Donnerstag, 15. November 2018
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Das Kavalier Dalwigk und der jetzt beschlossene Anbau sollen eine Bereicherung für alle Bürger sein

Feier auf dem Dach

Ingolstadt
erstellt am 22.10.2018 um 21:56 Uhr
aktualisiert am 27.10.2018 um 00:42 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Planungsausschuss, Finanzausschuss und Aufsichtsrat der städtischen INKo-Bau-Gesellschaft haben gestern mit großer Mehrheit die Projektgenehmigung für die Sanierung des Kavaliers Dalwigk sowie einen achtgeschossigen Bau nebenan erteilt: das digitale Gründerzentrum brigk. OB Lösel betonte, dass alle Bürger von dem Großprojekt profitieren würden. So seien die weitläufigen Dächer des alten und des neuen Langkörpers für öffentliche Veranstaltungen vorgesehen. Über allem soll das Panorama-Café strahlen.
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Die Visionen des Architekturbüros Falk von Tettenborn / Gina Architects Barcelona gibt es jetzt als Film. Der erlebte gestern seine öffentliche Premiere; er soll bald auch im Netz zu sehen sein. Die Stadträte und Aufsichtsratsmitglieder schwebten im abgedunkelten Sitzungssaal auf einer animierten Kamerafahrt über das Gießereigelände einer - so der Plan - sehr nahen Zukunft. Und mitten durch das achtstöckige Gebäude samt einer markanten Fassade aus plastisch geformten Betonelementen. Es ragt neben dem Kavalier Dalwigk in die Höhe.
 
Lesung mit Panoramablick: Am diesjährigen Tag des Offenen Denkmals im September begeisterte der Autor Peter Parkster (l.) auf dem Dalwigk viel Publikum. Nach dem Willen des Stadtrats sollen dort auch öffentliche Veranstaltungen stattfinden, wenn das Gründerzentrum eingezogen ist. Unten der Entwurf für den Anbau.
Lesung mit Panoramablick: Am diesjährigen Tag des Offenen Denkmals im September begeisterte der Autor Peter Parkster (l.) auf dem Dalwigk viel Publikum. Nach dem Willen des Stadtrats sollen dort auch öffentliche Veranstaltungen stattfinden, wenn das Gründerzentrum eingezogen ist. Unten der Entwurf für den Anbau.
Silvester, Grafik: INKo-Bau
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Der klassizistische Festungsbau ist in dieser Projektion über eine mächtige Treppe zu erreichen. Ein weitläufiger Langkörper verbindet die historische und die moderne Bausubstanz. Überall flanieren junge, dynamische Menschen umher: Start-up-Unternehmer, die im digitalen Gründerzentrum ihren Geschäften nachgehen. Auch diese verheißungsvollen Zukunftsgestalten sind in Barcelona am Computer generiert worden. Am Ende des Videos sitzen gepflegte Bürger optimistischen Blicks entspannt in dem vollverglasten zweistöckigen Panoramacafé auf der Spitze des Anbaus und genießen die Aussicht über die Donau. Hinter dem Kongresshotel spitzen die Türme des Neuen Schlosses hervor; auch diese Perspektive könnte die Zukunft ziemlich gut treffen. Nur bei der digitalen Kreation des Grüns rings um das Gründerzentrum agierten die Spanier forstwissenschaftlich gesehen vielleicht etwas unstimmig: Viele der neuen Bäume schauen eher nach ferner Zukunft aus, so um das Jahr 2050 - derart mächtig stehen sie da.

Über den Dalwigk-Anbau ist in der Vergangenheit kontrovers debattiert worden. Mit dem Projektentwurf, den Nicolai Alexander Fall, der Geschäftsführer der INKo-Bau, gestern erläuterte, ist ein überaus tragfähiger Kompromiss herausgekommen. Nur die ÖDP-Vertreter in den drei Gremien, die nacheinander abstimmten, votierten dagegen: Franz Hofmaier im Aufsichtsrat der INKo-Bau, Raimund Köstler aus dem Stadtentwicklungsausschuss und Thomas Thöne aus dem Finanzausschuss.

Letzterer kritisierte, dass vom Schloss "nicht mehr viel übrig bleibt, wenn man vom Café aus draufschaut". Thöne hegt auch Zweifel, ob das Lokal in der Höhe überhaupt wirtschaftlich zu betreiben sei; die Stadt will dafür 9000 Euro Miete im Monat. Falls Antworten: Die Animation sei nicht bis ins letzte Detail maßstabsgetreu, das sei zu aufwendig gewesen. Und ja: Selbstverständlich könne ein guter Gastronom dort oben einträgliche Geschäfte machen. Brigk, Audi-Akademie und THI lieferten vor allem tagsüber zusätzliche Gäste. "Das wird das beste Restaurant in der Stadt!", da ist sich die CSU-Fraktionsvorsitzende Patricia Klein ganz sicher - egal, was die ÖDP auch daran herummäkele. "Besser geht's nicht!" Das gelte für das gesamte Projekt.

Der Gestaltungsbeirat hat vorige Woche sein Einvernehmen erteilt. Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle zitierte aus dem Protokoll: "Das Gebäude hebt sich wohltuend von gewöhnlichen Bürofassaden ab". Nur die Treppe zum Dalwigk "sollte etwas eleganter ausgeführt werden", regt das nicht öffentliche Gremium an. Das habe man bereits modifiziert, berichtete INKo-Bau-Chef Fall. Wobei es gewollt sei, "dass die Treppe so massiv ausschaut, denn sie soll deutlich machen, dass es sich hier um einen öffentlichen Ort handelt". Eine markante architektonische Einladung an jeden, einzutreten, wenn man so will.
 
Falk von Tettenborn/Gina Barcelona Architects
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Auch OB Christian Lösel hob den Nutzen für alle Bürger hervor: Die 700 Quadratmeter große Terrasse des künftigen Langkörpers bleibe ebenso frei von technischen Aufbauten wie das gleichwohl geräumige Dach des Dalwigks. Hier können also Konzerte, Feste oder Kinoabende stattfinden. "Auch das Trafo-Haus steht für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung. Der Wasserturm wird öffentlich zugänglich sein. Er ist nur leider zu eng für ein Restaurant." Geradezu historisch sei, so Lösel, "dass das Glacis geschlossen wird - bis runter an die Schlosslände!"

Einzig CSU-Stadtrat Karl Spindler trübte die glänzenden Aussichten ein wenig. Mit Bedenken ganz praktischer Natur. Als Dachdeckermeister hat er viel Erfahrung mit Baustellen. Es könnte sein, "dass in zehn bis 15 Jahren der Beton in der Fassade aufplatzt, und dann die Armierung offenliegt". Außerdem befürchtet er, dass sich Tauben en masse in den Fassadenelementen einnisten. "Da habe ich große Bauchschmerzen!" Der Chef der INKo-Bau versuchte, Spindlers Einwände zu entkräften, jedoch offensichtlich ohne Erfolg.

Wer von beiden Recht behält, wird die Zukunft zeigen.
 
Christian Silvester
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