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Auch im Kloster Gnadenthal wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein Obergäriges gebraut

Gesundes Weißbier zur Stärkung der Kranken

Ingolstadt
erstellt am 20.05.2016 um 22:01 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:55 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (dk) Im Bereich der Harderstraße brauten einst die drei einzigen Weißbierbrauereien der Stadt. Da diese teurere Biersorte dem "gemeinen Braunbier" geschmacklich weit überlegen war, nützte der Staat bald die Gelegenheit, darauf Steuern zu erheben. Kurfürst Maximilian gründete deshalb 1607 in Kelheim das privilegierte staatliche Hofbräuhaus. (heute Schneiderbräu).
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Im: Gesundes Weißbier zur Stärkung der Kranken
Foto: Hans Fegert
Ingolstadt

Schon nach kurzer Zeit war der Absatz in eine beachtliche Dimension gestiegen, was den Bau einer Versorgungsstraße erforderlich machte. So entstand die "Bierstraße". Die alte Fahrstraße führte von Essing nach Ingolstadt durch den Hienheimer Forst. Auf diesem mautfreien Transportweg brachten über 100 Jahre Pferdefuhrwerke die Weizenfässer nach Ingolstadt. Die "Ingolstädter Bierstraße" ist in den alten Katasterblättern sogar als offizielle Verbindung nach Kelheim eingetragen. Mit der Aufhebung des Bierzwanges im Jahre 1799 fand auch das Privileg des Weißbierbrauens ein Ende.
 

MÜNSTERERBRÄU

 

Gleich drei Brauereien waren Am Stein ansässig. An der Ecke zur Schulstraße lässt sich der einstige Münstererbräu seit 1613 nachweisen, ab 1630 besaß sogar der Straubinger Schneiderbräu für mehrere Jahrzehnte das Braurecht dort. 1806 ging die Brauerei an die Ingolstädter Brauersfamilie Geislmayr über, die jedoch den Braubetrieb 1860 für immer einstellte. Der Bierausschank "Beim Münsterer" wurde immerhin noch weitere 113 Jahre bis zum Gebäudeabriss im Jahre 1973 weitergeführt.

 

JÄGERBRÄU

 

Gegenüber braute der Jägerbräu sein Braunbier. Jene "lehnbare Bräubehausung" befand sich im 17./18. Jahrhundert im Besitz des Klosters Schönfeld. Alois Oberbauer, der diese Sudstätte 1847 erworben hatte, stellte den Betrieb 1876 ein. 1884 erwarb das Bürgerliche Brauhaus die Wirtschaft. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte 1910 der Inhaber des unmittelbar angrenzenden Koboldbräus, Lorenz Hollweck, das Gasthaus. 1915 wurde der Schankbetrieb beim Jägerwirt für immer eingestellt, die Gaststube zu Ladengeschäften umgebaut. In die groß angelegte Sanierung des Koboldblockes wurde 1975 auch der ehemalige Jägerbräu einbezogen.

 

KOBOLDBRÄU

 

1613 war Sebastian Cobelt Besitzer des nach ihm benannten Koboldbräus, vermutlich bestand jene Brauerei unter einem anderen Namen bereits schon im Jahre 1548. Infolge von Vererbungen, Einheirat oder den üblichen Veräußerungen änderten sich die Eigentumsverhältnisse mehrmals. 1882 ging die Brauerei zunächst an die damalige Ingolstädter Brauerdynastie Delagera und zehn Jahre später an Lorenz Hollweck über. Während die Brauerei 1919 aufhörte, wurden bis zur Sanierung des Koboldblocks Biere der zum Familienbesitz gehörenden "Altenbrauerei Wolnzach" ausgeschenkt.

 

RAPPENSBERGER BRÄU

 

Bereits 1590 war Sixtus Schrank Besitzer einer Brauerei an der Harderstraße, wo sich im Laufe der Jahrhunderte noch drei weitere Braustätten etablierten. 1657 übernahm Adam Rattmannsberger den kleinen Betrieb, der drei Jahre später ein Raub der Flammen wurde. In Anlehnung an den alten Namen 1754 vom neuen Inhaber Anton Hillmantel Rappensberger Bräu genannt, brannte das Anwesen 1850 erneut ab. 1891 erwarb Josef Ponschab den Sudbetrieb, musste ihn jedoch 1917 aus gesundheitlichen Gründen veräußern. Im Jahre 1921 wurde der Braubetrieb eingestellt, 1927 legte ein dritter Großbrand das Traditionshaus abermals in Schutt und Asche. Schließlich übernahm Georg Geberl 1953 den Brauereigasthof und führte das Hotel Rappensberger mit viel Engagement. Das weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Haus schloss 2012 für immer seine Rezeption.

 

GNADENTHAL

 

Die Ordensschwestern des Klosters Gnadenthal erhielten 1723 das kurfürstliche Privileg zum Brauen von Weißbier. Da jedoch das klösterliche Weizen den Eigenbedarf bei weitem übertraf, verkauften die Schwestern das Bier an die Bevölkerung. Deshalb wurde ihnen kurzerhand die Braugenehmigung von "aller höchster Stelle" wieder entzogen. Die Klosterschwestern entschuldigten ihr "Fehlverhalten" beim Kurfürsten: Sie hätten das Weißbier nicht als Genussmittel, sondern rein zu medizinischen Zwecken an Kranke ausgeschenkt. Diese Begründung überzeugte die kurfürstliche Regierung zwar nicht, dennoch wurde eine neue Braugenehmigung erteilt. Und in der Tat, die Klosterschwestern lagen mit ihrer Begründung gar nicht so falsch. Die Trinkwasserqualität der mit keimhaltigem Schutterwasser gespeisten öffentlichen Brunnen war nicht die beste, dagegen war das Trinken von Bier unbedenklich. So wurde immerhin bis zum Jahre 1904 im Kloster Gnadenthal das beliebte Weizenbier gebraut.

 

LENZBRÄU

 

Die Geschichte des ebenfalls in der Harderstraße ansässigen Lenzbräus lässt sich bis ins Jahr 1599 zurückverfolgen. Da man im bayerischen Sprachgebrauch den Namen Lorenz in der Kurzform als "Lenz" bezeichnet, dürfte der Brauereiname von Lorenz Schäfer abgeleitet worden sein. Er besaß von 1642 bis 1685 die staatlich privilegierte Braugerechtsame zum Brauen von Weißbier. Bis 1881, als der Großmehringer Brauer Albert Veit den Lenzbräu erwarb, verzeichnete der Weißbier-Sudbetrieb noch unzählige Brauherren. Nachdem 1882 das Bürgerliche Brauhaus entstanden war, zählte der Lenzbräu zu den ersten Brauereien, die sich in diese neue Aktiengesellschaft einbrachten. Der eigenständige Braubetrieb lief noch bis 1898 weiter, wobei von 1892 bis 1896 Josef Glossner das Braurecht ausübte. Unter anderem war mit dem Wienerwald in den 1960er-Jahren hier Ingolstadts erste Grillhendlbratstation etabliert.

Von Hans Fegert
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