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Just zum großen WM-Duell mit den Deutschen feiern die Schweden heute auch ihr Mittsommerfest

Mit Fröschen um die Stange

Ingolstadt
erstellt am 22.06.2018 um 22:44 Uhr
aktualisiert am 27.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Man kann getrost davon sprechen, dass der Samstag unter Umständen zu einem doppelten Feiertag für die Schweden wird, sollten sie das WM-Duell mit Deutschland für sich entscheiden. Feste gibt es jede Menge, denn es ist Mittsommer, wie Kristina Karlstedt aus der besonders ausgelassen feiernden Provinz Dalarna nur zu gut weiß. Sie lebt seit 1992 in Ingolstadt und gibt ihr Schwedisch-Wissen gerne weiter.
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Um die Midsommarstång oder majstång tanzen Schweden jeden Alters heute im Ringelreigen. Zur Sommersonnenwende ist das ein Feiertag in Skandinavien. In Dalarna, der Heimatprovinz von Kristina Karlstedt, wird besonders ausgelassen gefeiert. Und dann ist ja noch WM.
Um die Midsommarstång oder majstång tanzen Schweden jeden Alters heute im Ringelreigen. Zur Sommersonnenwende ist das ein Feiertag in Skandinavien. In Dalarna, der Heimatprovinz von Kristina Karlstedt, wird besonders ausgelassen gefeiert. Und dann ist ja noch WM.
dpa
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"Åhhh hej!" So schallt es in diesen Stunden aus schwedischen Kehlen. Und zwar nicht im Fußballstadion von Sotschi, wo am Samstag um 20 Uhr das nicht unwichtige Fußball-Länderspiel zwischen der schwedischen Auswahl und der Elf aus der Bundesrepublik angepfiffen wird. Sondern in weiten Teilen des Landes. Denn es ist der Mittsommertag - nach Weihnachten die klare Nummer zwei bei den Festivitäten in Skandinavien; außer wenn die Schweden tatsächlich heute die Deutschen rauswerfen sollten und sich für Achtelfinale qualifizieren oder wenn sie Eishockey-Weltmeister werden.

Was in Schweden passiert, ist ein bisschen verwandt mit der Maibaumtradition in unseren Landen. Die majstång, wie sie heißt, wird geschmückt (in den Landesfarben blau und gelb und mit Kränzen aus Wiesenblumen und Birkenzweigen) und anschließend mit Muskelkraft und einem Stützkreuz ("Klyka") aufgerichtet, wobei das Publikum die zupackenden Herren mit dem "Åhhh hej!" anfeuert und schließlich nach getaner Arbeit beklatscht. Unterschiede beim Baumstamm sind aber deutlich: "Die Größe spielt nicht so die Rolle", sagt Karlstedt. Und dann lacht sie und ergänzt: "Geklaut wird er auch nicht."

Ihre Heimatprovinz Dalarna, die bekannt ist für die bunten Holzpferde, den Wasalauf und die Skisprungschanze sowie die Kupfergrube in der Hauptstadt Falun, ist ein Zentrum der Feierlichkeiten. "Wenn dann alle, Kinder und Erwachsene, um die majstång tanzen, dann ist das ein beliebtes Fotomotiv bei Touristen." Fest dazu gehört, dass im Ringelreigen zuerst das Fröschelied angestimmt wird, dessen Melodie und Refrain "Ko-ack-ack-ack-a" auch viele junge Eltern hierzulande bestens kennen.
 
Hauser
Ingolstadt



Gegessen und getrunken wird zu Mittsommer natürlich in rauen Mengen. Anders als an Weihnachten, wo Deftiges wie die Köttbullar (sprich "Schöttböllar") auf den Tisch kommt, ist es im Sommer vergleichsweise leichte Kost. Sill, also eingelegter Hering, und anderer Fisch ist Pflicht. Zum Hinunterspülen ist genügend und vielfältiger Vorrat vorhanden, deutet Karlstedt an, die eine Liebe zu einem Jetpiloten letztlich nach Ingolstadt geführt hat, wo sie mit ihrem Mann Reiner seit 1992 lebt.

Knapp ein Vierteljahrhundert gibt sie ihr Wissen über die schwedischen Gepflogenheiten und die Sprache an die Ingolstädter und andere Interessierte weiter. An einer privaten Sprachschule hat sie gerade einen Kurs mit drei Damen, die sich für das "kleine Land", wie Karlstedt wegen der Einwohnerzahl (knapp zehn Millionen) sagt, begeistern. "Die Erste ist mit einem Schweden liiert, die Zweite will Schweden bereisen, und die Dritte wollte eine Sprache lernen, die sonst kaum jemand macht", berichtet sie lachend. "Alles gute Gründe!"

Über Mittsommer haben sie in dieser Woche ausführlich gesprochen. Über Fußball nicht. Die WM steht bei ihr wenig im Fokus. Im Bekanntenkreis allerdings wurde sie vor dem Duell schon damit konfrontiert: "Jetzt müssen wir den Schweden zeigen, was eine Harke ist", so bekam sie es zu hören. Aber auch die Verteidigungsrede eines anderen Herrn: "Mal abwarten, so schlecht sind die nicht!" Dem könnte sich Kristina Karlstedt ungesehen anschließen. Aber egal, wie es heute ausgeht: Gefeiert wird auf alle Fälle.
Christian Rehberger
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