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Leichtgewichte schlagen ein

erstellt am 14.02.2008 um 21:39 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:37 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die jüngere Geschichte der Stadt Ingolstadt und der Region ist verknüpft mit dem Aufstieg des Automobilherstellers Audi. Der DONAUKURIER und seine Heimatzeitungen stellen die Ingenieure und ihre Autos vor, die diese Entwicklung möglich gemacht haben. Heute: Audi 50 und 80.
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Gruppenbild mit automobilen Schätzen: Die Ingenieure Franz Behles, Hans-Günther Haldenwanger, Fritz Naumann, Hans Nedvidek, Franz Hauk, Karl Bauer und Eckart Albat haben unter anderem Teile des ersten Audi 80 (vorne) entwickelt.
Es war einmal ein deutscher Autohersteller. Der konstruierte ein rundliches Auto mit niedlichen Kulleraugen, das ihn weltberühmt und eine ganze Nation mobil machen sollte. Doch aus dem Segen wurde ein Fluch, Anfang der 1970er Jahre stand Volkswagen vor erheblichen Problemen. Viel zu lange hatte die Konzernmutter von Audi am Käfer festgehalten. Der verkaufte sich immer schlechter. Er mochte das Wirtschaftswunder-Symbol schlechthin sein und ein Filmstar obendrein, technisch veraltet war er trotzdem. In letzter Minute schaffte es VW, seine Produktion auf moderne Modelle umzustellen – dank der Arbeit der Ingolstädter Audi-Ingenieure und massiver Technologietransfers von Ingolstadt nach Wolfsburg. Das erste neue Modell war der Golf. Doch die Verantwortlichen trauten dem eckigen Auto nicht zu, ein würdiger Nachfolger des Käfers zu sein. Ein Plan B musste her: der Audi 50.

"Das Auto diente als Absicherung für den Golf", erinnert sich der Ingenieur Franz Behles. Denn die Verantwortlichen seien sich nicht sicher gewesen, ob der intern wegen seiner kantigen Form spöttisch "Kohlenkasten" genannte Golf von den Kunden akzeptiert werden würde.

"Der 50 war eine komplette Neuentwicklung", erinnert sich Hans Nedvidek, der ehemalige Leiter der Getriebeentwicklung bei Audi. "Es war eines der leichtesten Autos seiner Zeit", berichtet der Ingenieur Hans-Günther Haldenwanger. Sein ehemaliger Kollege Karl Bauer fügt hinzu: "Die Verbundlenkerachse, die wir für den 50 entwickelten, wurde zum Maßstab bei Kleinwagen."

Für die Präsentation des Autos hätten die Audi-Mitarbeiter ein neues Maß erfunden, berichtet der Ingenieur Fritz Naumann. "Von der Ferse des Fahrers bis zur Oberkante der Rückenlehne der hinteren Sitzbank." Da sei der 50 sogar besser gewesen als der damalige Fünfer-BMW. "Man muss sich halt nur die richtigen Maße einfallen lassen", sagt Nau-mann lächelnd.

Selbst die Rennfahrerlegende Karl Kling war vom Audi 50 beeindruckt. Naumann erinnert sich: "Der hat mal gesagt: Das ist ein tolles Auto. Es hat nur einen Fehler: Keinen Stern auf der Haube." Kling war in seiner aktiven Zeit vor allem für Mercedes Benz gefahren.

Der Audi 50 diente dann auch als Basis für den VW Polo, der anfangs schlechter motorisiert und ausgestattet war. 1978 wurde die Produktion des Audi 50 allerdings eingestellt. Die Konzernchefs wollten dem Polo nicht hausintern das Wasser abgraben.

Eine wesentlich längere Karriere war dem großen Bruder des 50 vorbehalten, dem Audi 80. Der diente im VW-Audi-Konzern ab 1972 unter anderem dafür, moderne Technik zu erproben, die dann auch anderweitig verbaut wurde. Zum Beispiel im ersten VW Passat. Der ist nichts anderes als ein Audi 80 mit Schrägheck und anderer Hinterachse. "Es ist schon erstaunlich, dass der 80 mit Rucksack so viel anders ausschaut", sagt der Ingenieur Franz Behles.

Zu besonderem Ruhm gelangten die Motoren des Audi 80. Sie wurden auch im Golf und im Passat verbaut und waren viele Jahre lang die Basis aller Motoren des VW Konzerns. Noch heute, 36 Jahre nach der Präsentation des Audi 80, stammen die VW-Vierzylindermotoren vom intern EA 827 bezeichneten Motor des Audi 80 ab. "Volkswagen hat diesen Motor millionenfach gebaut", sagt der Motorenentwickler Franz Hauk. "An fünf Orten auf der ganzen Welt." Sogar in China wurde der in Ingolstadt entwickelte Motor gebaut.

Von Tom Webel
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