dabei. "Die große Nachfrage nach unserem Produkt hat uns ermutigt, in die Fläche zu gehen und IQOS nun auch in der zweitgrößten Stadt Oberbayerns anzubieten", heißt es hierzu in einer Mitteilung aus der Geschäftsführung. Bisher beschränkte das Unternehmen sich nach eigenen Angaben auf Standorte mit mehr als 500 000 Einwohnern.

Zu den Kunden im Laden gehören Adrian und Roxana aus Ingolstadt. Sie haben sich den Tabakerhitzer schon vor sechs Monaten gekauft, sagen sie. "Die Finger werden nicht gelb, es gibt keinen Rauchgeruch, die Bedienung ist einfach und der Tabakgeschmack ist Wahnsinn", findet Adrian. Zuvor habe er auch eine E-Zigarette ausprobiert, in der eine aromatisierte nikotinhaltige Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, erhitzt wird. "Die machte mir aber zu viel Dampf", sagt er. Es sei ihm aufgefallen, dass er nicht mehr so viel husten müsse. Immerhin hätten er und seine Freundin zuvor jeweils eine Schachtel Zigaretten am Tag geraucht. Gedanken, mit dem Nikotinkonsum ganz aufzuhören, würden sie sich trotzdem machen. "Allein wegen der Gesundheit", so Adrian.

Die sieht der Ingolstädter Mediziner und niedergelassene Arzt Anton Böhm auch bei sogenannten Dampfern zumindest gefährdet. "Durch das Verdampfen werden die krebserregenden Verbrennungsstoffe um mehr als 90 Prozent reduziert und das Nikotin bleibt vorhanden zur Aufrechterhaltung der Sucht. Was wichtig für den Konzern ist: Die Sucht bleibt weiter erhalten", betont er unserer Zeitung gegenüber. Trotzdem kämen irritierende Substanzen in die Lunge, so dass Menschen mit einem empfindlichen Pulmonalsystem, wie beispielsweise bei hyperreagiblem Bronchialsystem, Asthma und COPD, es weiterhin unbedingt meiden sollten.

"Inwieweit der Dampf auf Dauer gesehen schädlich oder krebserregend ist, wird dieser Langzeitversuch an uns selbst erst noch zeigen", sagt Böhm. Laut Philip Morris hätten weltweit bereits mehr als fünf Millionen Raucher der Zigarette abgeschworen und seien zu IQOS gewechselt. "Wir arbeiten an der Vision einer rauchfreien Zukunft. Unser Anspruch ist es, dass eines Tages alle erwachsenen Raucher auf potentiell risikoreduzierte Produkte umsteigen", so die Ankündigung des Herstellers.
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