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Sozialausschuss bittet um weitere Aufmerksamkeit / Zahl der Asylbewerber in Ingolstadt und Manching sinkt

Das Thema Flüchtlinge ist noch nicht abgehakt

Ingolstadt
erstellt am 14.03.2018 um 20:56 Uhr
aktualisiert am 18.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (sic) Die größte Dramatik ist überwunden, die Zahl der Asylbewerber in Ingolstadt sinkt leicht, doch stetig. Der Sozialausschuss, der am Dienstag die neuen Zahlen hörte, warnt aber davor zu glauben, "das Thema Flüchtlinge wäre erledigt". Es gebe noch sehr viel zu tun.
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Ingolstadt: Das Thema Flüchtlinge ist noch nicht abgehakt
Blick ins Spielzimmer des "Transitzentrums Manching / Ingolstadt" (hier Mitte Februar). In dieser Unterkunft wohnen derzeit rund 1030 Asylbewerber, etwa 43 Prozent kommen aus Nigeria. - Foto: Hammer
Ingolstadt

Menschen sind keine Naturkatastrophen, deshalb verbietet sich die Bezeichnung "Flüchtlingsflut". Stadträtin Dorothea Deneke-Stoll (CSU) wählte im Sozialausschuss metaphorisch korrekt den Begriff "Flüchtlingsstrom", denn ein Strom ist keine Katastrophe, sondern ein langer, breiter Fluss. Dieses Bild beschreibt die dramatische Situation im Herbst 2015, als Hunderttausende Flüchtlinge in der Bundesrepublik ankamen, recht gut; für viele Deutsche war es eine verstörende Erfahrung, die bis heute nachwirkt.

Von Dramatik kann mit Blick auf die neusten Asylbewerberzahlen inzwischen keine Rede mehr sein. Der Begriff trifft allerdings nach wie vor auf die Situation in manchen Massenunterkünften zu, wo frustrierte Bewohner immer wieder aufeinander losgehen. Isfried Fischer, der Leiter des Ingolstädter Jobcenters, referierte und erläuterte die aktuelle Statistik. Der Trend: Die Zahl der in Ingolstadt zentral wie dezentral untergebrachten Asylbewerber sinkt. Langsam, aber stetig.

Von Januar bis Februar ging die Zahl der Bewohner des sogenannten Bayerischen Transitzentrums Manching / Ingolstadt um 5 Prozent auf 1027 zurück, von ihnen wohnen 790 auf dem Ingolstädter Teil der ehemaligen Immelmann-Kaserne und 237 auf Manchinger Flur. Ungefähr 43 Prozent kommen aus Nigeria, 27 Prozent aus der Ukraine, 17 Prozent aus Staaten des Westbalkans (Albanien, Kosovo, Serbien, Mazedonien, Bosnien) und elf Prozent aus Afghanistan. All diese Asylbewerber haben nur sehr geringe Chancen auf Anerkennung.

Laut Fischer wohnen in Ingolstädter Massenunterkünften derzeit 338 "Fehlbeleger". So nennt man Flüchtlinge mit positiv abgeschlossenen Asylverfahren, die noch keine eigene Wohnung gefunden haben. Die schon seit vielen Jahren bestehende Asylbewerberunterkunft an der Haenlinstraße wurde im Februar nach einem Versagen der Heizung vorzeitig geschlossen. Eine Instandsetzung lohnt Fischer zufolge nicht mehr.

Im Lager an der Marie-Curie-Straße musste ein Trakt nach einem Wasserschaden geräumt werden; die Reparaturarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. In den dezentralen Unterkünften sinken die Zahlen leicht. Ende Februar 2018 waren es 256 Asylbewerber und 54 unbegleitete Minderjährige. Deren Zahl geht stärker zurück, da sie nach und nach volljährig werden.

"Der größte Druck ist vom Kessel", resümierte Jürgen Siebicke (BGI) in interessanter Bildlichkeit. "Aber jetzt geht es darum, das Leben dieser Menschen zu gestalten und nicht nur zu verwalten. Gerade beim Zugang der Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt ist noch viel Luft nach oben! Und nach unten." Jörg Schlagbauer (SPD) hält es "für einen Fehler zu glauben, das Thema Flüchtlinge wäre erledigt". Es gelte, "auch Positives in den Vordergrund zu stellen". Beispiel: "Wenn man sich mit Arbeitgebern unterhält, hört man, wie froh viele über die Integration von Flüchtlingen sind, denn sie brauchen diese Kräfte!" Fischer hatte dazu positive Fallzahlen aus dem Jobcenter.

Für Dorothea Deneke-Stoll ist es sehr wichtig, dass über alle Flüchtlingsthemen regelmäßig berichtet wird. "Wir wollen auch wissen: Welche Auswirkungen haben die Asylbewerber auf den Wohnungsmarkt" Die Verwaltung wird dranbleiben.

Von Christian Silvester
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