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54 Studierende aus vier Nationen ermittelten süddeutschen Meister im Debattieren

Streiten wie die großen Tiere

Ingolstadt
erstellt am 22.04.2013 um 20:09 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:20 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Da werden Erinnerungen an die legendären Elefantenrunden wach: An Zeiten, in denen sich Polit-Dinosaurier wie Franz Josef Strauß, Helmut Schmidt und Helmut Kohl vor den laufenden Kameras der Öffentlich-Rechtlichen in verqualmten Fernsehstudios schneidige Rededuelle lieferten. Ihnen gleich taten es am vergangenen Samstag und Sonntag in Ingolstadt Studierende aus vier Nationen.
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Ingolstadt: Streiten wie die großen Tiere
Hitzige Wortgefechte: Die süddeutschen Meisterschaften im Debattieren fanden am Wochenende an der WFI statt. Es siegte das Team aus Wien - Foto: Brandl
Ingolstadt
Es lebe die gehobene Streitkultur! Zelebriert wurde diese am Wochenende von insgesamt 54 Rednerinnen und Rednern in 18 Teams aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Sie kamen in den (rauchfreien) Räumlichkeiten der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (WFI) in Ingolstadt zusammen, um sich gegenseitig in Grund und Boden zu reden. Das jedoch kultiviert und nach einem strengen Reglement: Immerhin galt es, aus ihren Reihen den süddeutschen Meister im Debattieren zu ermitteln. Ziel des Wettbewerbs: die rhetorischen Fähigkeiten zu demonstrieren und in spannenden Diskussionen über Themen aus der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik die Argumentationskraft unter Beweis zu stellen. Eingeladen hierzu hatte – bereits zum zweiten Mal in Folge – der Debattierclub der Universität.

Igor, Michael und Peter vom Team Stuttgart ziehen sich zur Vorbereitung auf die Debatte in eine Sitzgruppe im Foyer des Hauptgebäudes zurück. Soeben haben sie vom Jurysprecher das Thema erfahren, zu dem sie sich in 15 Minuten mit ihren Halbfinalgegnern vom Team Zeus aus Tübingen verbal duellieren werden: „Sollten die Journalisten die Offshore-Leaks-Daten an die zuständigen staatlichen Behörden übergeben“ Bei der schlagkräftigen Truppe aus dem Württembergischen sprudeln sofort die Argumente. Nahezu im Sekundentakt – die Zeit bis zur Debatte ist schließlich knapp – sammeln sie Stichworte, sondieren ihr Zeitungswissen und bereiten die Strategie vor, mit der sie gleich in die Debatte gehen werden. Michael und seine Mitstreiter werden sich als Opposition gegen den vorliegenden Antrag aussprechen müssen, werden in Kürze mit Mann und Maus für die Pressefreiheit und gegen blinden Aktionismus, den sie der Regierungsmannschaft später vorwerfen, einsetzen.

„Steuerhinterziehung ist ein gigantisches Problem, das jährlich einen Schaden von 100 Milliarden Euro verursacht“, legt Konrad auf der Regierungsseite los. Sieben Minuten Zeit hat er, sich dafür starkzumachen, dass Journalisten ihre Informationen über Steuersünder und deren Finanzrefugien wie auf den Cayman Inseln weitergeben müssen. „Wieso marschieren wir nicht in diese Länder ein, wenn das Problem so groß ist“ Michael versucht, den Gegner mit einer polemischen Zwischenfrage aus dem Konzept zu bringen. Einen globalen Krieg anzuzetteln, das käme natürlich nicht infrage, auch wenn Steuerhinterziehung nach Konrads Ansicht das „größte Verbrechen des 21. Jahrhunderts“ ist. „Die Regierung muss ein Zeichen für die Bevölkerung setzen.“

Dann saust der Hammer zweimal auf den Tisch der Jury nieder. Sieben Minuten Redezeit sind vorbei. Die Opposition ist nun am Zug: Igor ergreift das Wort, zeigt sich wenig beeindruckt vom Beitrag seines Vorredners, den er effekthascherisch als „Sheriff Konrad“ tituliert, was ihm die Aufmerksamkeit der anwesenden Zuhörer einbringt. Der Regierungsantrag schade nicht nur der Pressefreiheit, sondern auch der Demokratie und der Öffentlichkeit, behauptet er. „Steuerhinterziehung wird mit Mord gleichgestellt.“ Vater Staat habe in der Vergangenheit bewusst weggeschaut und Steuerhinterziehung zugelassen. Nun wolle man Informanten zu Mittätern machen.

Die Stuttgarter schaffen es schließlich ins Finale, in dem sie sich mit den drei Vertretern aus Wien messen. Eine emotionale Debatte zum Thema „Sollen homosexuelle Paare das volle Adoptionsrecht erhalten“, aus der das Team aus Wien als Sieger hervorging, war da natürlich garantiert.

 

Von Michael Brandl
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