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Nach Aus für Schlosserei Uhlmann: Angst vor den Risiken einer Audi-Monokultur

erstellt am 14.02.2016 um 13:17 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:51 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (dk) Audi ist für Ingolstadt ein Segen: Nahezu Vollbeschäftigung und hoher Wohlstand prägen den Großraum. Doch es gibt auch Schattenseiten. Zum Beispiel haben normale Handwerksbetriebe kaum eine Chance, sich im Kampf um qualifizierte Mitarbeiter gegen den Autobauer durchzusetzen. Dass die Schlosserei Uhlmann in Ingolstadt nun schließt, nachdem sechs Angestellte zu Audi wechseln, hat die Debatte neu befeuert.
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Schweißer
Ein Schweißer in der Schlosserei Uhlmann.
Sawatzki (Archiv)
Zwei Mitarbeiter hatte der Traditionsbetrieb über viele Jahre hinweg als Nachfolger für die Betriebsleitung aufgebaut. Doch beide wechselten nun zu Audi. Vier weitere Mitarbeiter gingen mit. Die Schlosserei wird daher schließen.

"Ich finde gut, dass ein Betrieb, der wegen fehlender und gut qualifizierter Mitarbeiter schließen muss, endlich mal die Wahrheit ausspricht und sehr vielen anderen mittelständischen Betrieben aus der Seele spricht", kommentiert donaukurier.de-Leser "boernie128" . Leser "FrankC" haut in die gleiche Kerbe: "Allein das mit Steuern von allen Ingolstädtern gesponserte GVZ (Güterverkehrszentrum) ist meines Erachtens eine Frechheit, da Audi dieses leicht selber gebaut hätte und mit eigenen teuren Mitarbeitern besetzen hätte können." Doch nun seien dort auch noch "Billigarbeiter" beschäftigt.

Mehrere Leser heben auch auf das Risiko einer wirtschaftlichen Monokultur für die Stadt ab. "Wie sicher der Arbeitsplatz ist, kann man in Detroit - oder wem das zu weit ist, in Bochum - erfragen", schreibt Peter Götz aus Pfaffenhofen. "Die Älteren können sich vielleicht auch noch an ähnliche Situationen in Ingolstadt erinnern." Man bete den einen Gott an und übersehe das Risiko. "Eine Weltfirma produziert dort wo es für sie am günstigsten ist. Ein Mittelständler kann das nicht, außerdem sieht er seine persönliche Verantwortung für die Mitarbeiter."

"Vielleicht wachen jetzt ja mal unsere Schönwetter-Lokalpolitiker auf und denken mal an die Zukunft der Stadt", schreibt "ulrichgr". Ein Husten bei Audi bedeute für Stadt und Umland eine Lungenentzündung. "Das ist aber nichts Neues und die Politik hat darauf bis heute nicht ausreichend reagiert." Stattdessen werde alles dafür getan das es Audi schön bequem habe. "Audi mag noch oft beteuern, dass es auf den Standort Ingolstadt setzt." In schlechten Zeiten werde den Topmanagern aber ihr Geschwätz von gestern ziemlich egal sein. "Was dann? Das GVZ in ein Museum für verkorkste Stadtentwicklung umwandeln?"

"ulrichgr" fordert: "Macht Euch da mal Gedanken im Rathaus. Es gibt da sicher keine einfachen Lösungen aber ein Rettungsschirm für die Stadt muß trotzdem her. Da muss sich die Stadt breiter aufstellen und dafür sorgen das es auch allen anderen Unternehmen in Ingolstadt gut geht. Selbst wenn Audi mal mault."
 
 


Auch auf Facebook wurde und wir das Thema ausführlich diskutiert. Vereinzelt gab es hier auch andere Meinungen: "Das ist Wettbewerb! Wenn ein Geschäftsmodell weniger abwirft als die Konkurrenz wird es verdrängt!" und "Sehr schade, aber wie lange wollt ihr die Firma Audi noch für alles verantwortlich machen was in Ingolstadt passiert? Wenn es Audi in Ingolstadt nicht mehr gibt, gibt's auch Ingolstadt nicht mehr." Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: "Ingolstadt gabs vorher und nachher!"
 
Auch Audi-Mitarbeiter sprachen das Problem an: "Ich habe in den letzten Monaten sehr viele neue Kollegen aus mittelständischen Betrieben kennen lernen dürfen." Doch man dürfe auch nicht vergessen, dass die Mitarbeiter in der Produktion bei Audi einen teilweise ziemlich aufreibenden und einseitigen Arbeitstag hätten. "Geschenkt wird uns in dieser Firma sicherlich nichts. Dennoch werden wir fair bezahlt. Diese Bezahlung haben wir aber nicht dem Wohlwollend Mutter Audi zu verdanken, neun sondern dem unermüdlichen Engagement der IG Metall. Das hat uns schon einige harte Arbeitskämpfe gebracht." Das viele Leute zu Audi abwandern, sei jedoch sehr kritisch für die Region. "Infrastruktur und Soziales nur nach den vier Ringen zu richten wird auf Dauer Probleme geben."
tow
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