Donnerstag, 15. November 2018
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SJR ermuntert bei Herbstversammlung zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus

Mut zur "radikalen Höflichkeit"

Ingolstadt
erstellt am 08.11.2018 um 20:17 Uhr
aktualisiert am 11.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) "Politische Bildungsarbeit als Antwort auf Populismus und Extremismus!? - Konsequenzen aus der U18- und Landtagswahl 2018" lautete das Schwerpunkttema der diesjährigen Herbstvollversammlung des Stadtjugendrings am Mittwochabend im Saal der Fronte79.
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SJR-Vorsitzende Annika Kupke konnte die Delegierten von 30 Mitgliedsverbänden, mehrere Schülersprecher, den Vertreter des Bezirksjugendrings Oberbayern und zahlreiche Stadträte fast aller Parteien sowie Vertreterinnen der Verwaltung begrüßen. Mehr als zufrieden zeigte sich Projektmitarbeitern Laura Holzhacker bei der Vorstellung der Ergebnisse der diesjährigen U18-Wahl. Die politischen Bildungsangebote im Vorfeld der Wahl sind demnach von den insgesamt acht beteiligten Schulen sehr gut angenommen worden. Der in Zusammenarbeit mit dem DONAUKURIER erstellte U18-Kurier habe reißenden Absatz bei den Jugendlichen gefunden. In Ingolstadt hatten am 5.Oktober mehr als 3600 Kinder und Jugendliche in elf Wahllokalen ihre Stimme abgegeben (DK berichtete).

Wie aber zukünftig umgehen mit den populistischen und extremistischen Strömungen von Links und Rechts? Hierzu stellte der Verein "Kleiner Fünf" sein Strategiekonzept vor. Ziel des 2016 bundesweit von Studenten gegründeten Vereins ist es, jegliche populistischen und extremistischen Gruppen und Parteien unter die Fünf-Prozent-Grenze zu drücken und damit aus den Parlamenten fern zu halten. Gelingen soll dies vor allem durch politische Bildungsarbeit an Schulen, durch ein Multiplikatorenmodell in sozialen Netzwerken und Hilfestellungen beim Umgang mit Alltagsrassismus. Oberste Prämisse in Diskussionen jeglicher Art ist für die Mitglieder von Kleiner Fünf dabei das Prinzip der "radikalen Höflichkeit". Das heißt: Höflich bleiben, Argumente anhören und kontrovers diskutieren, aber bei extremistischen, ausländerfeindlichen oder antisemitischen Aussagen ganz klare Haltung zeigen und das Gespräch dann auch beenden.

Dass diese Strategie gegen rechte Populisten offenbar wirkt, zeigte der erkenn- und hörbare Widerspruch der zwei anwesenden AFD-Politiker: Stadtrat Ulrich Bannert und Bezirksrat Oskar Lipp sollen es laut Mitteilung des SJR-Führung vorgezogen haben, nach einer emotionalen Diskussion mit Vorstandsmitgliedern im Anschluss an die Versammlung erzürnt die Fronte 79 zu verlassen.

Fazit des Vortrages zur "radikalen Höflichkeit" war es, auf Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Populismus mit politischer Bildung zu antworten. Dem schlossen sich dann auch die Delegierten an: Der Antrag auf Fortführung der politischen Bildungsarbeit - unter anderem mit U18-Wahlen zur Europawahl 2019 und zur Kommunalwahl 2020 und der hierfür notwendige Antrag an die Stadt Ingolstadt für einen Personal- und Sachkostenzuschuss in Höhe von 30000 Euro je Jahr wurde einstimmig beschlossen.

Darüber hinaus wurden von der Versammlung weitere für den Stadtjugendring und die Ingolstädter Jugendarbeit richtungsweisende Entscheidungen getroffen. So will der SJR ab Januar 2019 die Trägerschaft für den offenen Paulus-Jugendtreff am Ruschenweg übernehmen, sofern er diese von der Stadt übertragen bekommt und auch der Bayerische Jugendring der Übernahme zustimmt. Erstmals soll es zur Kommunalwahl 2020 gemeinsame jugendpolitische Forderungen der vier Jugendringe Ingolstadt, Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen geben, die bei den Frühjahrsvollversammlungen im nächsten Jahr verabschiedet werden sollen.

Als weitere Programm-Highlights wurden die Teilnahme an der miba unter dem Motto "Halle12 - JungeThemenentdecken", die Durchführung von Kindolstadt und die 40. Runde des Ingolstädter Ferienpasses beschlossen. Als Konsequenz der neuen und zusätzlichen Aktivitäten konnte SJR-Geschäftsführer Stefan Moser einen Rekordhaushalt in Höhe von rund 2,1 Millionen Euro vorstellen, der von den Delegierten ebenfalls einstimmig beschlossen wurde.
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