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Rosen aus zertifiziertem Anbau machen in der Region nur einen geringen Anteil aus - aber es gibt sie

Faire Liebesgrüße

Ingolstadt
erstellt am 13.02.2018 um 19:43 Uhr
aktualisiert am 17.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Mit dem Umsatz, den Blumenhändler am heutigen Valentinstag erwarten, kann höchstens das Geschäft am Muttertag mithalten. Die meisten Rosen haben einen weiten Weg hinter sich, bevor sie bei uns Freude verbreiten können. Ihre Produktion ist nicht immer unproblematisch.
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Ingolstadt: Faire Liebesgrüße
Foto: Stefan Eberl
Ingolstadt

Rund fünfmal so viele Blumen wie sonst werden am Valentinstag verkauft, berichten Händler aus der Region. Meist Rosen. Die allerdings wachsen im Februar bei uns nicht im Freien - schon gar nicht in der benötigten Menge -, und so werden sie importiert. Die Schnittblumen treten in Kühltransporten aus holländischen Gewächshäusern, aber auch aus Kenia, Äthiopien, Sri Lanka oder Ecuador die Reise nach Deutschland an. In Teilen Afrikas und Südamerikas ist die Zucht von Schnittblumen längst zum Wirtschaftsfaktor geworden - mit den Auswüchsen, die auch aus anderen Branchen bekannt sind: ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung und der Einsatz hochgiftiger Pflanzenschutzmittel.

Wie bei Nahrungsmitteln und Kleidung gibt es aber auch bei Schnittblumen Zertifikate wie das Fairtrade-Siegel. "Dafür müssen die Hersteller strenge Bedingungen erfüllen", erklärt Blumenhändlerin Zenta Schwarz, die in Großmehring eine Gärtnerei betreibt und auch im Westpark eine Filiale unterhält. "In den Betrieben tragen die Arbeiter zum Beispiel Schutzanzüge und werden gerecht bezahlt." Dazu kommen Vorgaben zu einer sparsamen Bewässerung, Kläranlagen, Kompost- und Müllmanagement. Eine solche Produktion ist freilich aufwendiger als eine konventionelle, die Preise steigen deswegen aber kaum. "Fairtrade-Blumen kosten im Einkauf vielleicht zehn Prozent mehr", überschlägt Zenta Schwarz' Ehemann Emil.

Dennoch schätzt das Ehepaar Schwarz den Anteil an zertifizierten Fairtrade-Blumen in ihrem Geschäft auf wenig mehr als zehn Prozent. "Vor ein paar Jahren war das Interesse noch größer", erinnert sich Zenta Schwarz. Heute fragt nur in Ausnahmefällen ein Kunde nach Fairtrade-Produkten. Diese Erfahrung teilt Rosmarie Jaud vom Blumengeschäft Keimling in der Innenstadt. Eine Zeit lang habe sie offensiv mit fair gehandelten Blumen geworben und auch überlegt, in ihrem Geschäft eine Ecke für zertifizierte Schnittblumen einzurichten. "Es gibt aber einfach die Nachfrage nicht", berichtet sie. "Das ist schade, weil es doch eigentlich eine tolle Sache ist." Heute achtet Jaud darauf, ihre Blumen bei Importeuren zu bestellen, die sie kennt und von denen sie weiß, dass die Herstellungsbedingungen akzeptabel sind. "Bei Rosen aus bestimmten Gebieten Kenias habe ich zum Beispiel schon ein schlechtes Gefühl wegen des großen Wasserverbrauchs", sagt sie. Wer will, kann bei ihr aber jederzeit zertifizierte Blumen bestellen.

Der Anteil an offiziell fair gehandelten Blumen in den Geschäften ist auch deswegen nicht größer, weil es sie schlicht nicht gibt. "Das Angebot ist nicht da", sagt Zenta Schwarz. Vor allem gebe es gerecht produzierte Blumen nicht in der Vielfalt, die die Kundschaft nachfrage. Allerdings seien Blumen ohne Siegel nicht zwingend unter unmenschlichen Bedingungen für die Arbeiter gewachsen, betont das Ehepaar Schwarz. Das Fairtrade-Siegel zu bekommen, ist mit einem Aufwand verbunden, den mancher Hersteller scheut. Blumen aus europäischer Produktion, etwa aus Holland, haben im Normalfall auch kein Fairtrade-Siegel, die Produktion unterliege aber natürlich EU-Richtlinien, betont Jaud.

Wie bei Lebensmitteln ist auch bei Schnittblumen der Preis ein Hinweis darauf, wie die Produktionsbedingungen aussehen, sagt Jaud. Wer beim Discounter oder an der Tankstelle einen Blumenstrauß für 1,99 Euro kauft, kann nicht davon ausgehen, dass die Bedingungen in den Gewächshäusern gerecht und nachhaltig sind. Dazu kommt, dass solche Blumen oft von geringerer Qualität sind, wie das Ehepaar Schwarz betont. In ihrem Betrieb werde jede gelieferte Blume noch einmal nachbehandelt: die nach dem Transport angetrockneten Stiele werden abgeschnitten, Blätter und Dornen entfernt und die Blumen gekühlt eingestellt, "damit sie sich vom Stress des Transports erholen. Beim Discounter werden sie halt verkauft oder weggeschmissen."

Allerdings gibt es auch in Supermärkten immer wieder fair gehandelte Blumen. Auf Anfrage des DONAUKURIER verweist etwa Edeka Südbayern auf eine Kooperation, die das Unternehmen seit 2012 mit einem Rosenproduzenten in Äthiopien unterhält. In der Region Ziway profitieren dort demnach mittlerweile "12 000 Arbeiter und ihre Familien von vielfältigen Projekten für die Gemeinschaft: von fairen Arbeitsbedingungen, Gesundheitsvorsorge und Schulbildung sowie einem verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Ressourcen". Fair gehandelte Produkte gebe es aber nicht in allen Märkten gleichermaßen, heißt es in der Mitteilung aus der Edeka-Zentrale in Gaimersheim. Wo welches Produkt angeboten werde, entscheide die Nachfrage. Am Ende liegt es demnach - einmal mehr - am Verbraucher, ob sich über einen Blumenstrauß nicht nur der oder die Beschenkte, sondern auch der Arbeiter im Gewächshaus freuen kann.

Von Johannes Hauser
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