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An der Uni Eichstätt-Ingolstadt halten sich Freunde und Gegner der Studienbeiträge die Waage – es kommt darauf an, wo man fragt

Unmut über Gebühr

Ingolstadt
erstellt am 20.02.2012 um 20:16 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:09 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Bayerische Oppositionsparteien schimpfen auf die Studiengebühren. Die FW wollen ein Volksbegehren. An der Katholischen Universität in Eichstätt ist der Protest zuletzt stiller geworden. Studenten der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Ingolstadt finden Gebühren meist ohnehin in Ordnung.
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Ingolstadt: Unmut über Gebühr
 
Ingolstadt
Tausende haben sich schon in die Unterschriftenlisten für ein Volksbegehren gegen Studiengebühren eingetragen. Zuletzt setzten exakt 100 Schanzer ihre Namen auf eine entsprechende Liste der Freien Wähler. „Insgesamt haben wir zwei Drittel der nötigen 25 000 Unterschriften zusammen“, sagt Christoph Kalkowski, Sprecher der Jungen FW in Bayern.

Unter den Betroffenen ist die Ablehnung der Studienbeiträge naturgemäß besonders groß. An der KU Eichstätt Ingolstadt befürworten laut dem Hohenheimer Gebührenkompass im Jahr 2011 52 Prozent der Studierenden die Abschaffung der Studiengebühren. Im Jahr zuvor waren es allerdings noch 71 Prozent. „Es gibt nach wie vor Aktionen gegen die Studiengebühren, aber die Beteiligung ist zurückgegangen“, sagt auch Michael Werner, der Vorsitzende des Studentischen Konvents, der Studierendenvertretung. Der 25-Jährige erklärt das unter anderem mit der Resignation, die sich nach dem Sommersemester 2007 breit gemacht habe, nachdem die Gebühren trotz aller Proteste eingeführt worden waren. Außerdem hätte sich der Widerstand gegen die Gebühren mit dem Unmut über den Bologna-Prozess und den Start der Master- und Bachelor-Studiengänge vermischt. Seit hier die „Reform der Reform“ vollzogen ist, sei es an den Unis leiser geworden.

„Aber die Argumente sind nicht widerlegt. Studiengebühren bleiben ungerecht“, betont Werner. Bildung dürfe nicht vom Geldbeutel der Studierenden oder ihrer Eltern abhängen. Daran zeige sich, welchen Stellenwert die Ausbildung junger Menschen in einer Gesellschaft habe, findet der angehende Deutsch- und Geschichtslehrer. Daran änderten auch Ausnahmeregelungen und die Möglichkeit von Studienkrediten nichts.

Pro Semester werden an der KU 450 Euro Gebühren pro Student fällig. Dazu kommt ein Verwaltungsbeitrag von knapp 50 Euro. Im Jahr 2010 nahm die KU so rund 2,33 Millionen Euro ein. Das Geld wurde, so ist es in der Satzung der KU festgelegt, zur „Verbesserung der Studienbedingungen“ eingesetzt. Der Uni ist es nicht erlaubt, mit dem Geld Löcher im Etat zu stopfen. Unter anderem wurden Scanner und Spezialsoftware angeschafft, das Tutorenprogramm ausgebaut und die Öffnungszeiten der Bibliothek verlängert.

An der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Ingolstadt ist die Zustimmung zu Studiengebühren ein Massenphänomen. „Vielleicht liegt das auch an der Fachrichtung“, argwöhnt Werner. „Mir sind soziale Aspekte halt wichtiger als ökonomische.“ Und tatsächlich: „Sie werden hier niemand finden, der gegen Studiengebühren ist“, versichert David Pecher, der an der WFI im 3. Semester BWL studiert. Seine Konventskollegin Annemarie Böhm, stimmt ihm zu: „Schließlich kommen die Gebühren den Studierenden zugute.“ 500 Euro seien „nicht so viel, als dass man sich das nicht leisten könnte“, findet sie. Natürlich täten die Gebühren weh, aber sie liegen deutlich unter dem, was teilweise in Großbritannien oder den USA an Universitäten zu bezahlen sei, gibt sie zu bedenken. Die hohen Mieten in Ingolstadt seien da eher ein Problem. Aber auch Böhm kennt junge Leute, die sich wegen der Gebühren gegen ein Studium in Bayern entschieden hätten.

Die große Zustimmung in Ingolstadt liegt, vermutet Pecher, an der Informationspolitik der studentischen Vertreter. „Wir erklären ganz genau, für was die Gelder eingesetzt werden“, so der 23-Jährige. Dass die Studierenden an der WFI besser situiert seien als jene am Standort Eichstätt – wie manchmal kolportiert wird –, glaubt Pecher nicht. „Hier studieren Leute aus allen sozialen Schichten“, versichert er.

 

Von Johannes Hauser
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