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Die Ludovicia wird 90. Unter jungen Leuten ist die Studentenverbindung angesagt wie lang nicht mehr

In aller Freundschaft

Ingolstadt
erstellt am 20.10.2011 um 21:36 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:03 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Studenten- und Absolventenverbindung Ludovicia feiert am Wochenende ihr 90. Stiftungsfest. Die 60 Mitglieder pflegen die Traditionen entspannt. Das könnte ein Grund dafür sein, dass die Korporierten heute weit weniger Vorurteilen begegnen müssen als früher.
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Ingolstadt: In aller Freundschaft
Zusammenhalt im Zeichen des violett-weiß-grünen Bands: Franz „Wotan II“ Schabmüller jun., Vinzenz „Caesar“ Hagn und Tobias „Passat“ Tag (v. l.) im Kneipheim der Ludovicia, dem Peterskeller an der Ludwigstraße. Dort beginnt heute das dreitägige Stiftungsfest. - Foto: Strisch
Ingolstadt
Antiquiertes Beharren auf Altershierarchien kann man den Herren wirklich nicht vorwerfen. Die Ludovicia geht die Generationenfrage erfrischend unkonventionell an: Der 26-jährige Franz Schabmüller junior amtiert etwa als „Senior“. Dagegen firmiert der 59-jährige Vinzenz Hagn, Ludovice seit 1974, in der traditionellen Rangordnung bis heute als „Bursche“, obwohl er vereinsrechtlich gesehen der Chef ist. Aber das findet der Ruheständler amüsant. Vielleicht sei er ja dann mit 60 reif für den Titel „Alter Herr“, erzählt Hagn schmunzelnd. Wie gesagt: In Generationsfragen ist die anno 1921 gegründete Ludovica entspannt unterwegs.

Und auch sonst. Sicher pflegen sie die Traditionen des Verbindungswesens mit vielem, was seit dem 19. Jahrhundert dazugehört: Farben tragen, in „Vollwichs“ (also Parade-Ornat) defilieren, mit dem Kommersbuch in der Hand alte Hochschulhits schmettern („Student sein, wenn die Humpen kreisen . . .“) oder den originell-antiquierten Fachjargon bemühen (Kneipheim, Fuxmajor, Chargia). Doch die Ludovicen huldigen den Regeln der Vergangenheit augenzwinkernd. Geselligkeit und Kultur stehen im Vordergrund. „Sicher, wir sind a bisserl anders als ein Sportverein“, sagt Hagn.

Schon allein wegen der Kneipnamen, wie die obligatorischen Pseudonyme heißen. Hagn etwa nennt sich Caesar. Schabmüller, der Jüngere, ist auch außerhalb des Kneiplokals im Peterskeller für viele nur noch der Wotan II; der Namen dient auch als ehrendes Andenken an seinen Großvater, den ersten Wotan der Ludovicia. Franz Schabmüller senior engagiert sich unter dem Alias Remus als Philistersenior. „Das war damals ein Doppeleintritt“, erzählt er. Also gaben sich er und sein Kommilitone bekannte Zwillingsnamen: Romulus und Remus, jene sagenhaften Gründer Roms.

Tobias Tag, Student der Umweltsystemtechnik, ist mit seinen 22 Jahren einer der Jüngsten. Er schätzt am Ludovicia-Leitspruch „Pro amicitia et patria“ – Für die Freundschaft und das Vaterland – vor allem Teil eins.

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Von Christian Silvester
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