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Die Geschichte vom toten Pferd vor der Eselsbastei

Ingolstadt
erstellt am 04.10.2011 um 20:03 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 12:34 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Auf dem Gießereigelände ist eine Mauer der Stadtbefestigung aus dem 16. Jahrhundert aufgetaucht. Wahrscheinlich handelt es sich um Relikte der Eselsbastei. Von dort wurde der Schuss abgefeuert, der 1632 den Schimmel des Schwedenkönigs niederstreckte. Das Denkmal soll erhalten werden.
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Ingolstadt: Die Geschichte vom toten Pferd vor der Eselsbastei
 
Ingolstadt
Hier könnte er gelauert haben, der glücklichste Schütze in der Ingolstädter Stadtgeschichte. Wo heute die Schlosslände verläuft, lag er mit seiner Kanone in Stellung, vom mächtigen Mauerwerk der Eselsbastei geschützt, mitsamt tollem Panoramablick auf die Belagerer aus Schweden. Deren König Gustav Adolf ritt am Morgen jenes 30. April 1632 vis-à-vis mit seinem Schimmel am Donau-Ufer entlang. Vielleicht sinnierte er gerade darüber, wie die Festung, an der sich seine Soldaten bisher die Zähne ausgebissen hatten, zu bezwingen sei. Oder aber er sah nicht, dass er den Schanzern zu nah kam, denn die Lichtgestalt der Lutherischen war fürchterlich kurzsichtig.
 

Bald begann er zu ballern, der Kanonier in der Eselsbastei; auf gut Glück wohl und knapp am Volltreffer vorbei: Dort, wo inzwischen das Gasthaus Bonschab an der Münchener Straße steht, sank er dahin, der königliche Gaul. Gustav Adolf gab ihm den Gnadenschuss, dann humpelte er mit einer Wunde am Bein davon. Noch am selben Tag befahl er den Rückzug. Die Festung ließ er – womöglich persönlich beleidigt – unerstürmt zurück. Sieben Monate später in der Schlacht bei Lützen erwischte es dann auch den (erneut desorientierten) König – mitsamt dem Ersatzross. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Trophäe der Ingolstädter ziert ausgestopft das Stadtmuseum. Der Schwedenschimmel gilt als ältestes erhaltenes Tierpräparat Europas. Und jetzt ist auch ein Relikt der Bastei aufgetaucht, von der vermutlich geschossen wurde. Bei den Vorbereitungen für den Tiefgaragenbau auf dem früheren Gießereigelände legten Archäologen die 35 Meter lange Mauer frei, die sehr wahrscheinlich die Reste der im 16. Jahrhundert errichteten Eselsbastei offenbart.

Die beachtliche Hinterlassenschaft der ersten Landesfestung sei ein Glücksfall für die Stadtgeschichte, betont Tobias Schönauer, der Stadtheimatpfleger. „Das macht die Dimension der historischen Befestigung sichtbar.“ Immerhin umschließt sie unterirdisch noch fast die ganze Altstadt.
 

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Von Christian Silvester
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