Montag, 18. Juni 2018
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Bürger beschweren sich über Ölgeruch Grund sind wohl Reinigungsarbeiten der TAL Aktion gestartet

Im Nordosten stinkt es zum Himmel

Ingolstadt
erstellt am 13.03.2018 um 20:19 Uhr
aktualisiert am 23.03.2018 um 17:34 Uhr | x gelesen
Ingolstadt/Etting (DK) Eigentlich, so darf angenommen werden, freut sich Ingolstadt nach einem langen Winter auf Frühlingsgerüche in der Luft. In Etting und Umgebung ist das anders. Dort wittern derzeit einige Leute alles andere als Wohlgerüche, wenn sie die Fenster öffnen. Schuld daran ist ein altbekanntes Problem.
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Unterhaunstadt und Autobahn
Penetranter Ölgeruch ist derzeit in einigen Ingolstädter Ortsteilen wahrnehmbar. Anwohner gehen davon aus, dass das Tanklager der Deutschen Transalpine Oelleitung (hinten, Bildmitte) nordöstlich von Unterhaunstadt die Ursache sind. Dort wird derzeit eine Revision der sieben Öltanks durchgeführt.
Schalles
Ingolstadt

Das zumindest sagt Joachim Siebler, Vorstandssprecher im Kreisverband Ingolstadt, Bündnis 90/Die Grünen. Siebler, der selbst in Etting wohnt, hat im Verursacher des penetranten Ölgeruchs, der laut seiner Aussage zuletzt am Dienstag und Samstag vergangener Woche massiv in dem Ingolstädter Ortsteil wahrnehmbar gewesen sei, das Tanklager der Deutschen Transalpine Oelleitung (TAL) in Lenting ausgemacht. Dort stehen sieben Rohöltanks, die sich Luftlinie fünf Kilometer von Etting entfernt befinden. Derzeit seien die Gerüche besonders extrem, was mutmaßlich mit der derzeit durchgeführten Revision bei der TAL zu tun habe sowie mit dem andauernden Ostwind, so der Techniklehrer und Umweltpolitiker. "Auf der Terrasse roch es wie neben einer Ölquelle", empört er sich. Der Ölgeruch sei aber auch schon vor der Revision immer wieder wahrnehmbar gewesen.

Siebler ist offensichtlich nicht der Einzige, dem das aufgefallen ist, wie er aus seinem Umfeld weiß und es aus den Reaktionen auf die Nachricht in einem sozialen Netzwerk hervorgeht. "Letzte Woche war es in Kösching sehr, sehr schlimm. Über Tage hinweg. Hatte abends im Kinderzimmer gelüftet und es roch, als würden die Kinder an der Tankstelle schlafen. Das kann doch nicht so weiter gehen", schreibt eine Nutzerin. Und ein Mann meint: "Die letzten Tage war es in Oberhaunstadt echt krass. Handtuch zum Trocknen raushängen? Fehlanzeige. Die Frage wäre ja, ob es nur stinkt oder auch giftig ist" Verständnis äußert hingegen ein anderer Nutzer: "Tja, so ist das eben in einer Industriestadt. Wer erwartet, dass es nach Lavendel duftet, der ist weit von der Realität entfernt", schreibt er.

Das "anrüchige" Thema wurde auch beim jüngsten Treffen der Mitglieder der Bezirksausschüsse der Grünen behandelt. Die Umweltpartei startet deshalb jetzt die Aktion "Uns stinkt's", die sie am heutigen Mittwoch im Rahmen des Stammtischs ab 19 Uhr in der Flyts Bar, Griesmühlstraße 2, der Öffentlichkeit vorstellt. Ziel sei es, eine Sammlung von Kalendereinträgen zu erstellen, in denen erfasst wird, wann und wo es im Stadtgebiet und darüber hinaus - insbesondere im Nordosten - besonders stinkt. Um eine möglichst umfassende und repräsentative Sammlung zu erhalten, appellieren die Grünen an die betroffene Bevölkerung, extreme Geruchsbelästigung mit Datum und Ort zu erfassen und an das Büro der Grünen zu melden. Als Hilfsmittel stellt die Partei einen Jahreskalender bereit. Mit den gesammelten Ergebnissen solle eine "gewisse Regelmäßigkeit" der Vorfälle dokumentiert und der Betreiber damit konfrontiert werden. Davon erhoffe man sich mehr Gewicht, heißt es seitens der Grünen. Gleichzeitig wolle man mit der TAL in einen Dialog treten.

Der Fall war dies schon einmal vor etwas mehr als fünf Jahren. Damals war es Ende September 2012 zu einer massiven Geruchsbelästigung im Rahmen der Revision bei TAL gekommen. Die stinkende Wolke hüllte für einen Tag große Teile Ingolstadts sowie die Stadtmitte in beißenden Ölgeruch (DK berichtete). Das Unternehmen berichtete damals auf schriftliche Anfrage von Siebler, dass es an dem fraglichen Tag zu einer Panne bei einem Rohrtausch mit ausgetretenem Stickstoff gekommen sei. Die aufgrund der Qualität des Rohöls mit geringen Mengen an stark riechenden Kohlenwasserstoffen und Schwefelwasserstoff versehene Luft sei aufgrund der Windverhältnisse in Richtung Ingolstadt gezogen. Durch den Vorfall sei jedoch keine Gesundheitsgefahr entstanden. Das hätten Messungen der Feuerwehr und der TAL ergeben. Die Belastung sei "weit unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte" geblieben. Es wurde vereinbart, dass die TAL die Öffentlichkeit zukünftig besser informieren wolle. Bei den Grünen zeigte man sich damit zufrieden.

"Die Kernfrage, die am Ende beantwortet werden muss, lautet: Wird alles technisch Mögliche unternommen, um eine Kontamination der Umwelt mit dem Ölgestank zu unterbinden", sagt Siebler heute. Dabei sei auch zu begründen, welche technischen Verfahren zur Verfügung stehen. "Es steht zu befürchten, dass möglicherweise aus Zeit- und Kostengründen auf Maßnahmen zur Eindämmung von Ausdünstungen oder Gasaustritt verzichtet wurde. Träfe dies zu, dann hätte die TAL erhebliches Vertrauen verspielt. Konsequenzen vonseiten der Politik müssten folgen", so der Umweltexperte, der nun auf eine rege Beteiligung der Öffentlichkeit beim heutigen Stammtisch hofft: "Vielleicht kommen auch Leute, die ihrem Ärger Luft machen, denn der aktuelle Fall bedarf dringend einer Aufklärung", sagt er. Bislang keine Beschwerden wegen Geruchsbelästigungen seien beim Landratsamt Eichstätt eingegangen. Das sagte Sprecher Manfred Schmidmeier auf Anfrage in einer kurzen Stellungnahme. Er verwies darauf, dass eine mögliche Geruchswahrnehmung je nach Wetterlage unterschiedlich sei und daher nicht alle umliegenden Gemeinden gleichermaßen betreffe.

Das sagt die TAL

Auf seiner Internetseite weist das Unternehmen zwar auf die anlaufenden Reinigungsarbeiten hin und versichert, dass dabei keine Gefährdung für die Umwelt bestehe. Ein Hinweis auf eine eventuell damit verbundene Geruchsbelästigung ist aber nicht zu finden. Die gesamte Revision soll bis Ende Juni dieses Jahres abgeschlossen sein. Gestern erreichte unsere Zeitung auf Anfrage in Innsbruck dazu eine schriftliche Stellungnahme vom General Manager der TAL, Alessio Lilli, in der er sich wie folgt äußert: „Uns ist die Geruchsthematik im Raum Lenting bekannt. Die wahrgenommenen Gerüche sind eine Folge von sogenannten Mercaptanen, die Teil des Rohöls sind. Diese Stoffe sind völlig unbedenklich für Gesundheit und Umwelt, entwickeln aber unangenehme Gerüche. Schon eine sehr geringe Konzentration im Millionstelbereich kann vom menschlichen Geruchsinn wahrgenommen werden. Die Tankfarm der TAL befindet sich in einem Industriegebiet. Es ist daher schwierig, einen konkreten Auslöser für die wahrgenommenen Gerüche zu identifizieren. Wir können aber nicht ausschließen, dass die Gerüche der vergangenen Tage auch durch die notwendige Revision eines Tanks in unserem Tanklager kommen.“ Bereits im Vorfeld seien die umliegenden Stadt- und Gemeindeverwaltungen sowie die Einsatzkräfte über die Arbeiten informiert worden. „Wir arbeiten derzeit intensiv daran, herauszufinden, ob die Gerüche von der TAL-Infrastruktur kommen. Sollten wir fündig werden, werden wir unser langjähriges Know-how und unsere Erfahrung nutzen, um das Auftreten der Gerüche abzuschwächen“, so Lilli.

Von Michael Brandl
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