Donnerstag, 17. Januar 2019
Lade Login-Box.

In der früheren Oberstimmer Kaserne lagert die Stadt Ingolstadt zentral alles für den Katastrophenschutz

Für den Fall, der hoffentlich nie eintritt

Ingolstadt
erstellt am 10.01.2019 um 20:01 Uhr
aktualisiert am 14.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Während im Alpenraum wegen der Folgen des Dauerschneefalls teils der Katastrophenfall ausgerufen wurde, herrscht hier an der Donau kaum mehr als ein normaler Winter. Das könnte sich aber ganz schnell ändern, wenn die weiße Last in einigen Tagen oder Wochen geschmolzen als Hochwasser bei uns ankommt. Auf diese und andere Fälle - die hoffentlich nie eintreten- hat sich die Stadt mit einem Katastrophenschutzlager vorbereitet. Ein Besuch.
Textgröße
Drucken
500 Isomatten, 1000 Feldbetten und 10000 Decken sind nur einige der Dinge, die in der früheren Bundeswehr-Fahrzeughalle eingelagert sind.
500 Isomatten, 1000 Feldbetten und 10000 Decken sind nur einige der Dinge, die in der früheren Bundeswehr-Fahrzeughalle eingelagert sind.
Hammer
Ingolstadt
Wenn hier von zentral die Rede ist, dann ist damit nicht die Örtlichkeit gemeint. Denn die große Halle in der alten Max-Immelmann-Kaserne ist an der südlichen Stadtgrenze natürlich alles andere als am Mittelpunkt Ingolstadts. Doch das ist auch schon das einzige, was das städtische Amt für Brand- und Katastrophenschutz an der Anlage stören könnte. Insgesamt sind es "absolut hervorragende Liegenschaften", sagt Amtsleiter Josef Huber, der Chef der Berufsfeuerwehr. In den ehemaligen Fahrzeughallen des Bundes können die Katastrophenschützer endlich all ihr Material zentral unterbringen. "Das war bisher über das ganze Stadtgebiet verteilt. Wir mussten uns die Teile immer zusammensuchen", sagt Huber. Und das unter nicht ganz einfachen Bedingungen. "Es war durchaus schwer, die Genehmigungen für die Standorte zu erhalten." Zum Beispiel wenn neben Notstromaggregaten der dringend benötigte Kraftstoff gleich mit vor Ort war. In der Praxis verkomplizierte die Vielzahl an Standorten den Einsatz natürlich auch. "Das war teils ein wahnsinniger Aufwand, einen Gabelstapler zu organisieren", erinnert sich Bernhard Jenisch von der Berufsfeuerwehr an die Momente, in denen es natürlich besonders pressierte.
 
Hammer
Ingolstadt



Nun steht also als Zentrallager die Kaserne für das gesamte Material zur Verfügung, das laut den Evakuierungsrichtlinien des Freistaates von der Stadt jederzeit vorzuhalten ist. "Für Ingolstadt ist das entsprechend für 1500 Personen", sagt Bernhard Jenisch, der an der Aufrüstung federführend beteiligt war. Wo früher die schweren Bundeswehr-Lastwagen mit ihren Patriot-Luftabwehrraketen abgestellt waren, reihen sich jetzt wasserdichte Plastiktransportkisten und zudem Pappkartons, soweit das Auge reicht. 1000 Feldbetten, 500 Isomatten und 10000 Decken aus Mikrofaser sind darin so verpackt, dass sie unbeschränkt haltbar sind. "Die Isomatten werden irgendwann wegen der chemischen Zusammensetzung kaputt. Die müssen wir irgendwann tauschen", sagt Feuerwehrmann Jenisch. Der Rest hält ewig. Wie die 40000 Gesichtsmasken, die in einem Pandemiefall (Ausbreitung einer Seuche) für städtische Mitarbeiter vorgesehen sind. "Damit die dann möglichst lange dienstfähig sind und der Verwaltungsapparat aufrecht erhalten werden kann", erklärt der Brandoberrat Huber.
Kisten aus Plastik und Pappkartons, soweit das Auge reicht. Im Lager werden auch 500 bereits gefüllte Sandsäcke aufbewahrt, wie Berufsfeuerwehrchef Josef Huber (r.) und der Rechtsreferent Dirk Müller sahen.
Kisten aus Plastik und Pappkartons, soweit das Auge reicht. Im Lager werden auch 500 bereits gefüllte Sandsäcke aufbewahrt, wie Berufsfeuerwehrchef Josef Huber (r.) und der Rechtsreferent Dirk Müller sahen.
Hammer
Ingolstadt



In einem Eck der Halle lagern mehr als 100000 leere Sandsäcke für den Kampf gegen Hochwasser. 500 sind immer schon gefüllt und auf sogenannte Big Packs aufgeteilt, also große Kunststofftragesäcke, die mit Kränen auf den Lkw gehievt oder vielleicht sogar direkt an einen Helikopter angebracht werden können und die Deiche verstärken oder sogar bilden. "Im Schadensfall wird uns der Sand mit Betonmischern angeliefert. Dafür haben wir Verträge abgeschlossen", sagt Huber.
 
Hammer
Ingolstadt



Nur zu gut können sich Ingolstädter an das Hochwasser 1999 erinnern, das seinerzeit am Pfingstmontag um 5 Uhr früh die historische Höchstmarke von 7,49 Meter erreichte. Das wäre Straßenniveau an der Schloßlände. "Da könnten wir mit unseren Sperren jetzt noch einen Meter drüber", sagt Huber. Und diese mobile Hochwasserwand lagert in der Halle nebenan auf einem Abrollcontainer - jederzeit bereit zum Abtransport durch einen Lkw.

Neben Hochwasser und Unwetter/Stürmen mit Starkregen zählt auch der großflächige und lange Stromausfall ("mehr als ein Tag") zu den Großlagen, für die im Katastrophenschutzlager vorgesorgt ist. "Die Idee war früher mal, dass die Müllverbrennungsanlage als ,Insel' die Stadt weiter mit Strom versorgt, aber das geht technisch nicht", berichtet Huber. Für eine andere Variante der Versorgung ist Ingolstadt inzwischen Modellregion. Die hellen "Inseln" in einer sonst dunklen Stadt sollen die Feuerwehrhäuser in den Stadtteilen sein. Dafür stehen wiederum eine Halle weiter entsprechend viele und ständig gewartete Notstromaggregate samt Kraftstoff bereit. "Das Feuerwehrhaus ist dann der Anlaufpunkt im Ort, wo man Informationen bekommt", erklärt Huber das Konzept. Irgendwann sei eben das Handynetz tot, weil der Akku alle ist. Auch das Festnetz werde nicht mehr gehen. Eine Situation, die man so nicht erleben will. Und auch alle anderen Katastrophenfälle, die hoffentlich nie eintreten.


Freie Wähler mahnen Großübung an

Eine Katastrophenschutz-Vollübung ist in Ingolstadt offenbar überfällig.
Dies betont die FW-Stadtratsfraktion in einem an den Stadtrat gerichteten Antrag auf Durchführung. Laut FW fand die bisher letzte Vollübung im Stadtgebiet im Jahr 2012 statt. Im vergangenen Jahr, also 2018, wäre wieder eine an der Reihe gewesen, da diese alle sechs Jahre abgehalten werden sollen. FW-Fraktionschef Peter Springl, der auch Vorsitzender des Ingolstädter Feuerwehrvereins ist, findet es laut einer Mitteilung nicht nachvollziehbar, dass der Übungsrhythmus in Ingolstadt nicht eingehalten werde, "zumal das Gefahrenpotenzial in und um Ingolstadt besonders groß ist, wie die Explosion der Raffinerie in Vohburg gezeigt hat. "

Die Stadt teilt auf DK-Anfrage mit, dass eine Vollübung im vierten Quartal inzwischen geplant sei. Die ersten Gespräche habe es bereits gegeben.
Christian Rehberger
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!