Donnerstag, 13. Dezember 2018
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32 Neuzugänge im Ingolstädter Tierheim: Besitzerlos oder nur in Betreuung?

Ein Zuhause auf Zeit

Ingolstadt
erstellt am 10.08.2018 um 18:38 Uhr
aktualisiert am 13.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Sommerferien und endlich Urlaub - nur wohin mit dem Haustier? Daheim passt keiner auf, Mitnehmen ist auch keine Option. Für viele ist die erste Anlaufstelle das städtische Tierheim. Dort landen neben den Pensionstieren auch immer mehr Hunde aus dem Ausland - ein Geschäft mit dem Mitleid: Tierheimleitung Katja Payer warnt besonders vor dubiosen Organisationen, die über das Internet Straßenhunde vermitteln.
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Kam vor einem Jahr von Polen nach Deutschland: Scooby. Wie viele Straßenhunde braucht er viel Zuwendung, so Katja Payer, und einen Besitzer mit Hundeerfahrung, um richtig aufzublühen. Trotz Pensionstieren muss auch der reguläre Betrieb im Tierheim weitergehen: Maja gehört zu den Fundtieren auf der Katzenstation.
Kam vor einem Jahr von Polen nach Deutschland: Scooby. Wie viele Straßenhunde braucht er viel Zuwendung, so Katja Payer, und einen Besitzer mit Hundeerfahrung, um richtig aufzublühen. Trotz Pensionstieren muss auch der reguläre Betrieb im Tierheim weitergehen: Maja gehört zu den Fundtieren auf der Katzenstation.
Fotos: Hausmann
Ingolstadt
Aus der einen Ecke ein lautes Bellen, ein lautes Hecheln aus der anderen. Das Gitter scheppert, als sich die kleinen Pfoten dagegenstemmen. "Gerade jetzt ist immer viel Trubel bei uns", erklärt Tierheimleiterin Katja Payer. Denn in den Sommerferien hat das Tierheim 32 neue Bewohner auf Zeit: Fünf von den insgesamt 21 Hunden sind sogenannte Pensionshunde, die zur Urlaubsbetreuung von ihren Besitzern im Tierheim abgegeben worden sind. Von den 50 Katzen sind 12 Neuzugänge, und 15 Kleintiere sind zu den restlichen 20 neu dazugekommen - die Kapazitäten für die Pension sind damit fast völlig ausgelastet: Das Limit liegt bei maximal 7 Hunden, 15 Katzen und 20 Kleintieren zur Urlaubsbetreuung. Mehr Tiere, mehr Arbeit: Das siebenköpfige Team um Katja Payer arbeitet in den Sommerwochen meist länger, Unterstützung bekommt es von ehrenamtlichen Gassigehern, die sich auch um den Zuwachs an Pensionstieren kümmern.

Diese Neuzugänge sind maximal für vier Wochen in der Urlaubsbetreuung - doch nicht immer sehen sie ihr eigentliches Zuhause wieder. Der Besitzer bleibt unerreichbar, denn manche hinterlassen bereits im Vorfeld falsche Angaben zu ihrer Person. So auch bei einer Pensionshündin, die ursprünglich 14 Tage bleiben sollte. Der Besitzer habe sich in Widersprüche verstrickt, da seien sie bereits hellhörig geworden, so Payer: "Es gebe keine Garantie, dass das Tier wieder abgeholt wird." Die einzige Möglichkeit: Die Unterbringung im Vorfeld bezahlen lassen, um zumindest finanziell abgedeckt zu sein. Werde das Tier 14 Tage nach Ablauf der Pensionsdauer nicht abgeholt, dürfte sie das Tier dann an neue Besitzer weitervermitteln. "Wer einen Urlaub plant, sollte sich allerspätestens drei Monate vorher um eine Betreuungsstelle kümmern", sagt Payer.
 
Fotos: Hausmann
Ingolstadt



Die Plätze bei Hundepensionen und im Tierheim sind begrenzt. Gerade zur Urlaubszeit werden immer wieder Tiere an Raststätten ausgesetzt - in Ingolstadt zum Glück kein Thema "Das hatten wir seit Jahren nicht mehr", so Payer. Auch die Problematik, dass Urlauber Hunde mitbringen, sei deutlich zurückgegangen. Schärfere Regeln schreiben mittlerweile vor, dass die Tiere mit Mikrochip ausgestattet und einen Impfausweis haben müssen, um über die innereuropäischen Grenzen gebracht werden zu können.

Dennoch beherbergt das Tierheim immer wieder Hunde aus dem Ausland - derzeit neun. Es sei in Mode, über Internetorganisationen solche Hunde zu retten, dabei sei das oft "eine Mitleidsmasche von unseriösen Vereinen", so die Tierheimleiterin. Dort stehe im Profil der Tiere ein geplanter Tötungstermin - ob dieser überhaupt stimme, sei anzuzweifeln. Die stark traumatisierten Tiere werden über die Grenzen gebracht, doch die Besitzer sind mit ihnen überfordert. Teils schon am nächsten Tag landen die Tiere bei Payers Team. Dort fehle die Zeit, die Hunde zu trainieren und zu sozialisieren - besonders, wenn die Hunde nicht mehr im Welpenalter sind.

Auch Scooby kam vor einem knappen Jahr aus Polen - er braucht noch immer Zeit, um Vertrauen zu gewinnen. Unruhig springt er an dem Gitter hoch und huscht wieder eilig in den Garten - eigentlich ist er ein scheuer Hund. Tiere wie er benötigen Menschen mit Hundeerfahrung, die sich auch über kleine Fortschritte freuen, ihnen Zeit geben. Katja Payer rät: Anstatt im Internet auf zweifelhafte Anbieter zu stoßen, sich an Organisationen wenden, deren gerettete Tiere sich bereits in Deutschland befinden. "Dort kann man auch in Ruhe die Tiere auf einer Pflegestation kennenlernen."
Anna Hausmann
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