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Traudel Riebel war Ingolstadts erste Faschingsprinzessin – und erinnert sich noch gerne an ihre Amtszeit

"Die Leute waren ganz ausgehungert"

Ingolstadt
erstellt am 10.01.2016 um 19:52 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:50 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (peh) „Der Fasching 1956 war auch recht kurz“, erinnert sich Traudel Riebel noch ganz genau. Sie muss es wissen, denn sie war damals Faschingsprinzessin – die erste überhaupt in Ingolstadt.
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Ingolstadt: "Die Leute waren ganz ausgehungert"
Bestens aufgelegt: Ingolstadts erste Faschingsprinzessin, Traudel Riebel (links), und Lore Langer, die 1965 die Regentschaft führte, am Krönungsball der Narrwalla. - Foto: Eberl
Ingolstadt

Sie und ihr Mann Hans waren Turniertänzer beim Blau-Gold-Kasino und deswegen geradezu prädestiniert, die Ingolstädter durch die tollen Tage zu führen. „Ich trug natürlich eine große Robe“, weiß Traudel Riebel noch ganz genau. Ingolstadts erstes Prinzenpaar: Das war damals, wenige Jahre nach Gründung der Bundesrepublik, fast eine Sensation. „Die Leute waren ja förmlich ausgehungert“, erzählt Traudel Riebel. Bis zu 1500 Menschen drängten sich im Schäffbräusaal, wo seinerzeit die großen Bälle gefeiert wurden. Praktisch jeden Tag hatte das Prinzenpaar an die drei, vier Auftritte zu absolvieren, darunter beispielsweise auch im früheren Zaunerhof in Manching oder im ehemaligen Gasthaus Uhlmann am Hauptbahnhof, das dann einem Wohn- und Geschäftshaus weichen musste.

Doch auch bei den Vereinsbällen trat Ingolstadts erstes Prinzenpaar auf. Die Riebels hatten ein bekanntes Sportgeschäft, und Hans Riebel war Mitglied in etlichen Vereinen. Wie auch heute noch, erhielt das Prinzenpaar vom OB den Schlüssel für die Stadt. Die Übergabe erfolgte im Historischen Sitzungssaal, dann zeigte man sich auf dem Balkon.

Doch bereits ein Jahr später entschloss sich die Narrwalla unter der Präsidentschaft des damaligen Direktors des Bürgerlichen Brauhauses Ingolstadt, Franz Jehle, auf ein Prinzenpaar zu verzichten. In den Annalen der Narrwalla ist 1957 keines verzeichnet. „Das ist ausgefallen wegen des Ungarn-Aufstands“, klärt Traudel Riebel auf. Ende 1956 hatten sich die Ungarn gegen die sowjetische Besatzung ihres Landes erhoben. Massendemonstrationen entwickelten sich zum Volksaufstand. Im Verlauf der blutigen Kämpfe fanden mehrere Tausend Menschen den Tod, über 200 000 Ungarn flüchteten in den Westen. Ein Prinzenpaar schien in dieser Situation nicht angebracht.

Ingolstadts erste Faschingsprinzessin ist noch überaus fit. Immer wieder wird sie auch von der Narrwalla als Ehrengast eingeladen. Ansonsten hat sie ausgerechnet im Fasching nur wenig Zeit: Traudel Riebel ist nach wie vor begeisterte Skifahrerin.

Von Bernhard Pehl
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