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Agnes Krumwiede muss den Bundestag verlassen, glaubt aber nicht an eigene Fehler

"Alle Haxen ausgerissen"

Ingolstadt
erstellt am 23.09.2013 um 20:58 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:24 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Ingolstädter Bundestagsabgeordnete Agnes Krumwiede (Grüne) hat den Wiedereinzug ins Parlament verpasst. Schuld sei der Bundestrend und Fehler ihrer Partei im Wahlkampf, sagt die Grüne. Mangelnden persönlichen Einsatz will sie sich nicht vorwerfen lassen.
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Ingolstadt: "Alle Haxen ausgerissen"
Wiederwahl verpasst: Agnes Krumwiede (rechts) aus Ingolstadt wird dem Bundestag in der nächsten Legislaturperiode nicht mehr angehören. Sie sei davon nicht überrascht, sagt sie. - Foto: Schmidl
Ingolstadt
Das Aus war bereits kurz nach 18 Uhr besiegelt. Die erste Prognose der Bundestagswahl ließ am Sonntag kaum mehr Hoffnung zu und wenige Stunden später war klar, dass die Ingolstädter Grüne Agnes Krumwiede dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören wird. Überrascht hat sie das Ergebnis nicht, wie sie sagt. „Ich gehe immer vom Schlimmsten aus.“ Das schwache Wahlergebnis – sie selbst erhielt 6,5 Prozent der Erststimmen, die Grünen kamen im Bund auf 8,4 Prozent – führt sie auf mehrere Faktoren zurück. So seien die Vorteile der grünen Steuerpläne im Wahlkampf „nicht rübergekommen“, ist sie überzeugt. „Es gab Fehler in unserer Kommunikationsstrategie.“ Viele grüne Überzeugungen wie der Atomausstieg oder die Ablehnung der Gentechnik seien längst mehrheitsfähig, dennoch hätten die Grünen nur das Image einer „Verbotspartei“ bekommen. Hinzu kam die Pädophilie-Debatte aus der „schrecklichen Entstehungsgeschichte“ der Grünen. Selbst die Plakate seien „nicht optimal“ gewesen. „Ich musste am Wahlstand oft erklären, was das ,Und Du...’ heißen soll“, so Krumwiede.

Es wundere sie auch nicht, dass sie mit ihrem persönlichen Ergebnis noch unter dem Bundesergebnis geblieben ist. Dass die CSU in Ingolstadt überdurchschnittlich gut sei und die anderen Kandidaten entsprechend weniger Stimmen bekommen, kenne man von den vorausgegangenen Wahlen. Den Eindruck, sie habe in Ingolstadt weniger Wahlkampf gemacht als die politische Konkurrenz, lässt sie nicht gelten. Sie gibt zu bedenken, dass sie auch Sprecherin für Kulturpolitik ihrer Fraktion in Berlin und Mutter eines sechs Monate alten Sohnes ist. „Wir haben uns alle Haxen ausgerissen“, betont sie. Das sei aber im DONAUKURIER vor allem zu Beginn des Wahlkampfs nicht gewürdigt, Veranstaltungen seien nicht angekündigt worden, ist sie überzeugt. „Andere Parteien bekamen mehr Resonanz“, findet sie.

Eine schlechte Nachricht ist das Wahlergebnis für Krumwiedes Team. Sechs Mitarbeiter in ihren Büros in Ingolstadt und Berlin werden sich eine neue Stelle suchen müssen. „Das ist für mich wirklich das Schlimmste“, sagt Krumwiede. Sie werde ihre Mitarbeiter bei Kollegen empfehlen. „Aber durch die Verkleinerung der Fraktion sinkt natürlich auch die Jobdichte.“

Sie selbst will außerhalb des Bundestages politisch aktiv bleiben. „Ein Leben ohne Politik kann ich mir nicht vorstellen“, sagt sie. Gestern reiste sie bereits nach Berlin, um an einem Flügeltreffen ihrer Partei teilzunehmen und mit der Aufarbeitung des Wahlergebnisses zu beginnen. Das müsse „schonungslos“ geschehen und natürlich werde es auch personelle Konsequenzen geben. „Es wird Zeit für neue Gesichter“, findet sie. Außerdem müsse sich die Partei in Richtung von rot-rot-grünen Bündnissen öffnen. Sie selbst habe mit jungen Abgeordneten der Linken und der SPD immer wieder entsprechende Sondierungsgespräche geführt. Von einer schwarz-grünen Koalition auf Bundesebene rät sie ihrer Partei jedenfalls ab. „Dass das funktioniert, ist nur schwer denkbar.“

Über ihre eigene Zukunft wollte sie sich gestern noch nicht äußern. Es gebe zwar einen Plan, den wolle sie derzeit aber noch nicht verraten, sagte sie gestern im Gespräch mit dem DONAUKURIER. Vermutlich werde sie ihren Lebensmittelpunkt aber nach Berlin verlegen. Ihr Lebensgefährte ist über die sächsische Landesliste der Grünen wieder in den Bundestag eingezogen. Grundsätzlich könne sie sich auch ein Engagement in der Kommunalpolitik vorstellen, konkrete Pläne in dieser Richtung gebe es aber nicht.

 

Von Johannes Hauser
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