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Ein Steg mit tragender Rolle

erstellt am 31.08.2009 um 20:37 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:45 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Pioniersteg über den Künettegraben wird seit gestern erneuert, da die Holzpfähle faul geworden sind. Den Bau des ersten Stegs 1926 hat Marieluise Fleißer in ihrem Stück "Pioniere in Ingolstadt" verarbeitet.
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Das Technische Hilfswerk erneuerte den Pioniersteg im Jahr 1975. Dazu wurde auch ein Ersatzsteg aus Leichtmetall unmittelbar über dem Wasserspiegel gebaut.
Für die Ingolstädter war es ein Ereignis, als im Mai und Juni 1926 die zweite Kompanie des dritten preußischen Pionierbataillons aus Küstrin zu einer fünfwöchigen Übung in die alte Schanz kam. Die Schriftstellerin Marieluise Fleißer dagegen empfand die Anwesenheit der Soldaten als eine "Invasion", die sie später in ihrem Stück "Pioniere in Ingolstadt" verarbeitet hat.

Die preußischen Pioniere aber bedankten sich bei der Stadt Ingolstadt mit einem ganz besonderen Abschiedsgeschenk, wie die Zeitung am 11. Juni 1926 schrieb: "Von der 2. Kompanie des 3. Pionier-Bataillons wird zur Zeit ein Brückensteg über den Nassen Graben im Südwesten der Stadt erbaut, der eine bisher fehlende Verbindung im Glacisglände schafft und durch den ein lang gehegter Wunsch der Bevölkerung verwirklicht wird. Die Arbeiten, die in Tag- und Nachtschichten schnell gefördert werden, locken viele Zuschauer an." Tags darauf stellten sich OB Gruber und der gesamte Stadtrat ein, drückten der Kompanie ihren Dank aus und revanchierten sich mit Freibier. "Die Brücke, die einen sehr gefälligen Eindruck macht und solide gebaut ist, ist gut 30 Meter lang und leitet direkt auf die Glacisanlagen hinaus, auf den gern begangenen Dammweg, der zur alten Schießstätte und zu den Donauauen führt".

Bei Marieluise Fleißer kommen die Soldaten aus Küstrin nicht so gut weg. Berta und Alma, zwei Ingolstädter Mädchen, suchen Liebe und Auswege aus ihrer kleinbürgerlichen Existenz und lassen sich mit den Soldaten aus Küstrin ein. Doch sie werden von den Pionieren enttäuscht, bis diese wieder nach Küstrin abziehen. "Eine Liebe muss keine dabei sein", sagt Korl Lettner, einer der Soldaten. Das Stück liegt in drei Fassungen vor: Die erste, 1928 an der Komödie Dresden aufgeführt, war ein Misserfolg. Die zweite, ein Jahr später unter der Regie von Jacob und Bertold Brecht am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin erstmals gespielt, wurde zum Skandal. Die dritte Fassung wurde 1970 am Münchner Residenztheater aufgeführt.

Zu diesem Zeitpunkt existierte der erste, von den Küstriner Pionieren errichtete Steg schon gar nicht mehr. Nach 36 Jahren war die hölzerne Brücke morsch und musste vom Bauamt gesperrt werden. Doch wie schon in der Weimarer Republik, waren es wiederum Pioniere, die den Steg neu aufbauten. Die zweite Kompanie des Pionier-Bataillons 10 aus Ingolstadt sorgte innerhalb von fünf Wochen für Ersatz.

20 Pontons und eine 500-PS-Dieselramme sorgten dafür, dass ein Dutzend hölzerne, fünf Meter lange Eichenpfähle zwei Meter tief im Boden verankert wurden. Ein Zentner Nägel war erforderlich, um die 45 Meter lange Konstruktion zusammen zu halten. Die Ingolstädter hatten wieder ihre lieb gewonnene Verbindung vom alten Volksfestplatz zur Westlichen Ringstraße. Eine Inschrift am Steg erinnerte an dessen Errichtung und an Marieluise Fleißer.

Doch auch an diesem 1962 erbauten Steg nagte der Zahn der Zeit. Schon 1975 stand die nächste Erneuerung an. Diesmal half das Technische Hilfswerk und errichtete eine Leichtmetallkonstruktion unmittelbar über dem Wasserspiegel als provisorischen Ersatz. Damals bekam der Holzsteg unter anderem neue Geländer. Auch die Konstruktion selbst wurde ausgebessert.

Von Bernhard Pehl
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