Montag, 22. Oktober 2018
Lade Login-Box.

Kleine Katze sorgt für großen Wirbel

erstellt am 24.05.2005 um 19:30 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 13:48 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (woe) Als sich Familie Gallwas aus Zuchering im Sommer vergangenen Jahres eine kleine Perserkatze aussuchte, konnte sie nicht ahnen, was im folgenden Dreivierteljahr auf sie zukommen sollte. Das erst wenige Wochen alte Katzenbaby Jeannie hatte zwar leicht vereiterte Augen und nicht ganz saubere Ohren, aber weil so etwas schnell in den Griff zu bekommen ist und es außerdem so „superlieb“ war, wie Annett Gallwas erzählt, ließ sich die junge Familie nicht abschrecken.
Textgröße
Drucken
Sie zahlte der Hobby-Züchterin aus Münchsmünster  die geforderten 200 Euro, ein unschlagbarer Preis für eine echte Perserkatze – und erlebte ihr blaues Wunder, zunächst in Form von vermeintlichen Mückenstichen.
 
Perserkatze
 
Ringförmige FleckenAcht bis zehn Tage nach dem ersten Besuch beim Katzenbaby  hat Annett Gallwas kleine juckende Rötungen an sich beobachtet. Als die kleine Jeannie zwei Wochen später nach Hause geholt wurde, waren auch an  ihrem Mann Sven und den beiden kleinen Töchtern Sonja und Ellen erste rote Punkte auf der Haut zu sehen. Nachdem sich die Hautveränderungen ringförmig zu großen Flecken ausgebreitet hatten,  war ein Besuch beim Hautarzt nicht mehr zu vermeiden. Der Dermatologe erkannte sofort, was mit Familie Gallwas passiert war. Alle vier hatten sich eine hochansteckende Krankheit zugezogen, die Mikrosporie oder Ringflechte, die von zahlreichen Tierarten übertragen wird.  Eine Untersuchung der kleinen Kätzin Jeannie beim Tierarzt bestätigte die Diagnose. Zwar sind bei Perserkatzen  äußerlich keine Krankheitsanzeichen zu erkennen, doch unter der Infrarotlampe  zeigte sich, dass das Kätzchen vom Kopf bis zum Schwanz von dem Hautpilz befallen war.
 
 
Die Katze wurde daraufhin geimpft, doch die versprochene Wirkung bliebt aus. Familie Gallwas beschloss, einen anderen Tierarzt zu konsultieren. Dieser impfte die Katze noch einmal und verordnete, dass sie geschoren und  äußerlich mit einem Antimykotikum behandelt werden sollte. Von da ab wurde die kleine Jeannie  jeden dritten Tag in einem speziellen Präparat gebadet, was für das Tierchen eine ziemliche  Tortur war. Doch immerhin, einem Monat später lieferten alle Tests das ersehnte Ergebnis: Mensch und Tier zeigten keine Spuren des Hautpilzes mehr und galten als geheilt –  wenn auch nur zwei Wochen lang. Denn schon 14 Tage später waren bei allen Familienmitgliedern erneut  gerötete Hautstellen zu sehen.
 


 
Also beginnt die ganze Prozedur wieder von vorn.  Die Eltern Gallwas sowie die beiden Töchter  behandeln sich wieder innerlich und äußerlich mit einen Antipilzmittel. Dieselbe Behandlung bekommt die Katze, die mittlerweile zweimal geschoren und viermal  geimpft – jede Impfung kostet knapp 100 Euro – worden ist. Als nach einem Vierteljahr der letzte gemeinsame Behandlungszyklus erfolgreich zu Ende geht,  steht für Annett Gallwas die eigentliche Herausforderung erst noch bevor:  die Großdesinfektion des kompletten Reihenhauses der Familie mit allem, was sich darin befindet. „Es hat drei Monate gedauert, bis ich alles desinfiziert habe“, erzählt die junge Frau. „Und nochmal drei Monate hab’ ich gebraucht, bis ich das Desinfektionsmittel wieder draußen hatte.“ In dieser Zeit musste sie jeden Gegenstand im Haus in die Hand nehmen und mit einem Spezialmittel abwaschen, noch Unbehandeltes wurde über Wochen in Plastiksäcken verwahrt.  Sogar die Wände und Zimmerdecken mussten bearbeitet werden. Am Ende hatte Annett Gallwas 150 Liter eines speziellen Desinfektionsmittels verbraucht. Angeblich sollte es geruchsfrei sein, doch die junge Frau hat eine andere Erfahrung gemacht: „Es stinkt ganz ordentlich.
 
“Monatelanges DesinfizierenZum enormen Putzaufwand, den Behandlungs- und Folgekosten von rund 1800 Euro und den Desinfektionsschäden von 1000 Euro kommt im Fall der Zucheringer Familie die monatelange gesellschaftliche Isolation. „Wir sind ein halbes Jahr lang nirgends hingefahren und haben auch keinen Besuch empfangen“, erinnert sich Annett Gallwas. Ihre beiden Töchter hat sie wochenlang nicht in den Kindergarten gehen lassen, damit  sie nur ja kein weiteres Kind anstecken konnten. Zwar fällt die Mikrosporie nicht mehr unter das Seuchenschutzgesetz und ist deswegen auch nicht meldepflichtig, doch die junge Frau hat sich und ihre Familie dennoch wie in Quarantäne gehalten. Denn: „Ich hab’ am mit selber gesehen, wie schlimm das war.“
 
Die Hobby-Züchterin,  von der die kleine Perserkatze  kommt, wies übrigens jede Schuld von sich. Doch  das Ehepaar Gallwas hat inzwischen Kontakt mit zwei anderen Familien, die ebenfalls ein kleines Kätzchen von ihr kauften und daraufhin mit der Mikrosporie zu kämpfen hatten. „Die eine Familie hat es noch nicht überstanden, die andere hat ihre Katze einschläfern lassen“, weiß Annett Gallwas.
Eleonore Wöhrle
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!