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Vor 25 Jahren starb der Künstler Alois Schölß – sein Nachlass birgt noch immer unbekannte Schätze

Ein Philosoph der Farben

Ingolstadt
erstellt am 18.11.2011 um 21:07 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:04 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Er war einer der bedeutendsten und beliebtesten Künstler der Stadt: Alois Schölß. Am Sonntag jährt sich sein Todestag zum 25. Mal. Sein Sohn Michael und dessen Frau Barbara, ebenfalls bekannte Künstler, pflegen den opulenten Nachlass, der bis heute immer noch so manche Überraschung birgt.
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Ingolstadt: Ein Philosoph der Farben
 
Ingolstadt
Sein künstlerischer Kosmos war komplex, vielschichtig, von Außenstehenden nur schwer zu durchschauen. Und doch passte er auf das kleinste Blatt. Zum Beispiel auf die Wand einer Zigarettenschachtel der Dresdner Marke Yenidze. 1939 zeichnete der studierte Kunstmaler Alois Schölß, damals 34 Jahre alt, ein streng geometrisches Kugelensemble samt Farbstern auf die Pappe, ausgefüllt mit Schwarz, Weiß und Braun in eindringlichen Mischungen. Das Lebensthema des Künstlers.

Bis heute, 25 Jahre nach Alois Schölß’ Tod, entdecken sein Sohn Michael und dessen Frau Barbara im Atelier der Familie Zeugnisse dieser Faszination für die Geometrie: auf Blättern und Zetteln, in Heften, Blöcken und Büchern. Kreise, Kegel oder Zylinder, die komplexe perspektivische Räume entstehen lassen. Und auch sie begegnen den Betrachtern meist weiß, braun und schwarz, in unendlichen Schattierungen. „In all diesen Skizzen drückt sich eine Suche meines Vaters aus“, erzählt Michael Schölß. Die Suche nach, so muss man vereinfachend sagen, den verborgenen Kräften des Farbspektrums und dessen Wirkung auf geometrische Körper. „Er hat seine Farbenlehre mit philosophischem Denken verbunden.“

Doch seine Liebe fürs Theoretische pflegte Schölß im Privatissimum, maximal noch im kleinen Kreis Eingeweihter, die seinen Gedanken zu folgen vermochten. „Wir haben ihn immer wieder gebeten: Stell’ doch auch mal deine geometrischen Arbeiten aus!“, erzählt Barbara Schölß. „Aber er hat da nur gesagt: ,Des is doch nix für d’Leit.’“ Eher für Goethe. Der Weimarer Schöngeist hielt – ganz im Ernst! – sein Werk „Zur Farbenlehre“ für sein bedeutendstes. Schölß erkannte hier den Ursprung seiner Suche. Die Schwiegertochter erinnert sich: „Er hat mal gemeint: ,Mei, wenn der Goethe zu mir kumma dad – der dad so schnell nimmer hoam geh!’“

Wie gesagt: Der künstlerische Kosmos des Alois Schölß war komplex. Doch sein opulentes Oeuvre zeigt noch viele andere, lebensnahe Seiten.

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Von Christian Silvester
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