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Klinik Dr. Maul wird 90 Jahre alt - Zahl der jährlichen Operationen seit der Gründung von 300 auf 3000 angestiegen

Medizin in vierter Generation

Ingolstadt
erstellt am 13.09.2018 um 20:39 Uhr
aktualisiert am 17.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (rl) Am 4. November 1928 hat der Chirurg Georg Maul (1896-1961), Großvater des jetzigen Klinikleiters Michael Neudecker, das Haus an der Östlichen Ringstraße eröffnet.
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Die Liebe zum Beruf war dem Klinikgründer in die Wiege gelegt. Sein Vater, Hofrat Georg Maul (1859-1923), betrieb Ende des 19. Jahrhunderts eine Praxis am Paradeplatz - und war leitender Krankenhausarzt am städtischen Krankenhaus in der Beckerstraße.

So sah die Klinik Dr. Maul nach der Gründung 1928 aus. Rechts der damalige OP.
So sah die Klinik Dr. Maul nach der Gründung 1928 aus. Rechts der damalige OP.
Klinik Dr. Maul
Ingolstadt
Nach dem Tod des Vaters übernahm der Sohn die Praxis am Paradeplatz, wo er bereits Betten für kleinere Operationen bereithielt. 1925 erwarb man das Grundstück an der Östlichen Ringstraße, wo in drei Jahren Bauzeit eine Klinik mit 35 Betten entstand. Sie wurde dem heiligen Don Bosco geweiht und erhielt damals den Beinamen Don Bosconeum. Die Pflege übernahmen die Barmherzigen Schwestern. Von Anfang an vertreten waren die Fachrichtungen Chirurgie, Geburtshilfe und Gynäkologie. Im letzten Kriegsjahr wurde die Klinik bei einem Bombenangriff fast völlig zerstört. Niemand kam ums Leben. Noch im gleichen Jahr begannen die Arbeiten zum Wiederaufbau, Ende 1946 wurde der Betrieb mit 60 Betten wieder aufgenommen.

Nach dem Krieg kam der spätere Schwiegersohn des Klinikgründers, der Chirurg und Unfallchirurg Ludwig Neudecker (1920-2009), an die Klinik. Er übernahm 1961 nach dem Tod seines Schwiegervaters die ärztliche Leitung. Nach seinem Ruhestand 1995 trat der Allgemein- und Unfallchirurg Giovanni Longhi, ehemals leitender Oberarzt im Krankenhaus Bogenhausen, die Nachfolge an. Er war bis zu seiner Pensionierung 2016 auch ärztlicher Leiter. Michael Neudecker, der Sohn von Ludwig und Beate Neudecker, setzte die Familientradition in vierter Generation fort. Er absolvierte an verschiedenen Kliniken eine Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, war unfallchirurgisch-orthopädischer Oberarzt des Klinikums am Plattenwald in Bad Friedrichshall/Heilbronn. 2006 kam er an die Maul-Klinik.
 
Klinik Dr. Maul
Ingolstadt



Größtes Bauprojekt in der Klinikgeschichte war die Generalsanierung, die 1991 begonnen wurde. Das Gebäude wurde schrittweise komplett abgetragen und in mehreren Bauabschnitten neu aufgebaut. Im letzten Abschnitt wurden 2014 die chirurgische Notaufnahme, ein vierter OP, eine neue Sterilisatinseinheit und der neu ausgestattete Aufwachraum fertiggestellt. Allein dieser Bauabschnitt kostete 3,6 Millionen Euro, er wurde teilweise von der Regierung gefördert.

Obwohl die Klinik "in privater Trägerschaft" geführt wird, war sie niemals eine Privatklinik im wörtlichen Sinn. "Wir waren immer an den Krankenhaus-Bedarfsplan angeschlossen", betont Neudecker. In der Gründerzeit gab es im Jahr 300 Operationen. Heute werden in dem Krankenhaus jährlich rund 3000 stationäre OPs durchgeführt. Über 12000 Patienten besuchen die chirurgische Notaufnahme, deren Öffnungszeit aus Personalgründen zurzeit von 24 Stunden auf 8 bis 20 Uhr reduziert wurde. Derzeit arbeiten 140 Angestellte in der Klinik. Neben dem Orthopäden und Unfallchirurgen Michael Neudecker ist der Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie, Tristan Künzel, in der Chirurgisch-orthopädischen Gemeinschaftspraxis Ingolstadt tätig, die sich im Erdgeschoss der Klinik befindet. Die beiden werden unterstützt von der Orthopädin und Unfallchirurgin Dorina Tertiu und - ab 1. Oktober - von Robert Lindner, langjähriger Oberarzt am Universitätsklinikum Jena. Ferner gibt es 24 sogenannte Belegärzte, niedergelassene Fachärzte, die an der Klinik operieren.
 
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