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Die Zahl der Geburten in Ingolstadt steigt von Jahr zu Jahr rasanter

Babyboomtown

Ingolstadt
erstellt am 13.03.2018 um 20:56 Uhr
aktualisiert am 17.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Seit den 1960er-Jahren lag die Zahl der neugeborenen Ingolstädter bei rund 1200 im Jahr. Das erleichterte die Kindergarten- und Schulbauplanung. Doch seit 2013 geht es steil nach oben: 2015 gab es 1444 Geburten, 2017 waren es 1507. Die Prognose für 2018 tendiert Richtung 1600 Kinder.
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Ingolstadt: Babyboomtown
Liebe Kinder, willkommen in Ingolstadt! Emma (ganz oben, danach im Uhrzeigersinn), Sebastian, Anton, Eyüp und Philipp schliefen gestern friedlich im Mutter-Kind-Zentrum des Klinikums. In diesem Jahr könnte die Zahl der Geburten die 1600-Baby-Marke erreichen. - Foto: Hammer
Ingolstadt

Er kam gerade vom ersten Spatenstich für das Kongresshotel. Eigentlich hätte Christian Lösel am Montag in ungetrübter Hochstimmung sein müssen. Doch bei aller Freude über den zu erwartenden Fortschritt eines seiner Lieblingsprojekte trieb den Oberbürgermeister eine Hochrechnung der besonderen Art um: die Prognose des Kulturreferats für die Zahl der Geburten in diesem Jahr. "Wir nähern uns deutlich der 1600!", berichtete Lösel am Rande der Zeremonie. Es war nicht zu übersehen: Die Entwicklung erfüllt ihn mit Unbehagen. Einerseits belegt diese Zahl die Kinderfreundlichkeit Ingolstadts und die wirtschaftliche Blüte der Region, denn es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Babyboom und der Hochkonjunktur (obgleich Prosperität nicht die einzige Ursache für die expandierende Familienplanung ist). Aber zugleich konfrontiert die rasant wachsende Kinderschar die Stadt mit gewaltigen Aufgaben: Sie braucht immer noch mehr Krippen und Kindergärten, größere Grundschulen, neue Mittelschulen. Nicht zu vergessen den höheren Raumbedarf an den weiterführenden Schulen, in den Horten und bei der Nachmittagsbetreuung. Wo sollen diese Kinder bloß alle mal sitzen? "Wir müssen bei neuen Schulen in die Höhe gehen!", sagt Lösel. "Es hilft nichts. Wir brauchen den Platz!" Denn die Lage ist - bei aller Freude über den Kindersegen - angespannt.

Seit den 1960er-Jahren bewegte sich die Zahl der Geburten in Ingolstadt konstant um die 1200. Es gehen nur Kinder in diese Statistik ein, die in Ingolstadt aufwachsen, also zum Beispiel auch in Kösching geborene spätere Ettinger, jedoch keine im Klinikum geborenen Lentinger. Diese Konstanz in der Statistik erleichterte die Bedarfsplanung für Schulen und Kitas. Doch seit 2013 zeigt die Kurve nach oben - immer steiler: Damals zählte man 1325 Geburten. 2014 waren es 1431 Geburten. 2015 dann 1444 Geburten. 2017 durchbrachen die Ingolstädter Mütter und Väter die 1500-Baby-Marke. Seit dem Beginn des Booms rechnet das Kulturreferat die Zahl der Geburten im Januar und Februar auf das ganze Jahr hoch. Heuer ergibt das einen Wert, der - bei allen Unsicherheiten - deutlich auf die 1600 deutet. "Bisher lagen wir mit unseren Prognosen ziemlich richtig. Nur 2017 haben wir uns verhauen", erzählt Kulturreferent Gabriel Engert.

Um einen Eindruck von dieser Kinderschar zu vermitteln: Addiert man nur die Zahlen der Ingolstädter, die zwischen 2015 und 2017 über den "Basiswert von 1200" (Engert) hinaus geboren wurden, ergibt das rund 750. Das ist dreimal die komplette Grundschule Ringsee. In die größte Grundschule Ingolstadts - Christoph Kolumbus im Piusviertel - gehen derzeit 480 Kinder. Das Gnadenthal-Gymnasium hat gut 700 Schüler. Nun kommen also allein aus den drei Geburtsjahrgängen 2015 bis 2017 insgesamt 750 Kinder oben auf die früher üblichen 1200 Geburten pro Jahr drauf. Und jetzt diese Prognose: 1600.

Bei diesen Zahlen müssen die Planer im Schulreferat und in der Bauverwaltung wirklich gelassen bleiben. Ebenso im Amt für Kinderbetreuung. Denn es steigt nicht nur die Zahl der Geburten, sondern auch die Zahl der Eltern, die ihre Kleinen in eine Krippe geben wollen; eine markante soziale Entwicklung. Zur Veranschaulichung der Dimension erneut die Beispielzahl 750: Das entspricht 30 Kindergartengruppen. Oder fast 65 Krippengruppen. Die Konsequenz: bauen, bauen, bauen.

Engert kann den aktuellen Stand herunterrattern: Noch in diesem Jahr öffnen an der Gerhart-Hauptmann-Straße eine Krippen- und zwei Kindergartengruppen, im Atlantik-Kindergarten drei Kindergartengruppen, an der Wilhelm-Ernst-Grundschule zwei Kindergartengruppen und in der neuen Einrichtung an der Krumenauerstraße drei Krippen- und drei Kindergartengruppen. An der Odilostraße entsteht derzeit ein "Musterkindergarten". Dessen Raumkonzept soll das Vorbild für weitere Neubauten sein. Da kommen gewiss noch einige.

Von Christian Silvester
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