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Bikepolo gewinnt immer mehr Anhänger – Jeder kann mitmachen

"Das ist alles punkig"

Ingolstadt
erstellt am 20.11.2015 um 20:49 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:49 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Seit ein paar Wochen gibt es in Ingolstadt eine Trendsportart mehr: Bikepolo greift Elemente des traditionellen Pferdepolos auf, wird aber auf Rädern gespielt. In Ingolstadt gibt es bereits 30 Aktive, die sich regelmäßig treffen.
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Ingolstadt: "Das ist alles punkig"
Polo auf Rädern hat sich mittlerweile auch in Ingolstadt etabliert. Auf der kleinen Fläche im Norden des Volksfestplatzes trifft sich regelmäßig eine wachsende Gruppe von Spielern. Ihr größter Wunsch: eine feste Lichtanlage oder vielleicht sogar eine Halle. Jeder kann mitmachen, für den Anfang reicht ein normales Fahrrad. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Das Surren des Notstromaggregats ist unüberhörbar. Das Gerät liefert den Strom für zwei kleine, transportable Lichtmasten, die die etwas versteckt liegende Hockeyfläche am Nordrand des Volksfestplatzes erleuchten. Direkt am Glacis, gleich hinter dem Zelt des Zirkus Roncalli, befindet sich der Treffpunkt der Ingolstädter Bikepolospieler. Ab und zu holt sich einer der Zuschauer ein Bier aus dem Kasten im Fahrradanhänger. Derweil versuchen zwei Mannschaften mit je drei Leuten auf Fahrrädern, mit ihren selbst gebauten Schlägern einen Ball in ein improvisiertes Tor zu schlagen, das aus zwei Kegeln besteht.

„Das ist alles punkig“, sagt Sepp, einer der Initiatoren der Bikepoloszene in Ingolstadt: „Wie bei jeder neuen Sportart am Anfang.“ Die meisten Spieler benutzen normale Straßenräder, einer hat aber schon eine Scheibe statt Speichen. „Da kann sich der Ball nicht verfangen“, klärt ein anderer Zuschauer auf. Fast alle tragen Helm, einer noch zusätzlich einen Gesichtsschutz. „Der Ball ist nicht nur hart, sondern auch schnell“, sagt Rainer, und wie zur Bekräftigung donnert das Ding im nächsten Augenblick an die Bande.

Dabei möchte man gar nicht glauben, dass man mit solchen Schlägern so hart schlagen kann. „Die sind selber gebaut, aus Skistecken von der Caritas“, erzählt Sepp. Seitdem die Bikepoloszene diese Quelle entdeckt hat, gibt’s im Gebrauchtwarenmarkt keine mehr – und wenn, dann nur noch mit Skiern. Von der Caritas stammen auch viele Teile für die Räder, die möglichst leicht, aber doch stabil sein sollen.

Auf dem Spielfeld „tobt“ derweil ein Kampf um Ball und Tor. Schnelles Anfahren, abrupte Stopps, plötzliche Schwenks und Wendungen, nicht immer ganz geglückte Schläge und Abdrängen des Gegners wechseln sich in rascher Folge ab. Bisweilen kommt es auch zu Kollisionen und Stürzen. „Körperkontakt ist erlaubt“, erklärt Sepp. Wie bei jedem Ballspiel in der Mannschaft benötigt man auch beim Bikepolo neben fahrerischem Können und Körperbeherrschung einen gewissen Überblick, was der Rest des Teams und der Gegner alles machen. Auch das Schlagen mit den umgebauten Skistecken will geübt sein. Regeln? „Die gibt es. Aber die sind in jeder Stadt anders“, sagt Sepp. Wichtig ist, dass man auf dem Rad bleibt und nicht mit dem Fuß den Boden berührt. Gewonnen hat das Team, das fünf Tore oder nach Ablauf einer gewissen Zeit die meisten Treffer erzielt hat.

München, Nürnberg oder Augsburg sind Städte mit einer aktiven Bikepoloszene, einer Sportart, die es schon mehr als 100 Jahre gibt und fast schon olympisch geworden wäre. „Das ist eng verbunden mit Critical Mass“, ergänzt Rainer. Diese Bewegung hat in Ingolstadt schon mehrfach auf sich aufmerksam gemacht. Sie fordert die Rechte für Radler im Straßenverkehr ein und erinnert an getötete Radfahrer.

In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Mitte vor eineinhalb Wochen haben die Bikepolospieler auf ihre Belange aufmerksam gemacht. „Der Platz am Volksfestgelände ist zentral und bietet sich an“, erklärte Markus Hermann – auch wenn niemand bislang sagen konnte, wer dafür eigentlich zuständig ist. So räumen die Bikepolospieler jedes Mal die Scherben weg und stellen ihr Notstromaggregat auf. „Licht wäre natürlich gut“, so Hermann weiter: „Oder eine Halle für den Winter.“

Wer’s mal ausprobieren will: Treffpunkt ist mittwochs von 18 bis 22 Uhr und sonntags ab 14 Uhr. Einfach vorbeischauen.

Von Bernhard Pehl
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