Dienstag, 11. Dezember 2018
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Fingerzeig für die Zukunft: Nachhaltigkeit, Klima- und Tierschutz dominieren die erste U18-Wahl

Das wächst was heran

Ingolstadt
erstellt am 11.10.2018 um 20:35 Uhr
aktualisiert am 15.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Nach der Wahl ist vor der Wahl. Am Sonntag wird es ernst für die Parteien, wenn die Erwachsenen die neue Zusammensetzung des Maximilianeums bestimmen und damit indirekt den Ministerpräsidenten. Dann wird sich zeigen, wie nahe die letzten Meinungsumfragen an das tatsächliche Ergebnis herankommen - und in gleicher Weise die U18-Wahl, die erstmals in Ingolstadt stattgefunden hat.
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In elf Wahllokalen konnten Kinder und Jugendliche in Ingolstadt erstmals ihre Stimmen abgeben, sieben Schulen und vier Einrichtungen beteiligten sich. Mit den rund 3600 Teilnehmern war der Stadtjugendring als Veranstalter hochzufrieden.
In elf Wahllokalen konnten Kinder und Jugendliche in Ingolstadt erstmals ihre Stimmen abgeben, sieben Schulen und vier Einrichtungen beteiligten sich. Mit den rund 3600 Teilnehmern war der Stadtjugendring als Veranstalter hochzufrieden.
Eberl
Ingolstadt
Das Kopf-an-Kopf-Rennen war in dieser Deutlichkeit natürlich nicht zu erwarten. Und es war zunächst auch nicht absehbar. Doch als die größten Stimmenlager aus den drei teilnehmenden Gymnasien bei der ersten U18-Wahl in Ingolstadt als letzte ausgezählt waren, dann drehte sich das Bild sich noch deutlich. Hin zu einem Ergebnis, mit dem Ingolstadt dann nahezu perfekt im U18-Bayerntrend lag: Die CSU leicht vor den Grünen, beide holten etwa ein Viertel der Stimmen. Das hätte wohl kaum jemand so prognostiziert. Tatsächlich lagen in Ingolstadt nur 17 Zweitstimmen zwischen den Parteien, die auch in den Umfragen zur Landtagswahl als stärkste und zweitstärkste Kraft geführt werden. Wenn auch mit deutlichem Abstand.

Dass es bei Kindern und Jugendlichen anders aussieht, ist beim Stadtjugendring (SJR) deutlich zur Kenntnis genommen worden. "Umwelt-, Klima-, Tierschutz und Nachhaltigkeit liegen ihnen am Herzen. Das ist sicherlich eine Botschaft", sagt Dieter Edenharter, Stadtjugendpfleger und stellvertretender Geschäftsführer des Stadtjugendrings in seiner Wahlanalyse. "Sie sehen eine Verantwortung für die Zukunft." Am deutlichsten wird dieses Ergebnis an der Tierschutzpartei, die im politischen Leben keine große Rolle spielt, mit ihrem plakativen Namen bei der U18-Wahl aber mit beachtlichen 6,6 Prozent den Einzug ins Parlament geschafft hätte. "Ja, es mag eher kindliche Empathie sein, dass man das nicht will, wie mit Tieren umgangen wird, aber es ist auch ein Zukunftsthema", ist sich Edenharter sicher.

Die Grünen hätten ihre Unterstützer vor allem in den Gymnasien gehabt, in anderen Lokalen sei konservativer gewählt worden. Aber auch das ist eine Erkenntnis: Schon in jüngerem Alter sind die minderjährigen Wähler derart in ihren Rollen beziehungsweise in ihrem Leben gefestigt, dass sie den Status festzurren möchten. Selbst der CSU-Direktkandidat Alfred Grob zeigte sich leicht überrascht, dass er die Jugendwahl (wenn auch knapp) gewonnen hat; Seine Partei spreche nun mal nicht automatisch die Jungwähler an.

"Die Wahlentscheidung ist insgesamt wirklich gut getroffen", betont Laura Holzhacker, die Projektmitarbeiterin für politische Bildungsarbeit beim SJR ist. CSU und Grüne liegen wie in den Umfragen auch in der U18-Wahl vorne. SPD, FDP, Linke kommen auf ihre real vorhergesagten Werte. AfD und Freie Wähler sind etwas schwächer. Kleinstparteien spielen (abgesehen von den Tierschützern) wie im richtigen Leben keine Rolle. "Man sieht, dass die Jugend verantwortungsvoll ist und da kein Quatsch herauskommt", fasst Holzhacker zusammen. Die Erststimmen spiegeln das Parteienbild aus der Zweitstimme nahezu eins-zu-eins.

Beim Stadtjugendring blickt man natürlich auch gespannt auf den Sonntag, ob das eingefahrene Ergebnis in etwa die Machtverhältnisse wiedergibt. Dass die regierende CSU unter 30 Prozent abschneidet, glaubt natürlich keiner. An einen triumphalen Wahlsieg aber ebenso wenig.

Der Bayerische Jugendring als Dachverband wirbt übrigens intensiv dafür, das Wahlalter auf 14 Jahre zu senken. Der Ingolstädter SJR schielt bei den jugendpolitischen Forderungen besonders auf das Recht auf politische Bildung: Er würde gerne eine (Plan-)Stelle für diesen Zweck haben. Aber das ist eine Kostenfrage und ein Thema für nach der Landtagswahl - die wiederum auch nur vor der Europa- (2019) und der Kommunalwahl (2020) liegt. Und bei beiden soll es in Ingolstadt wieder U18-Abstimmungen geben.
Christian Rehberger
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