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Schülerfest im Klenzepark stellt Stadtjugendring vor neue Herausforderungen – Kritik an Schulleitern

Riesenparty mit Bildungsauftrag

Ingolstadt
erstellt am 24.07.2013 um 18:45 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:23 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Seit 2007 betreut der Stadtjugendring (SJR) mit Partnern das große Fest der Schüler im Klenzepark am letzten Tag vor den Sommerferien. Heuer wird mit bis zu 7000 Besuchern gerechnet. Dazu sind neue organisatorische Vorkehrungen nötig. Der SJR kritisiert „mangelnde Hilfe“ der Schulleiter.
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Jürgen Schuhmann
Ingolstadt
Die Jugend von heute kennt die zügellosen Zeiten nur noch aus Erzählungen, und das ist auf jeden Fall besser so. Vor etwa zehn Jahren etablierte sich unter Ingolstädter Schülern der Brauch, sich mit den Jahreszeugnissen in der Tasche in den Klenzepark zu setzen und auf die Sommerferien anzustoßen, gern mit reichlich Alkohol. Dieses Partyformat erfuhr bald solche Beliebtheit, dass die zwanglosen Treffen auf der Tilly-Wiese zu Großveranstaltungen avancierten. Allerdings steigerte sich auch die Zwanglosigkeit in selbem Maße. 2006 eskalierte das Klenzefest. Bier und härtere Alkoholika flossen ungehemmt, es mussten dutzendfach betrunkene Jugendliche versorgt werden; Blaulicht allenthalben.

Da zog der Stadtjugendring die Notbremse. Seit 2007 betreut er das Klenzefest mit Partnern (darunter das Jugendamt, das Gesundheitsamt, der Verein Condrobs oder der Sozialdienst katholischer Frauen) sowie mit Sponsoren aus der Wirtschaft. Motto: „Ohne Schnaps, ohne Rausch, ohne Glas.“ Schülerteams helfen mit, verteilen Zutrittsbänder, schenken aus (Bier ist erlaubt) und passen auf, dass nichts Verbotenes in den Klenzepark gelangt. Der Erfolg bestätigt das Konzept: Die Zahl der alkoholbedingten Rettungseinsätze ist sofort stark zurückgegangen. Dafür kommen immer mehr Besucher. Das stellt den SJR vor Herausforderungen.

„Im vergangenen Jahr waren mittags 5000 Armbänder weg“, erzählt Stefan Moser, der Geschäftsführer des SJR. „Die jungen Leute sind bis zu einer halben Stunde am Eingang angestanden.“ Jugendpfleger Dieter Edenharter hat für das nächste Klenzefest am Dienstag, 30. Juli, gleich mal 7000 Armbänder bestellt, die die Teams der SMV (Schülermitverantwortung) aus acht Schulen den jungen Besuchern anheften, nachdem sie in die Taschen geschaut haben. „Wir müssen das Konzept angesichts dieses Ansturms weiterentwickeln“, sagt Moser. Der SJR sei inzwischen „de facto der Veranstalter“ des Klenzefests. „Wir kommen dieser Rolle gar nicht mehr aus. Und wir wollen ihr auch nicht mehr auskommen.“ Die Riesenfeier in geordneten Bahnen zu halten, sei „ein Auftrag aus Überzeugung“.

Dennoch weisen Moser und Edenharter darauf hin, dass es sich „um ein begleitetes Fest handelt und nicht um eine geschützte Veranstaltung“. Denn dann müsste man das Gelände einzäunen und Leibesvisitationen vornehmen wie bei Fußballspielen. Das will der SJR auf keinen Fall. Mehr Kontrolle sei aber angesichts der erwarteten Besuchermasse unvermeidlich. Deshalb wird heuer zum ersten Mal der Sicherheitsdienst Secura „im Team mit den Schülern der SMV“ darüber wachen, dass kein Schnaps, kein Glas und auch keine Betrunkenen in den Park gelangen. Um den Zustrom flüssig zu gestalten, wird die Zahl der Eingänge auf acht (an drei Orten) erhöht. „Die neue Dimension des Fests erfordert mehr Logistik und einen effektiveren Organisationsablauf.“

Die Sozialpädagogen wissen, „dass 100-prozentige Kontrolle unmöglich ist“, und sie streben das auch gar nicht an. Sie setzen lieber auf gute Vorbilder und Information. „Viele Eltern glauben, dass dieses Fest eine geschützte Veranstaltung ist, deshalb sind immer jüngere Leute gekommen“, berichtet Moser. „Sie ist aber für Schüler der Unterstufe ungeeignet, vor allem, weil sie nicht alkoholfrei ist. Es finden auch keine Alterskontrollen statt.“ Dafür sei das Verantwortungsgefühl der Eltern gefragt und die Hilfe der Schulen, um Informationen zum Fest in den Zielgruppen zu verbreiten. Jedoch: „Die Zusammenarbeit mit den Schulen ist nicht zufriedenstellend“, sagt Moser. Viele wollten mit dem Fest ihrer Schüler nichts zu tun haben – zumal es außerhalb des Schulgeländes stattfinde. Das enttäuscht den SJR: „Wir verlangen ja nicht, dass die dafür Lehrer abstellen. Aber es sollten wenigstens alle Schulleiter unseren Appell, dass Schüler unter 14 Jahren daheimbleiben sollen, an die Eltern weitertragen, das wäre eine große Hilfe.“ Oder die SMV-Teams: „Man müsste die Schüler für ihr Engagement auf den Schild heben! Stattdessen sind einige nicht einmal für eine Vorbesprechung freigestellt worden. Da muss sich deutlich was ändern!“, sagen Moser und Edenharter. „Denn das hat auch was mit Bildung zu tun.“ Diese Kritik trifft jedoch nicht auf alle Schulen zu (siehe Kasten).

Um den Schulleitern ein Bild davon zu vermitteln, dass ihre Zöglinge das eigene Haus auch im Klenzepark weithin sichtbar repräsentieren, hat Moser viele Motto-T-Shirts der Schüler fotografiert, die sie eigens für das Fest anfertigen ließen, und auf einem Infoblatt veröffentlicht.

Auch am nächsten Dienstag werden wieder tausende junge Leute in lustig gemeinten Shirts durch den Klenzepark toben, auf denen „Katherl“, „Ickstatt“ oder „FOS“ steht. Den Direktoren ist zu wünschen, dass sich die Werbeträger dann auch ordentlich aufführen.

 

Von Christian Silvester
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