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Der Sandersdorfer Andreas Eckert geht mit seinem Projekt Pam Pam Ida auf Tour die startet am 18. Januar in der Neuen Welt

"Für kurze Zeit alles andere vergessen"

Ingolstadt
erstellt am 16.12.2016 um 21:03 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 21:03 Uhr | x gelesen
Ingolstadt/Sandersdorf (DK) Bairische Musik mit teils witzigen, teils nachdenklichen Texten schreibt Andreas Eckert aus Sandersdorf. Pam Pam Ida nennt er sein Soloprojekt, mit dem er ab Januar in Begleitung mehrerer Musiker auf Tour geht. Wir haben mit ihm über seine große Leidenschaft, die Musik, gesprochen.
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Ingolstadt: "Für kurze Zeit alles andere vergessen"
Echte Hühner und Misthaufen sind in dem Video zu, Lied "Gockl" von Pam Pam Ida und dem Silberfischorchester zusehen, das als Liebeserklärung an den ländlichen Raum regelrecht kultverdächtig ist. Sänger Andreas Eckert (Mitte mit Gitarre) wurde mit seiner Gruppe von den Hörern der Bayern-3-Sendung von Moderator Matthias "Matuschke" Matuschik damit zum Liebling des Jahres gekürt. - Foto: YouTube
Ingolstadt

 

Was ist das Schöne für Sie an bairischer Musik?

Andreas Eckert: Dass ich alle Facetten der Sprache kenne. Ich erkenne Ironie, Zynismus, Lethargie, Herzschmerz. Bei englischer Musik ist das anders, es ist halt nicht meine Muttersprache. Ich finde die bairische Sprache auch phonetisch sehr schön. Hochdeutsch wäre für mich nie zur Debatte gestanden. Das könnte ich gar nicht, weil ich nicht hochdeutsch reden kann. Bairisch klingt einfach sehr schön und die Leute verstehen es. Die direkte Ansprache gefällt mir.

 

Welche Altersgruppe wollen Sie mit der Musik erreichen?

Eckert: Wir haben immer gedacht, wir machen Musik für unsere Altersgruppe. Aber es hat sich herausgestellt, dass sie auch älteren Semestern sehr gut gefällt. Für Teenies ist sie glaube ich nichts, aber ab 25 aufwärts kann die Musik jeder hören.

 

Wie ist Pam Pam Ida bekannt geworden?

Eckert: Matuschkes Liebling des Jahres ist schon so ein Stempel, den wir bekommen haben.

 

Wie kam es dazu?

Eckert: Wir haben Matuschke einen Link geschickt - aber alleine, dass er das Lied angehört hat, ist ein Wunder. Er bekommt am Tag bestimmt mehrere Hundert Zusendungen. Zwei Tage später hat er uns geschrieben: "Heute Abend Radio einschalten, ihr seid Liebling der Woche." Liebling des Jahres wird man dann über eine Abstimmung. Matuschke hat aber stark Partei für uns ergriffen. Es war dann trotzdem Wahnsinn, dass es geklappt hat.

 

Ist der Gockl dann ein riesen Erfolg geworden?

Eckert: Eigentlich ist der Gockl trotzdem nicht aus der Nische rausgekommen. Bayern 3 spielt ihn tagsüber nicht, weil er von den Texten her nicht ganz jungendfrei ist. Andererseits stört das sonst auch keinen, aber dann sind die Lieder eben auf Englisch.

 

Wie vermarktet ihr euch?

Eckert: Wir haben kein major level, sondern machen alles in Eigenregie. Thomas Thumann managt das. Veröffentlicht wird die Musik über das Label von Magic Mango Music. Wir arbeiten freundschaftlich miteinander, es geht bisher um kein Geld. So gesehen sind wir sehr frei, können ohne Druck machen, was wir wollen.

 

Mitte Dezember erscheint eine EP von Pam Pam Ida. Darauf ist auch ein neues Lied - verraten Sie schon etwas darüber?

Eckert: Ich habe es im Keller von meinen Großeltern aufgenommen. An einem alten, schäbigen Klavier - an meinem ersten Klavier. Meine Eltern haben es vor 20 Jahren für 20 Mark in einer alten Klosterschule gekauft. Sonst wäre es weggeworfen worden. Ich habe mich sehr an den Klang gewöhnt, er ist nicht so modern, nicht so hochglanz. Da wollte ich eine Solonummer aufnehmen. Sie passt in die Weihnachtszeit. Trotz des Weltschmerzes, den man vielleicht heraushört, ist eine positive Nachricht in dem Lied verpackt. Es heißt übrigens "Nix vom Leb'n" und hat einen sehr positiven Kern.

 

Wie läuft eine Aufnahme bei euch ab?

Eckert: So weit es geht, spiele ich alles selber ein. Was ich überhaupt nicht kann, sind Streicher. Saxofon geht auch nicht, aber sonst: Trompete, Flügelhorn, Schlagzeug, Bass und Tasteninstrumente. Klavier studiere ich ja. Mir macht das Spaß, etwas auszuprobieren. Sogar ein Hackbrett von meiner Oma habe ich vor Kurzem für eine Aufnahme hergenommen.

 

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Texte?

Eckert: Aus Beobachtungen aus dem Leben. Ich brauche meine kreativen Pausen, in denen mir etwas durch den Kopf geht. Ein Spruch oder Satz vielleicht, alte Weisheiten von meinen Großeltern. Und ich höre selber sehr gerne und viel Musik: 70er, 80er, auch bairische Musik wie Ringsgwandl oder Haindling - das ist Musik, die hat einen Wert. Das klingt immer authentisch. Wenn hingegen das zwanzigste Lied von nicht erfüllter Liebe handelt, nehme ich das irgendwann nicht mehr ernst.

 

Was wollen Sie mit Ihren Liedern vermitteln?

Eckert: Ich bin kein weiser Mensch, dafür bin ich viel zu jung. Es ist keine allgemeine Botschaft, die in meiner Musik steckt. Aber ich möchte, dass jedes Lied für sich etwas aussagt. Dass es nicht nur gefällig ist, sondern, dass die Menschen eintauchen. Dass sie für kurze Zeit alles andere vergessen. Wichtig ist mir, dass die Leute einen Zugang finden - und dass man nicht alles zu ernst nimmt bei der Musik. Die Lieder sind so geschrieben, dass man sie augenzwinkernd betrachten kann.

 

Wie ist das bei dem Stück Vaterland?

Eckert: Bei Vaterland hätten wir uns Kritik erhofft. Die einzige kam aber von iTunes, wo man dachte, es stecke eine rechte Botschaft dahinter. Dabei ist es das genaue Gegenteil, wenn man das Lied auch bis zu Ende hört. Es sind Sätze, die man so ähnlich über Ausländer am Stammtisch hören kann - aber wenn mir jemand zu rechts ist, will ich mit dem nichts zu tun haben, das ist die Botschaft. Matuschke hat das Lied auch wieder sehr gut gefallen. Die Musik ist einfach dafür gemacht, dass man sie aufmerksam anhört.

 

Zu den Liedern gibt es auch stets außergewöhnliche Videos. Machen die Drehs so viel Spaß, wie es aussieht?

Eckert: Ja und nein. Der Gockl war schon sehr anstrengend. Vormittags haben wir die Bläser noch aufgenommen, die ganze Nacht vorher habe ich Noten geschrieben. Danach haben wir das Video gedreht, komplett ungeprobt. Ich war fix und fertig danach. Aber es war lustig. Schultertanz war dann zu krass. Da waren 65 Leute beteiligt, und ich habe den Fehler gemacht, die Aufgaben zu wenig zu verteilen. Wenn du dann für alle zuständig bist, das ist zu heftig. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht.

 

Wird es zum neuen Lied auch ein Video geben?

Eckert: Ich weiß noch nicht, wie es ausschauen wird, aber zum neuen Lied wird es ein Video geben. Oft habe ich auch eine Idee für ein Video, bevor es das Lied dazu gibt. Das können Bilder sein oder Filmszenen, die mir nicht aus dem Kopf gehen. Solche Sachen bringen mich auch auf Ideen.

 

Bei euren Videos heißt es: Pam Pam Ida und das Silberfischorchester. Wie kommt das?

Eckert: Silberfischorchester, das ist nur ein Name. Thomas Thumann und Julian Menz bilden den Kern, mit dem ich zusammenarbeite. Beim Gockl wollte ich mit Streichern und einigen anderen Musikern spielen, die ich vom Studium aus Regensburg kenne. Und da haben wir überlegt, wenn wir in der Besetzung unterwegs sind, brauchen wir ein Pseudonym - und das ist das Silberfischorchester. Live wollen wir aber erst einmal als Pam Pam Ida auftreten.

 

Woher kommt der Name Pam Pam Ida?

Eckert: Diese drei Worte hat der Schlagzeuger geträumt. Er hat mir davon erzählt und ich habe gleich gesagt: So müsste eine Band heißen. Ich fand den Namen immer gut, er klingt nicht gleich nach einer Botschaft, aber irgendwie doch. Ein bisschen Dadaistisch vielleicht. Das fand ich recht amüsant.

 

Das Gespräch führte

Isabel Ammer.

Donaukurier
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