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Es gibt auch gute Nachrichten: Von einem fast verdorbenen Feiertag und einem ehrlichen Mitbürger

"Ich bin ein absoluter Glückspilz!"

Ingolstadt
erstellt am 12.01.2018 um 20:55 Uhr
aktualisiert am 17.01.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (sic) Sie hatte an einem Abend zweimal direkt hintereinander Pech. Und gleich darauf zweimal Glück. Begeistert erzählte Christine Litter ihre Geschichte dem DK.
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Ingolstadt: "Ich bin ein absoluter Glückspilz!"
Sie hat sie wieder: Christine Litter verlor in der Stadt ihre Geldbörse. Der ehrliche Finder traf damit vor ihr bei der Polizei ein. - Foto: Hammer
Ingolstadt

Die 52-jährige Ingolstädterin freute sich am letzten Tag des Jahres auf einen netten Abend mit ihrem Freund, ihrer Mutter und dem Film "Das bescheuerte Herz" im Union-Altstadtkino. Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn holte sie die online bestellten Karten an der Kasse ab, steckte sie in ihren Geldbeutel, stieg wieder ins Auto, suchte sich einen Parkplatz und ging dann noch kurz mit Freund und Mutter spazieren. Wieder zurück im Kino wollte Christine Litter die Tickets zücken. Und machte eine unerfreuliche Entdeckung. Oder genauer gesagt: gar keine Entdeckung. Denn ihr Geldbeutel fand sich weder in ihrer Handtasche noch in ihrer Jacke.

Er war weg.

So was Blödes. Aber sie blieb ruhig. "Ich dachte, dass ich ihn wahrscheinlich beim Einsteigen ins Auto einfach auf die Tasche anstatt in die Tasche gelegt habe, und er jetzt wahrscheinlich im Fußraum liegt", erzählt sie. Doch im Geldbeutel steckten ja noch die drei Kinokarten! Christine Litter wollte sofort zum Auto eilen, denn der Film sollte in wenigen Minuten beginnen. Das würde wirklich eng werden. Aber da winkte der Kartenkontrolleur sie, ihre Mutter und ihren Freund freundlich in den Kinosaal. "Er konnte sich an mich erinnern!" Und die Platznummern wusste sie auch auswendig. Das war Glück angesichts des Malheurs mit dem Geldbeutel. Der nette Abend konnte beginnen.

"Ich habe mir weiterhin keine Sorgen gemacht", erzählt die 52-Jährige, "denn ich war mir sicher, dass meine Geldbörse im Auto liegt. Den Film habe ich in vollen Zügen genossen, ohne nur einen Gedanken an den Geldbeutel zu verschwenden. Nach dem Film, den wir nebenbei bemerkt sehr gelungen fanden, sind wir gemütlich zurück zum Auto gegangen." Dort ereilte sie der nächste Schrecken: keine Geldbörse im Fußraum. Nirgends. Jetzt wurde es hektisch: "Tasche ausgeleert, Stühle zurückgeschoben, gesucht an Stellen, wo die Geldbörse sicher nicht sein konnte. Doch sie war nicht da. Toll. Und was jetzt" Keine Ahnung.

Was für ein Desaster. In dem Portemonnaie steckten wichtige Ausweise. Und natürlich Geld. Jetzt war die Festabendlaune wirklich perdu. "Ich habe alles noch einmal Revue passieren lassen, bin gedanklich jeden Schritt, den ich bis zum Bemerken der verschwundenen Geldbörse unternommen habe, nachgegangen. Ich hatte keine Lösung. Vielleicht war sie nur auf meiner Tasche gelegen und ist dann beim Aussteigen aus dem Auto auf die Straße gefallen. Oder, oder, oder . . ."

Es half nichts. Christine Litter musste noch am selben Abend zur Polizei, um den Verlust zu melden. Ihr Freund fuhr sie hin. In der Inspektion angekommen, fiel ihr bald etwas auf. Etwas ganz Entscheidendes. "Während ich bei der Anmeldung auf den Polizisten warte, sehe ich schon auf dem Schreibtisch hinter der Glaswand eine Geldbörse liegen, die genau so aussieht wie meine!"

Sie war es. Mit vollständigem Inhalt. "Das ganze Bargeld, die EC-Karte, Krankenkarte, Personalausweis - alles da." Von einem ehrlichen Menschen gefunden und sofort bei der Polizei abgegeben. Christine Litter ließ sich von den Beamten die Adresse des Mannes geben, "ein pflichtbewusster und freundlicher Algerier", dann verließ sie beseelt die Inspektion, so schilderte es sie später, und dachte: "Was für ein Glück! Ich bin ein absoluter Glückspilz!" Das Jahr hat gleich gut begonnen.

Am nächsten Tag hat sie den netten Finder angerufen und sich bedankt. Er hatte die Geldbörse neben Christine Litters Auto gefunden. Inzwischen hat sie sich mit dem Algerier getroffen und ihm ein Geschenk überreicht. Voller Freude und Erleichterung schrieb sie diese Geschichte auf und schickte sie dem DK. Ihr Text endet mit der Gewissheit: "Es gibt mehr gute Menschen, als die meisten von uns wahrscheinlich denken!"

Von Christian Silvester
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