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Deutliche Kritik an der Ausrüstung der Bundeswehr bei Empfang in Ingolstadt

"Eine Schande für unser Land"

Ingolstadt
erstellt am 13.03.2018 um 21:29 Uhr
aktualisiert am 17.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Einen ihrer größten Kämpfe hat die Bundeswehr an politischer Front zu kämpfen - wenn es um Mittel für die Ausrüstung geht. Das wurde beim Jahresempfang der Standortkameradschaft Ingolstadt des Landesverbandes Süddeutschland im Deutschen Bundeswehrverband in der Pionierkaserne deutlich.
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Ingolstadt: "Eine Schande für unser Land"
Gibt den Vorsitz der Standortkameradschaft Ingolstadt im Mai ab: Hauptmann Roland Ehrenberger.
Ingolstadt

Einmal im Jahr lädt die Standortkameradschaft, die Interessenvertretung der Soldaten der Bundeswehr, ins Kasino der Pionierkaserne zum Empfang. Es geht darum, drängende Probleme, die die Soldaten und die Truppe bewegen, nach außen zu tragen. Was die Ausstattung der Wehr anbelangt, hagelte es gestern von allen Rednern Kritik. "Es ist eine Schande für unser Land, wenn U-Boote nicht mehr tauchen können oder Hubschrauber nicht mehr fliegen", meinte Bürgermeister Albert Wittmann, der selbst 16 seiner 30 Dienstjahre bei der Bundeswehr am Standort Ingolstadt verbracht hat und als offizieller Vertreter der Stadt ein Grußwort sprach. Wittmanns Worte in Richtung Verteidigungsministerium waren deutlich: "Ich frage mich, was das für eine Führung sein soll." Die Zustände seien untragbar. "Wenn wir uns die Bundeswehr in unserem Land nicht mehr leisten können, dann können wir uns Auslandseinsätze zweimal nicht leisten", sagte er unter dem Applaus der Anwesenden.

Mit der Entwicklung der Sicherheit im Land "bin ich persönlich überhaupt nicht zufrieden", so Wittmann. Er meinte damit vor allem die Personalsituation bei der Polizei. Die Politik sei mit den Herausforderungen in der Region völlig überfordert, sagte er mit Blick auf das Transitzentrum (siehe Seite 22).

Die Situation am Standort Ingolstadt sei vergleichsweise gut. "Die Soldaten hier leben ein wenig auf der Insel der Glückseligen", meinte Hauptmann Roland Ehrenberger, der Vorsitzende der Standortkameradschaft. Baulich sei dies "eine gute Kasernenanlage", so Standortältester, Oberst Jörg Busch. Gleichwohl gebe es Mängel. "Wir haben zwar mehr Lehrgangsteilnehmer als je zuvor", doch es fehle an Ressourcen und Ausbildungspersonal. Probleme bereiteten die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr und die finanzielle Ausstattung, betonte Oberstleutnant Josef Rauch, stellvertretender Landesvorsitzender im Landesverband Süddeutschland. Richtig optimistisch stimmt ihn das, was die neue Bundesregierung für die Armee an Mitteln bereitstellen will, nicht. "Es ist frustrierend, dass die Bundeswehr zum wiederholten Mal deutlich nachrangig behandelt wird." Politische Unterstützung bot die FW-Landtagsabgeordnete Eva Gottstein aus Eichstätt an.

Roland Ehrenberger, der die Standortkameradschaft Ingolstadt seit vier Jahren führt, kündigte seinen Rückzug an. Er ist seit eineinhalb Jahren Bezirksvorsitzender Altbayern und habe angesichts des riesigen Bezirksverbandes keine Zeit mehr. Staffelübergabe an seinen Nachfolger in der Kameradschaft Ingolstadt ist im Mai.

Von Ruth Stückle
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