Sonntag, 16. Dezember 2018
Lade Login-Box.

Grünen-Abgeordneter Hofreiter: Nicht ausschließlich auf Auto setzen

Verkehrsverbund unumgänglich

Gaimersheim
erstellt am 27.03.2013 um 20:29 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:19 Uhr | x gelesen
Gaimersheim (DK) Das Ziel: eine hohe Mobilität bei gleichzeitig niedriger Verkehrsleistung. Das Mittel dazu, gerade in einer boomenden Region wie Ingolstadt: ein „vernünftiger“ öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Das hält zumindest Toni Hofreiter, seit 2005 Bundestagsabgeordneter der Grünen und dabei Vorsitzender im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, für ebenso erstrebenswert wie unumgänglich.
Textgröße
Drucken
Bei einer Diskussionsveranstaltung des Kreisverbands Eichstätt von Bündnis 90/Die Grünen am Dienstagabend in Gaimersheim bezeichnete Hofreiter einen Verkehrsverbund als Grundvoraussetzung für einen guten ÖPNV. Weil fast alle Regionen in Deutschland bereits einen Verbund hätten und Ingolstadt „eine der letzten Regionen ohne Verbund“ sei, nannte er die Situation hier „ganz, ganz schwierig“.

Auch eine Autobauerstadt könne nicht ausschließlich auf das Auto setzen, so der Politiker. Autos seien zwar etwa am Land oder für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sehr praktisch, für Städte aber schlicht zu groß. „Die klassische europäische Stadt hat diesen Platz nicht“, sagte Hofreiter, deshalb entstünden dort „ganz trivial“ Staus.

Verschlimmert würde die Situation noch, wenn man anstatt auf eine „Stadt der kurzen Wege“ auf Versorgungszentren auf der „ehemals grünen Wiese“ setze. Das erhöhe die Verkehrsleistung deutlich. Denn während man vorher vielleicht einige hundert Meter ging, um eine Semmel zu kaufen, fahre man jetzt schnell mal hin und zurück jeweils zehn Kilometer dafür.

Auch Hofreiter betonte: „Eine Boomregion braucht neue Straßen.“ Er fügte aber an, „auch einen Verbund und einen Schienenpersonennahverkehr“. Bei der Bahn wäre beispielsweise ein attraktiver Haltepunkt im Audi-Werk nötig, für den Verbund gelte es, drei Prinzipien zu beachten. Erstens dürfe ein Bus „nicht irgendwann“ fahren, sondern es sei ein guter Takt nötig. Falls dies nicht möglich sei, müssten Anrufsammeltaxis oder Bür-gerbusse eingesetzt werden. Zweitens sei eine gute – also möglichst direkte – Linienführung wichtig. Man dürfe nicht versuchen, mit einer Linie alles abzudecken. Und schließlich seien Knotenpunkte „mit vernünftigen Umsteigezeiten“ zu weiteren Verkehrsmitteln unumgänglich.

Doch auch wenn diese Voraussetzungen erfüllt seien, dürfe es keine zu hohen Erwartungen geben, schränkte Hofreiter ein: „Man braucht viel Geduld.“ Denn die Bürger veränderten ihr Mobilitätsverhalten nur sehr langsam.

Doch auch wenn die Region noch über keinen Verbund verfüge, kam Hofreiter schließlich zu dem Fazit: „Mit einigen klugen Entscheidungen muss der Boom in der Region nicht nachlassen.“ Allerdings müssten schleunigst integrierte Konzepte her, die das Beste aus allen Verkehrsmitteln herausholen. Und: „Der politische Wille dafür muss da sein – nicht nur bei den Grünen.“

Dies fanden in der Diskussion auch einige der Anwesenden, die monierten, dass die Politiker das Problem nicht kennen würden, „weil sie eh nur mit dem Auto kutschiert werden“. Zusätzlich kam unter anderem der Vorschlag, Busse auch im Tangentialverkehr an Ingolstadt und Audi vorbei zwischen verschiedenen Gemeinden verkehren zu lassen.

Von Norbert Schmidl
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!