Montag, 19. November 2018
Lade Login-Box.

Afghanistan, Haflinger und Haubitze

Ingolstadt
erstellt am 18.01.2010 um 20:06 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:47 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Im Reduit Tilly ist gestern eine kleine Schau über deutsche Gebirgstruppen eröffnet worden. Gezeigt werden Waffen, Ausrüstungsgegenstände und historische sowie aktuelle Fotos, aber auch ein ausgestopfter Haflinger und ein Muli. Das Armeemuseum strebt eine umfassende Dokumentation an.
Textgröße
Drucken
Vom Seil bis zum Steigeisen: Auch alte Ausrüstungsgegenstände zeigt die Ausstellung.
Ingolstadt
Die Geschichte der deutschen Gebirgstruppen als eigenes Zweigmuseum des Bayerischen Armeemuseums? Selbst als Frage, formuliert von Ernst Aichner, ließ dieser Vorschlag Manfred Schumann sofort aufhorchen. "Doch nicht noch ein Museum", meinte der langjährige SPD-Stadtrat nach der Eröffnung der Studiensammlung zu den Gebirgstruppen im Reduit Tilly. Manfred Dumann, Vorsitzender des Freundeskreises des Bayerischen Armeemuseums, beruhigte seinen früheren Landtagskollegen: "Das wird eine eigene Abteilung im Reduit Tilly."

Zunächst sind es aber nur drei Räume, in denen die Gebirgstruppen gezeigt werden – aber immerhin. "Was lange währt, wird endlich gut", sagte Museumsdirektor Aichner bei seiner Begrüßung im Fahnensaal im Neuen Schloss. Ein erster Schritt war nach seinen Worten 2009 die Gründung der Stiftung "Deutsche Gebirgstruppen", die im Neuen Schloss angesiedelt ist: Das Armeemuseum ist Treuhänderin der Stiftung.

Jetzt wird im Reduit Tilly ein kleiner Teil der Studiensammlung erstmals öffentlich gezeigt. "Da sind Dinge zu sehen, die es sonst im Armeemuseum nicht gibt", sagte Aichner vor den ungewöhnlich vielen Gästen, darunter zahlreiche Militärs, Vertreter von Stiftung und Freundeskreis, von Reservisten-, Traditions- und Geschichtsvereinen sowie Alt-OB Peter Schnell, Wolfgang Prinz von Bayern und anderen. Ein Schwerpunkt ist den Anfängen gewidmet. Das 1915 aufgestellte Deutsche Alpenkorps umfasste auch Einheiten aus Preußen oder Württemberg. Zweiter Schwerpunkt ist laut Aichner die Gebirgstruppe der Bundeswehr, die ab Mitte 1956 wieder aufgestellt wurde. Zu sehen sind neben Fotos eine Kletterausrüstung, eine Gebirgshaubitze, ein ausgestopfter Haflinger und ein präpariertes Muli, die ihr Leben lang in der 1. Gebirgsdivision "gedient" haben, sowie ein kleiner Unimog ("Bergziege") und Waffen. Hochaktuell sind die Fotos von den Einsätzen der Gebirgstruppen in Afghanistan.

Wie Aichner betonte, sei langfristig der Aufbau einer umfassenden Dokumentation der Gebirgstruppen vorgesehen. "Noch sind die Lücken aber unübersehbar, insbesondere, was den Zweiten Weltkrieg betrifft", erklärte er. Aichner und die Gebirgsstiftung hoffen auch auf Schenkungen aus der Bevölkerung.

Für Ernst Aichner bedeutete diese Ausstellungseröffnung die letzte in seiner jahrzehntelangen Amtszeit als Museumsdirektor. Er nutzte die Gelegenheit, sich bei seiner Frau Ilse zu bedanken. "Das war der letzte Obazde, den sie für eine Ausstellungseröffnung gemacht hat", sagte er.

Nach einem Grußwort von OB Alfred Lehmann, der an die Gebirgspioniere in Ingolstadt erinnerte, sprach Wilfried Dunkel, Präsident der Stiftung Deutsche Gebirgstruppen. Er erinnerte an die besonderen Fähigkeiten, die diese Truppe benötige, und an deren Einsätze in Somalia, im Balkan und in Afghanistan. Der Kameradenkreis der Gebirgstruppe mit seinen 4000 Mitgliedern habe seine sämtlichen Exponate und alle Unterlagen in die Stiftung mit eingebracht.

Von Bernhard Pehl
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!