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Gäste aus Moskau im Scheiner-Gymnasium "Die Krise ist nicht zwischen unseren Völkern entstanden"

Freundschaft über die Politik hinaus

Ingolstadt
erstellt am 19.02.2016 um 21:45 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:52 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Vor 25 Jahren besiegelten das Moskauer Kapzow-Gymnasium und das Christoph-Scheiner-Gymnasium eine Schulpartnerschaft, die beide mit Freude pflegen. Derzeit sind wieder Moskauer Schüler und Lehrerinnen zu Gast. Das frostige politische Klima kann ihrer Freundschaft nichts anhaben.

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Es gehört selbst bei innigsten Schulfreundschaften nicht zum Standard, die Gäste mit hohen kommunalen Ehren zu begrüßen. Doch diese Woche wurde neun Schülern des Moskauer Kapzow-Gymnasiums, dessen Direktorin Vita Kiritschenko und der Deutschlehrerin Elena Gromychina genau diese Geste zuteil. Stadträtin Brigitte Fuchs - die glühendste Russlandsympathisantin der Ingolstädter CSU - empfing die Moskauer und deren Gastgeber im Alten Rathaus. Der Anlass war das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen dem Scheiner- und dem Kapzow-Gymnasium.

Die Zeremonie hat die Schüler beider Länder beeindruckt. "Es ist eine Ehre, so einen Festakt zu erleben", berichten Diana Muzychenko und Krisztina Udvaros. Sie gehen im Scheiner in die 9d. Ihren Gästen Alissa Juschina und Wadim Worobjov gefällt es in Bayern. Sie sind zum ersten Mal hier. "Ingolstadt ist natürlich anders als Moskau, aber wirklich sehr schön!" Sie haben eine Menge gesehen, weil sie mit ihren Gastgebern sofort losgezogen sind. Während ihres achttägigen Aufenthalts bekommen die Moskauer (nach dem gemeinsamen Unterricht) viel geboten. Die Russischlehrerin Gabriele Mages hat das Programm mitorganisiert. Darauf stehen unter anderem ein Ausflug nach Nürnberg mit dem Besuch der Ausstellung "Memorium Nürnberger Prozesse" sowie gesellige Abende. "Gemeinsame Theaterbesuche sind Tradition - in Moskau wie in Ingolstadt. Diesmal haben wir in der Werkstattbühne ,Der Junge mit dem Koffer' gesehen. Und ,Das Ballhaus' im Großen Haus", erzählt Gabriele Mages. "Die Geschichte des 20. Jahrhunderts getanzt. Das ist für unsere Gäste also auch sprachlich gut zu bewältigen."

In einem Jahr brechen die Ingolstädter zu ihrem Gegenbesuch auf. Die Scheiner-Schülerinnen Margarita Schamanayeva und Anita Ruppel (Q11) haben die Weltstadt und die Freundschaft ihrer Gastfamilien schon erlebt. "Ich war begeistert! Dass Moskau so schön ist, hätte ich nie gedacht", erzählt Margarita. Anita berichtet: "Wir haben uns stundenlang über Gott und die Welt unterhalten. Man fasst eine Stadt gleich viel besser auf, wenn man Freunde dabeihat - also nicht unbedingt die Eltern."

Doch es liegt ein Schatten auf dem Verhältnis zwischen Russland und Deutschland. Seit der Krim-Krise und dem Beginn des Bürgerkriegs in der Ostukraine ist die Stimmung richtig mies. Pessimisten wähnen sich schon in einem "neuen Kalten Krieg". Aber die frostigen Beziehungen auf der Regierungsebene können der Freundschaft zwischen den Gymnasien in Ingolstadt und Moskau nichts anhaben. "Die Krise ist zwischen den Politikern entstanden, nicht zwischen unseren Völkern oder uns Freunden", sagt die Lehrerin Elena Gromychina. "Aber die Krise wirkt sich auf die Organisation des Schüleraustauschs aus", merkt Gabriele Mages an. "Es ist zum Beispiel schwieriger geworden, ein Visum zu bekommen. Unsere Länder sind sich schon offener gegenübergestanden. Jetzt müssen wir neuerdings auf beiden Seiten Fingerabdrücke abgeben. Bei einem Schüleraustausch! Da ist eine Verschlechterung gewollt - auf beiden Seiten."

Deshalb müsse man jetzt erst recht die Freundschaft hochhalten, sagt Gerhard Maier, der Direktor des Scheiner-Gymasiums. "Es ist entscheidend, dass wir uns von der Krise nicht beeindrucken lassen. Austausch lebt von der Begegnung. Es ist immer gelebte Versöhnung. Wenn wir weiter auf der menschlichen Ebene zusammenarbeiten, haben wir viel für den Frieden getan!" "Wir müssen uns mehr unterhalten und weiter voneinander lernen", sagt auch Elena Gromychina. Die Neuntklässlerin Krisztina Udvaros findet es "wichtig, sich über die Probleme Gedanken zu machen". Aber bei einem Schüleraustausch gehe es vor allem darum, Freunde zu finden. "Da rücken die Politik und alles Negative in den Hintergrund. Wir wollen einfach nur zusammen glücklich sein!"

Auch Vita Kiritschenko, die Direktorin des Kapzow-Gymnasiums, glaubt an die völkerverbindende Kraft der Freundschaft: "Wir sind sicher, dass sich die junge Generation heutzutage nicht an die Politik halten muss, denn sie ist weltoffen. Die jungen Leute beherrschen mehrere Fremdsprachen und informieren sich mehr über die Geschichte. Wir müssen lernen, die Konflikte zu vermeiden. Je mehr man über andere Völker weiß, desto weltoffener wird man. Ein Schüleraustausch ist deshalb das beste Mittel dazu, den Frieden in der ganzen Welt zu erreichen!"

Von Christian Silvester
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