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1000 Zuhörer feiern beim 15. Ingolstädter Bandwettbewerb in der Fronte mit 17 Bands eine riesige Party

Frechheit siegt

Ingolstadt
erstellt am 04.03.2012 um 21:07 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:09 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Zwei Tage lang gab es für Gäste und Jurymitglieder des 15. Maxi-DSL-Song-Contest gewaltig etwas auf die Ohren. Am Ende gewann eine Band, die bei dem Wettbewerb ihren allerersten Auftritt hatte.
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Ein gelungener Auftritt will gut vorbereitet sein. Schließlich zählt beim Ingolstädter Bandwettbewerb nicht nur das musikalische Können. In die Bewertung der Jury fließen auch der Gesamteindruck, das Auftreten und die Bühnenshow ein. Schlagzeuger Markus Platzdasch steckt sich deswegen zwei Klobürsten in den Gürtel, Schlagzeuger und Sänger Jürgen „Charly“ Neumeier steigt in seine Gummistiefel, und der Gitarrist zieht sich die unverschämt rosa Strumpfhose, die er unter seiner kurzen Lederhose trägt, bis zur Brust hoch. In den Hosenlatz schiebt er sich eine Weißwurstkette. Im Backstageraum der Fronte 79 wird schnell klar: Der Auftritt der Band Kotkanone wird anders werden als die anderen davor.
 
Fotostrecke: 15. Maxi-DSL-Contest Freitag
Fotostrecke: 15. Maxi-DSL-Contest Samstag

 
Still better than the dentist
Tom Webel
Ingolstadt
Von der Bühne sind die letzten Töne des Auftritts von Fuxdeifeswuid zu hören. Die Bayern-Rocker sind für den Wettbewerb eigens aus Oberhaching angereist. Wie alle haben sie 30 Minuten Zeit, um Jury und Zuschauer von sich zu überzeugen. Insgesamt treten an den zwei Abenden 17 Bands auf. „Eigentlich ist es schade, dass es überhaupt ein Wettbewerb sein muss“, sagt Platzdasch. Schließlich gehe es doch in erster Linie darum, Spaß zu haben.
 
Kotkanone, das Bandprojekt mit dem anrüchigen Namen, ist vor vier Monaten aus einer Laune im Ingolstädter Probenraum der Band Tamad entstanden. Der Auftritt beim Wettbewerb wird der erste der Formation überhaupt sein. „Das ist das Schöne hier, dass man sich einfach ausprobieren kann“, sagt Neumeier. Er ist bereits zum fünften Mal beim Contest dabei. „Wir wollen mal was Verrücktes machen und schauen, ob Ingolstadt das versteht.“
 
Die acht Jurymitglieder sitzen auf einer Empore über dem Publikum. Anhand festgelegter Kriterien beurteilen sie jeden Auftritt. „Es ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden “, sagt Nikolaj Rimsky-Korsakow. Bis auf einmal saß er bei jeder Auflage des Wettbewerbs in der Jury. „Das Niveau ist um Lichtjahre besser als es anfangs war.“ Daneben sitzt Dominik Hülshorst von Bonfire. Dass die Freizeitbands nicht mit den professionellen Rockern seiner Band mithalten könnten, ist klar. „Wir müssen versuchen, die Bands innerhalb ihres Niveaus fair zu beurteilen“, sagt der Schlagzeuger. Dabei achtet er auch sehr darauf, wie die Musiker mit ihrem Publikum umgehen. „Man kann nicht einfach rausgehen und ein Lied nach dem anderen spielen“, sagt Hülshorst. „Man muss mit den Leuten arbeiten.“

Johannes Hauser
Ingolstadt
Dann betreten die Jungs von Kotkanone die Bühne. Neben ihren Instrumenten bringen sie etliche Utensilien mit auf die Bühne. Ein aufblasbarer Flamingo fliegt ins Publikum, die Konfettikanone wird abgeschossen und unter dem Dirigat einer Klobürste beginnt der Auftritt. Es dauert nicht lang, und vor der Bühne drängen sich die Zuhörer. Es wird getanzt, gelacht, Seifenblasen steigen auf. Es ist von Anfang an die Party, die sich die Musiker gewünscht haben. Die effektvollen Einlagen machen die musikalische Darbietung der Band – die man wohl als bayerischen Kloake-Ska bezeichnen darf – fast zum Nebengeräusch. Nach dem sehr unterhaltsamen aber kaum jugendfreien, rotzfrechen Auftritt verabschieden sich die Bandmitglieder mit nackten Hintern von ihrem Publikum. Die Menge tobt und selbst die Jury applaudiert. Die Sieger sind gefunden. Die Jury wählt Kotkanone auf Platz eins, bei der Publikumswertung landet die Spaß-Kombo auf dem zweiten Rang hinter Overvoice.

Nach dem letzten Akkord des Wettbewerbs strahlt Organisator Daniel Melegi mit den Siegern um die Wette. „Sehr zufrieden“ sei er mit den beiden Abenden und wie sich der Wettbewerb in den vergangenen 15 Jahren entwickelt hat. 270 Bands sind mittlerweile bei dem Contest aufgetreten. „Das Team ist eingespielt, die Organisation funktioniert, die Bands sind zufrieden“, so Melegi. Im nächsten Jahr wird es wieder einen Wettbewerb geben. „Schon alleine, weil ich selber so einen Spaß daran habe.“ Wie immer wird dann auch wieder der Sieger aus dem Vorjahr dabei sein. Man darf gespannt sein, was sich die Mitglieder von Kotkanone einfallen lassen.

Von Johannes Hauser
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