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Ein 46-Jähriger stirbt an Unterkühlung Er fürchtete eine Festnahme durch die Polizei

Die nächste Tragödie in der Donau

Ingolstadt
erstellt am 13.03.2017 um 21:41 Uhr
aktualisiert am 18.03.2017 um 03:34 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Es ist der nächste tragische Unfall innerhalb von zwei Tagen, bei dem die Donau im Mittelpunkt steht: Ein 46-jähriger Ingolstädter stirbt, nachdem er auf der Flucht vor der Polizei in die Donau gesprungen ist und nicht mehr rechtzeitig von den Rettungskräften geborgen werden kann.
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Es ist Montagvormittag kurz nach halb zehn, als Zivilpolizisten an der Schlosslände auf Höhe des Stadttheaters einen 46-jährigen Ingolstädter vorbeiradeln sehen. Sie stoppen, denn er kommt ihnen sehr bekannt vor. Offenbar handelt es sich um einen Mann, mit dem sie schon häufiger zu tun hatten. Fahren ohne Führerschein, Körperverletzung, Diebstahl, wegen dieser Vergehen war er schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Und erst vor wenigen Tagen war er nicht zur Hauptverhandlung am Amtsgericht erschienen - ohne Entschuldigung. Erneut ging es um Fahren ohne Fahrerlaubnis. Seitdem wurde er per Haftbefehl gesucht.

Das alles ging vermutlich auch dem Mann durch den Kopf, als er die Polizisten sah. Noch bevor sie ihn kontrollieren konnten, radelte er Richtung Eisenbahnbrücke davon - und die Beamten verfolgten ihn offenbar zu Fuß. An der Bahnbrücke angekommen, stellte der Mann sein Fahrrad ab, lief die Böschung hinunter und sprang in einer Art Kurzschlusshandlung in die Donau - eine verhängnisvolle Entscheidung: Sofort trieb der Mann Richtung Flussmitte ab, selbst nicht mehr in der Lage, die Richtung zu bestimmen. Die Beamten, die kurz darauf am Ufer ankamen, konnten nichts tun, außer Feuerwehr und Rettungsdienst zu verständigen - während der Mann in der wegen des Hochwassers schneller fließenden Donau immer weiter trieb. Hätten sie versucht, dem Mann hinterherzuschwimmen, wären wohl auch sie in Lebensgefahr geraten.

"Es ist tragisch", sagte Günther Beck, der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. "Das Hochwasser ist wirklich sehr, sehr gefährlich. Da können Sie nichts mehr machen."

Kurz nach der Alarmierung waren die Rettungskräfte - 15 Mitglieder der Berufsfeuer und der Feuerwehr Stadtmitte sowie die Wasserwacht-Schnelleinsatzgruppen aus Ingolstadt, Manching und Reichertshofen - da. Ein ebenfalls losgeschickter Rettungshubschrauber meldete ihnen die genaue Position des Mannes in der Donau. Schließlich zog ein Feuerwehrmann den 46-Jährigen in sein Rettungsboot und brachte ihn ans Ufer. "Er war völlig unterkühlt und hatte einen Kreislaufstillstand", sagte Alexander Wecker, der Einsatzleiter des Wasserrettungsdienstes.

Sofort versuchten die Rettungskräfte, den bewusstlosen Mann wiederzubeleben, was sie auch während der Fahrt ins Krankenhaus fortsetzten - doch vergeblich: Im Klinikum starb der 46-Jährige nach kurzer Zeit. Er war zu lange in der nur wenige Grad warmen Donau getrieben.

Was der Mann mit dem Sprung in den Fluss bezweckt hatte, lässt sich nicht mehr klären. Trotzdem hat die Kriminalpolizei in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Ingolstadt die Überprüfung des Vorfalls übernommen, wie die Polizei gestern bekannt gab.

Wenige Chancen auf eine positive Nachricht gibt es unterdessen auch beim zweiten Unglück in der Donau: Am Samstagabend war, wie berichtet, ein 29-jähriger Pfaffenhofener offenbar unter Alkoholeinfluss auf Höhe des Stadttheaters in die Donau gefallen und ebenfalls abgetrieben. Mit sieben Booten und einem Hubschrauber hatten Polizei und Rettungskräfte daraufhin bis kurz nach Mitternacht und am darauffolgenden Morgen vergeblich nach ihm gesucht. "Wir warten jetzt, bis das Hochwasser zurückgegangen ist", sagte Polizeisprecher Beck. Dann stoße man womöglich auf irgendeine Spur. Unwahrscheinlich ist allerdings, dass sich der Mann noch lebendig finden lässt.

 
Von Thorsten Stark
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