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Karl Bauer war in der Geschichte der Schanz zu Hause – Nun ist er mit 79 Jahren gestorben

Die Festung war sein Steckenpferd

Ingolstadt
erstellt am 19.12.2013 um 20:40 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:27 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (hl) Er war einer jener leisen Menschen, die kein großes Aufsehen um ihre Sache machen, und die dennoch gerade wegen ihrer bescheidenen Art in ihrem Umfeld besonders geschätzt werden: Karl Bauer hat bei vielen historisch interessierten Bürgern über Jahrzehnte wegen seiner profunden Kenntnisse über die Festung Ingolstadt – eben die Schanz – hohes Ansehen genossen. Am Mittwoch ist der frühere Audi-Manager nach längerer Krankheit, für manchen Wegbegleiter aber dennoch plötzlich und unerwartet, gestorben.
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Ingolstadt: Die Festung war sein Steckenpferd
Festungsexperte: Karl Bauer starb mit 79 Jahren - Foto: privat
Ingolstadt

Er wurde 79 Jahre alt.

Beruflich gehörte Karl Bauers Interesse der Technik – privat der Geschichte und insbesondere der lokalen Militärgeschichte. Der Förderverein Bayerische Landesfestung Ingolstadt und der Historische Verein verlieren mit ihm jeweils ein rühriges Mitglied, denn in beiden Gruppierungen hat der gebürtige Nördlinger, den es in der frühen Nachkriegszeit mit der Familie nach Kaufbeuren verschlagen hatte, bis zuletzt im Vorstand mitgewirkt und stets wertvolle Impulse gegeben.

Bauer hatte nach dem Abitur im Jahr 1953 – seinerzeit sicher ungewöhnlich – zunächst eine Handwerksausbildung absolviert: Erst mit dem Gesellenbrief als Betriebsschlosser in der Tasche kam er 1955 an die Technische Hochschule München (die heutige Technische Universität), wo er sein Studium 1960 als Diplomingenieur abschloss. Es folgten eine Anstellung bei der damaligen Auto Union in Ingolstadt und ein erstes Eintauchen in die militärische Vergangenheit der neuen Heimatstadt – ein Thema, das den jungen Automobilingenieur fortan nicht mehr loslassen sollte.

Nach einer weiteren Zeit an der TH München (1968 dann Promotion in den Ingenieurwissenschaften) kam Karl Bauer 1969 zurück ins Ingolstädter Automobilwerk und machte dort eine stattliche Karriere. Er durchlief mehrere leitende Positionen und war in der Audi AG zuletzt Chef der Karosserieentwicklung, bevor er 1992 in den Ruhestand trat. Fortan gehörte seine Aufmerksamkeit ganz der Familie (Ehefrau Ruth, drei Kinder und inzwischen fünf Enkelkinder) und seinen militärgeschichtlichen Forschungen.

Karl Bauer galt neben dem früheren Leiter des Bayerischen Armeemuseums, Ernst Aichner, als der Experte für die ehemalige Landesfestung Ingolstadt. Schon in seinen ersten Jahren an der Donau dokumentierte er (damals in der Stadt noch zahlreicher vorhandene) markante militärische Bauten in einer Fotosammlung. Später verfasste er zahlreiche Schriften zur Entwicklung der Befestigungswerke und zu einigen exponierten Anlagen, so zum Beispiel über das frühere Proviantamt und über die Forts Max Emanuel (im Areal der heutigen Audi-TE) und Prinz Karl (bei Katharinenberg, noch erhalten). Als Referent und Leiter festungsgeschichtlicher Führungen wird Karl Bauer einer breiteren Öffentlichkeit unvergessen bleiben. Die Trauerfeier für ihn findet am heutigen Freitag ab 14 Uhr auf dem Westfriedhof statt.

Von Bernd Heimerl
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