Montag, 19. November 2018
Lade Login-Box.

Der Abriss des legendären Eisstadions an der Jahnstraße hat begonnen – Die Wiege des ERCI weicht dem Sportbad

Pantherkäfig in Trümmern

Ingolstadt
erstellt am 15.01.2014 um 19:46 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:27 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Fast 30 Jahre lang war das Eisstadion an der Jahnstraße ab 1974 die Heimat des Ingolstädter Eissports. Zufälligerweise pünktlich zum 50. Geburtstag des ERC haben jetzt die Abrissarbeiten des Pantherkäfigs begonnen. Tausende Ingolstädter erlebten dort schöne Tage und legendäre Abende.
Textgröße
Drucken
Eisstadion Jahnstraße Ingolstadt
 Der Bagger mit der Kneifzange leistet an der Jahnstraße ganze Arbeit: Der alte Kassenbereich ist so gut wie verschwunden. Hier kamen seit 1974, als die Eishalle - ein Werk des Architekten Helmut Stich - eröffnet wurde, tausende Eishockeyfans und Schlittschuhläufer durch.
Rössle
Ingolstadt

Wehmut schwingt mit. Der Abschied fällt aber wohl doch relativ leicht. Denn der Charme des frostigen Stimmungsnestes an der Jahnstraße war zuletzt nur mehr zu erahnen. Verwittertes Laub hatte sich auf den orangefarbenen Plastikschalen breitgemacht und ließ die Gedanken an Zuschauermassen verblassen, die dem engen Rund irgendwann den Spitznamen Pantherkäfig bescherten. Unvergessen bleiben aber Abende, wie jener in der Saison 1977/78, als gegen Farchant um die 6000 Menschen die Halle stürmten. Wer nicht reinkam, schaute von den Bäumen aus zu.

Eishockeyfans und Schlittschuhläufer konnten sich in mehreren Etappen von ihrer langjährigen Heimat entwöhnen; die Pantheranhänger seit 2003, als der Umzug aus der überalterten und zugigen Halle in die Saturn-Arena anstand. Und der Normalbürger ab 2011, als die Schlittschuhsaison vorzeitig ein Ende fand, weil das Kühlaggregat des dann schon ehrwürdigen Stadions den Geist aufgab – für immer. Nach der Tragödie von Bad Reichenhall 2006 hatte die Halle (vorsichtshalber) ihr Dach verloren.

 

Eisstadion Jahnstraße Ingolstadt
Bis 2003 war das Eisstadion an der Jahnstraße der Pantherkäfig, die Heimat des ERC Ingolstadt. Vor dem Umzug in die Saturn-Arena verabschiedeten sich die Anhänger stilvoll.
Rössle
Ingolstadt
Ein letztes Aufbäumen der Nostalgiker verpuffte, als die Stadträte den Standort für das Sportbad ausloteten. Die Sanierung des alten Pantherkäfigs wäre nach ersten Schätzungen auf rund 1,5 Millionen Euro gekommen. Also war er der ideale Standort für die Schwimmer, für die nun Platz gemacht wird.

 

Seit Montag läuft der Abriss an der Jahnstraße. Der Bagger mit der Kneifzange leistet ganze Arbeit. Ein großes Stück vom früheren Kassenbereich liegt schon in Trümmern, bald der gesamte Pantherkäfig. Danach soll der Spatenstich für das topmoderne Bad gesetzt werden, das sich die Freizeitanlagen GmbH der Stadtwerke mehr als 20 Millionen Euro kosten lässt.

Vor der Kommunalwahl am 16. März wird es aber nichts mehr mit dem symbolischen wie öffentlichkeitswirksamen Griff zur Schaufel für die Stadträte. „Mit allem Drum und Dran beim Abbruch und einem Teilaushub des Bodens wird es April“, schätzt Thomas Hehl, der Chef der Freizeitanlagen GmbH, die Bauherr ist. Er ergänzt mit einem Lächeln: „Und dann kommt es darauf an, was die Archäologen sagen.“ Erfahrungsgemäß werden die im Umfeld der Festungsgebäude – hier war einst der Pionierhafen angesiedelt – schnell fündig. Ein Festungsbauwerk, die Batterie 92, war Teil des Eisstadions und wird auch ins Sportbad eingebunden.

In den denkmalgeschützten Backsteinkatakomben zogen sich einst die Eishockeyspieler um. Entsprechend hängt noch der (Schweiß-)Geruch im Holz. Davon konnten alle ERC-Fans im Sommer 2011 noch einmal eine Nase voll nehmen. Ehemalige Cracks erzählten bei Führungen ihre Anekdoten dazu. Der Eishockeyklub feierte die Saisoneröffnung damals im Pantherkäfig. Es war, wie jetzt klar ist, die Abschiedsfeier.

Von Christian Rehberger
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!