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Alevitische Gemeinschaft in Ingolstadt feierte am Wochenende ihr 30-jähriges Bestehen

Vorbild für eine tolerante Religion

Ingolstadt
erstellt am 04.03.2018 um 20:22 Uhr
aktualisiert am 07.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Aleviten stellen heute die zweitgrößte Religionsgruppe in der Türkei. Etwa 30 000 von ihnen leben in Bayern. Ihre Mitglieder gelten als tolerant und offen, Frauen betrachten sie als gleichberechtigt.
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Seit 30 Jahren ist die Glaubensgemeinschaft auch in Ingolstadt ansässig.

"Wir haben hier die Möglichkeit, unseren Glauben frei auszuleben, was den Aleviten in der Türkei bis heute verwehrt bleibt", heißt es dazu in einer Mitteilung. Ingolstadt sei für die Aleviten daher Ort der Freiheit und Heimat zugleich. Das runde Bestehen feierte die Alevitische Gemeinde nun am Wochenende mit Kultur, Vorträgen und Musik. Gestern ging die Feier im Kulturzentrum Halle 9 zu Ende. Es sprach unter anderem Ercan Kara, Vorsitzender des Alevitischen Landesverbands Bayern. Seine Rede wurde dem DK in Auszügen übersetzt.

Kara, der in Ingolstadt lebt, dankte der Gemeinde für die Unterstützung in 30 Jahren. Er lobte das Engagement, das dazu beitrage, Kultur und Identität der Aleviten zu bewahren. Die Strapazen der vergangenen Jahrzehnte hätten auch einen symbolischen Wert gegen jede Form von Unterdrückung in der Vergangenheit und aktuell auf der Welt. Die Aleviten hätten zudem die Verpflichtung, sich gegen jede religiöse Radikalität zu positionieren. Aufgabe der Gemeinde sei es, den vorgelebten Frieden in die Welt zu tragen, das jedoch sei keine kleine Aufgabe, so Kara. Ziel des deutschen Verbandes müsse es sein, diesen Frieden auch auf die Glaubensbrüder in der Türkei zu übertragen. Ebenso sei es Verpflichtung, Natur und Umwelt zu pflegen. Denn der Natur seien die Aleviten seit jeher sehr verbunden. Kara betonte zudem die Solidarität mit der kurdische Bewegung in der Türkei.

Insgesamt seien auch die beiden anderen Tage des Festes "perfekt verlaufen", wie Sprecherin Cansu Demir unserer Zeitung sagte. Ehrengäste aus der Politik hätten die Veranstaltung besucht, darunter Reinhard Brandl, Bundestagsabgeordneter der CSU, und Eva Bulling-Schröter, Landtagskandidatin der Partei Die Linke. Bürgermeister Sepp Mißlbeck hätte in seiner Rede den Vorbildcharakter der alevitischen Gemeinde in der Integration herausgestellt, so Demir. Sie stehe für gegenseitige religiöse Toleranz und erfülle daher eine Vorzeigefunktion. Umrahmt wurde der Abschlusstag der Feierlichkeiten mit zahlreichen Wortbeiträgen zur Geschichte und Entwicklung der Aleviten sowie kulturellen Darbietungen wie folkloristische Musik und Tänze.

Von Michael Brandl
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