Donnerstag, 15. November 2018
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Talkrunde beim SJR: Die Ingolstädter Direktkandidaten für die Landtagswahl stellen sich Fragen von Jugendlichen

Auf Stimmenfang bei der Jugend

Ingolstadt
erstellt am 17.05.2018 um 21:10 Uhr
aktualisiert am 21.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Wahlkampfparolen zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr sind noch nicht richtig verhallt, da steht im Oktober mit der Landtagswahl in Bayern schon das nächste politische Stühlerücken vor der Tür. Für den Stimmkreis Ingolstadt ziehen neun Direktkandidaten der verschiedenen Parteien und Gruppierungen in den Wahlkampf.
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Alle ziehen an einem Strang beziehungsweise an einem Edding. Mit diesem Spiel zu Beginn sollten die Politiker ihre Kooperationsbereitschaft zeigen. Ziel war es, das Wort "U18-Wahl" auf ein Plakat zu schreiben.
Fotos: Brandl
Ingolstadt
Erstmals trafen diese jetzt in einer Diskussionsrunde aufeinander. Eingeladen hierzu hatte der Stadtjugendring (SJR) in den Saal der Fronte 79. Das Motto des Abends: Jugend trifft Politik. Die Zuhörer im nicht ganz vollbesetzten Foyer: überwiegend junge Leute mit einem Faible für Politik. Die Themen: alles, was die Jugend interessiert. Zwei geschlossene Fragerunden hatten die vier Moderatoren des Abends - Annika Kupke und Andreas Utz vom SJR sowie Thorsten Stark und Christian Rehberger vom DONAUKURIER - nach der obligatorischen Vorstellungsrunde der Bewerber (in einer vom Computer zufällig ermittelten Reihenfolge) angesetzt. Zettel mit 40 Fragen zu Themen wie Ladenöffnungszeiten, Mieten, Glyphosat und Grenzpolizei durften dabei der Reihe nach aus einer Box gezogen und beantwortet werden.

Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten aus Ingolstadt


Gesammelt hatte das, was der Jugend auf den Nägeln brennt, der SJR zuvor an Schulen und Jugendeinrichtungen in Ingolstadt. Eine Aufwärmrunde noch ohne große Höhepunkte, in der CSU-Kandidat Alfred Grob den Unterschied zwischen objektiver und gefühlter Sicherheit erläuterte und zu dem Schluss kam, dass - objektiv gesehen - Bayern sicheres Terrain sei, in dem die Kriminalität bis auf wenige Ausnahmen zurückgehe, Steffi Kürten Gründe nannte, weshalb man ihre Partei, die Grünen, wählen sollte (mehr Sport in der Schule, Wahlrecht mit 16) und Christoph Spaeth von der SPD darlegte, dass er nichts gegen bequemere Sitzmöbel in Klassenzimmern hätte, ein generelles Handyverbot dort jedoch nicht für sinnvoll halte - vorausgesetzt, die Benutzung sei dem Unterricht dienlich.

Der Stadtjugendring streamte die Veranstaltung live auf seiner Facebookseite.



ÖDP-Kandidat Raimund Köstler entwarf Visionen, wie der Mensch angesichts der voranschreitenden Ressourcenverschwendung zumindest phasenweise auch ohne elektrisches Licht glücklich sein könne, Petra Flauger (Freie Wähler) wünschte sich in der Jugendarbeit mehr Synergieeffekte, FDP-Mann Jakob Schäuble brach eine Lanze für optimierten ÖPNV, der Studierenden zu Gute kommt und brachte eine Stadtbahn ins Gespräch. Linke-Kandidatin Eva Bulling-Schröter sagte, sie sähe den schulischen Lehrplan gerne um Erste-Hilfe-Kurse, Ernährungs- und Tierschutzthemen sowie praktische Anleitungen in Sachen Bürgerdemokratie erweitert. Nicht zu vergessen Johannes Kraus von Sande von der AfD, der vor dem Hintergrund des allgegenwärtigen Einflusses von Medien auf den Alltag sich dafür aussprach, bereits Kindern Werte und Anleitungen für den Umgang damit zu vermitteln. Für reichlich satirischen Kontrast in der Runde sorgte Bernd Sandner von der Satire-Partei Die Partei. Er war der Meinung, dass Schule ohnehin überbewertet werde.

Alle ziehen an einem Strang beziehungsweise an einem Edding. Mit diesem Spiel zu Beginn sollten die Politiker ihre Kooperationsbereitschaft zeigen. Ziel war es, das Wort ?U18-Wahl? auf ein Plakat zu schreiben. An der Runde des Stadtjugendrings, unter anderem moderiert von Christian Rehberger (unten, stehend) und Thorsten Stark (r.), nahmen (v.l.) Bernd Sandner, Johannes Kraus von Sande, Raimund Köstler, Jakob Schäuble, Steffi Kürten, Eva Bulling-Schröter, Petra Flauger, Christoph Spaeth und Alfr
An der Runde des Stadtjugendrings, unter anderem moderiert von Christian Rehberger (unten, stehend) und Thorsten Stark (nicht im Bild), nahmen (v.l.) Bernd Sandner, Johannes Kraus von Sande, Raimund Köstler, Jakob Schäuble, Steffi Kürten, Eva Bulling-Schröter, Petra Flauger, Christoph Spaeth und Alfred Grob teil.
Brandl
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Wie nahe die Politiker sich an den Freizeitinteressen ihres jugendlichen Klientel entlangbewegen, konnten sie anschließend in einer Quizrunde unter Beweis stellen. Gefragt wurde unter anderem nach den bei der Jugend beliebtesten Apps (Youtube auf Platz eins) sowie deren Idolen in den Pop-Charts. Gespielt wurde um jeweils 30 Sekunden mehr Redezeit für Runde drei, die sich Kürten, Köstler, Flauger und Spaeth sicherten.

Der Zwischenapplaus während der Runden machte immer wieder deutlich, dass ein Großteil des jungen Publikums für die Argumente linksalternativer Parteien empfänglicher zu sein scheint als für konservative Ideen. Wie sich das auf ein nicht amtliches Wahlergebnis auswirken würde, zeigt sich am 5. Oktober. Dann ruft der SJR erstmals zu einer sogenannten U-18-Wahl auf, an der sich auch alle Minderjährigen aus Ingolstadt beteiligen können. Neun Tage später wird dann in Bayern richtig gewählt.

Diskussion um PAG

In der sogenannten interaktiven Tweedback-Runde, in der über das Internet gestellte Fragen beantwortet wurden, diskutierte die Runde intensiv über das jüngst im Landtag verabschiedete neue Polizeiaufgabengesetz (PAG). Ein Thema, das selbst den Satire-Politiker Bernd Sandner ernst werden ließ: „Wir driften ab in einen Polizeistaat, das ist massiv gefährlich“, sagte er. Für Johannes Kraus von Sande stellt das Gesetz, das die Rechte der bayerischen Polizei im Kampf gegen Kriminalität nach Auffassung der Kritiker zu sehr erweitert, einen „massiven Eingriff in die Rechte der Bürger“ dar. Auch Jakob Schäuble konnte sich mit der jetzigen Form des PAG nicht anfreunden. Ihm gehe es im Fall der drohenden Gefahr zu weit, sagte er und kritisierte die Vorgehensweise der Regierung bei der Ausarbeitung des Gesetzes. Erwartungsgemäß verteidigt hat das PAG in seiner neuen Form hingegen Alfred Grob. Ihm sei die Diskussion zu emotional und zu wenig rational, sagte er. Die erweiterten Befugnisse seien wichtig im Bereich der Terror- und Gewaltbekämpfung. „Kein Polizist ist daran interessiert, das auszudehnen“, so Grob hinsichtlich der Angst von Bürgern vor zunehmenden Ermittlungen im privaten Bereich. „Politik braucht auch Emotionen“, hielt Eva Bulling-Schröter dagegen. Für sie seien die Polizeirechte jetzt so stark wie seit 1945 nicht mehr. Raimund Köstler schloss sich den Bedenken an. „Das Gesetz ist mit wenig Fingerspitzengefühl zum Leben erweckt“, sagte er. 

Michael Brandl
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