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Beim Audi.torium ging es am Dienstagabend um weibliche Bodyguards

Die Frau fürs Leben

Ingolstadt
erstellt am 25.10.2017 um 20:11 Uhr
aktualisiert am 29.10.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Weil Frauen wohl unauffälliger und feinfühliger sind, entscheiden sich reiche Geschäftsleute immer häufiger für sogenannte Ladyguards. Gracia-Patricia Walters ist eine von ihnen. Bei der Veranstaltung Audi.torium erzählte sie von ihren Einsätzen und warum Frauen gute Personenschützer sind.
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Ingolstadt: Die Frau fürs Leben
24-Stunden-Job: Gracia-Patricia Walters (links) demonstriert, wie sie einen Angriff abwehrt (oben). Im Gespräch erzählt sie mehr über die Vorteile weiblicher Bodyguards. - Fotos: Thomas Tacke
Ingolstadt

"Frauen haben einen entscheidenden Vorteil in diesem Beruf. Sie sind unscheinbarer", antwortete Gracia-Patricia Walters auf die Frage der Moderatorin Susanne Mellinghoff, warum Frauen in der Sicherheitsbranche so gefragt seien. Sie betonte, dass Frauen aber nicht die besseren Bodyguards seien, sondern einfach eine andere Rolle einnehmen könnten. Männer hätten eine eher abschreckende Wirkung.

Die 44-Jährige arbeitet seit zehn Jahren in der Branche und führt ihr eigenes Sicherheitsunternehmen, das auf Ladyguards spezialisiert ist. "Um in diesem Beruf arbeiten zu können, sind körperliche Fitness, eine hohe Sensibilität und ein Sinn für das Umfeld wichtige Voraussetzungen", sagte Walters. In einer einjährigen Ausbildung lernen angehende Personenschützerinnen, wie sie sich auf einen Einsatz vorbereiten müssen. Dazu gehört auch das Training von Fahrmanövern, Rechtskunde und Schießtraining.

Vor rund 380 Gästen berichtete die Hamburgerin im Audi-Forum auch von einem ihrer spannendsten Einsätze, bei dem sie einen Börsianer bei einem Transport von Diamanten beschützte. Als ein Lastwagen die Straße blockierte, befürchtete sie einen Überfall und verhalf dem Fahrzeug zur Flucht - zu Recht, wie sich im Nachhinein herausstellte. "Kein Einsatz ist Routine. Das liebe ich an meinem Beruf. Man hat immer dieses gewisse Kribbeln und ist hoch konzentriert", erzählte sie.

Wie ein Einsatz abläuft, das hängt stark von den Kunden ab. Ladyguards können eine Person oder eine Familie einen Tag oder mehrere Jahre schützen. Dafür müssen sie häufig in andere Rollen schlüpfen, um unauffällig im neuen Umfeld agieren zu können. "Ich war schon als Putzfrau, als Sicherheits-Nanny, als Sekretärin und auch schon mal als Golfspielerin getarnt", so Walters. Schauspielerisches Talent gehöre deshalb ebenfalls zu den Voraussetzungen, um den Beruf erfolgreich ausüben zu können.

In Fällen von besonders hoher Gefährdung muss eine Ladyguard auch eine Waffe tragen. Zum Einsatz kam diese bei Gracia-Patricia Walters bisher zum Glück noch nicht. Interessant war daran anschließend die Antwort auf die Frage, ob sie sich für ihre Kunden eine Kugel einfangen würde: "Das ist mein Job und ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden. Mir ist natürlich klar, dass jeder Einsatz der letzte sein könnte." Zwar sei der Beruf schon sehr nah am Klischee, das man aus dem Fernsehen kenne, allerdings gehe es nicht immer nur um den Schutz vor Angreifern, sondern auch darum, die zu beschützende Person vor eigenen Problemen, wie zum Beispiel Platzangst, zu schützen. Die Hauptaufgabe bestehe immer darin, dass der Kunde seinen Freiraum habe und sich wohlfühle.

Zum Schluss der Veranstaltung wurde deutlich: Familie und Freunde müssen für diesen Job viel Verständnis haben. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann ein Anruf kommen. "Sicherheit ist nicht planbar", sagte Walters. "Deshalb hat man eigentlich kein selbstbestimmtes Leben. Man muss den Beruf lieben und leben - und das tue ich."

Das Publikum interessierte sich sehr für den Alltag und die Erlebnisse der Ladyguard und fragte genauer nach. Vor allem die Frage, wie viel ein Tag Personenschutz bei ihr koste, wurde öfter gestellt. Dazu hielt sie sich allerdings bedeckt.

Von Anna Niemann
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