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Jesuitenbibliothek wird wieder zum Schmuckstück

erstellt am 18.07.2005 um 20:10 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 14:00 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (woe) Eines der ursprünglich schönsten Bürgerhäuser in der Altstadt, das Anwesen Am Stein 5, soll seine alte Pracht wiedererhalten. Gestern wurde mit den Sanierungsarbeiten am Fundament der so genannten Jesuitenbibliothek begonnen, in der nächsten Woche wird das Gerüst aufgestellt.
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Bis zum Ende des nächsten Frühjahrs, rechtzeitig vor den Feierlichkeiten zum Ingolstädter Stadtjubiläum, soll die Instandsetzung der Fassade, des Dachstuhls und des Daches abgeschlossen sein. "Ich denke, dass ist zu schaffen", versichert der Nürnberger Architekt Wolfgang Albert, der in Ingolstadt zuletzt die so genannte Moritzresidenz nur wenige Hausnummern weiter südlich umgebaut hat. Eine Innenrenovierung ist aus Kostengründen vorerst nicht vorgesehen.

Das traditionell als Jesuitenbibliothek bezeichnete dreigeschossige Giebelhaus fällt durch die für Ingolstadts Bürgerhäuser ungewöhnliche, stuckierte Fassade aus der Zeit um 1730 ins Auge. Sie dürfte ebenso wie die barockzeitliche Umgestaltung des Hauses dem akademischen Buchhändler und Verleger Johann Andre Delahaye zu verdanken sein, der das Haus 1718 von seinem Vater übernommen hatte. Nach Delahayes Tod führte dessen Witwe die Buchhandlung und den Verlag weiter, ehe beides in den Besitz des akademischen Buchhändlers Franz Xaver Grätz kam. Die Delahayes und Grätz verlegten hauptsächlich wissenschaftliche Abhandlungen der an der Universität lehrenden Professoren und der Ordensgeistlichkeit, daher der Name "Jesuitenbibliothek".

Dass dieses historische Gebäude künftig wieder in neuem Glanz erstrahlen soll, ist nach Auskunft von Susanne Netter, Architektin und Mitinhaberin des Hauses, von langer Hand vorbereitet worden. Bereits seit vier Jahren würden Gutachten und Befunde für die jetzt anlaufende Sanierung erstellt. Die Voruntersuchungen hätten ergeben, dass die Bausubstanz des Anwesens ernsthaft gefährdet sei, betont Josef Dintner von Stadtplanungsamt. "Das Gebäude zeigt teilweise bedrohliche bauliche Schäden. Risse und starke Verformungen der Giebelscheibe weisen insbesondere auf statische Probleme hin."

Um diese Schwierigkeiten wird sich das Neuburger Statikbüro ALS kümmern. Statiker Armin Modlmeyr erläutert, dass die Fassade durch eine Verstärkung des Fundaments mehr Stabilität bekommen soll. Außerdem muss der sich bereits stark nach hinten neigende Giebel fixiert werden. Die umfangreichsten Arbeiten sind an der Fassade und am Dach vorgesehen. So soll der auffallende Stuck gereinigt und repariert werden, ebenso die historischen Eichenfenster. Nur die beiden großen Schaufenster im Erdgeschoss werden ausgetauscht: Sie werden durch schmalere und höhere Fenster ersetzt. Mit der Reparatur des Dachstuhls und der Neueindeckung des Dachs wird die Außensanierung dann abgeschlossen. Wie hoch die Kosten für die Renovierung angesetzt sind, will Susanne Netter nicht verraten. Zu erfahren war nur, dass es über die Städtebauförderung einen Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro gibt.

Das Gebäude bleibt auch während der Renovierung vermietet. In den Laden im Erdgeschoss, in dem derzeit ein Schnäppchenmarkt untergebracht ist, wird voraussichtlich eine große Buchhandlung einziehen.

 

Eleonore Wöhrle
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