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Maßnahmen bei Audi treffen auch Zulieferfirmen hart - IGM spricht morgen mit GVZ-Betriebsräten

"Das betrifft die ganze Region"

Ingolstadt
erstellt am 12.07.2018 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Für die rund 18000 von der Verlängerung der Werksferien und zeitlich begrenzten Schichtstreichungen betroffenen Mitarbeiter bei Audi hat der Betriebsrat eine Regelung getroffen. Das Unternehmen gleicht die entfallene Arbeitszeit anteilig aus. Doch was ist mit den Zulieferbetrieben? Und wie wirkt sich die angespannte Situation bei Audi auf Zeitarbeitsfirmen aus? Wir haben nachgefragt.
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Volle Hallen im Güterverkehrszentrum. Doch die Verlängerung der Werksferien und zeitlich begrenzten Schichtstreichungen bei Audi haben auch Auswirkungen auf die Zulieferfirmen. Welche konkret ist noch unklar.
Volle Hallen im Güterverkehrszentrum. Doch die Verlängerung der Werksferien und zeitlich begrenzten Schichtstreichungen bei Audi haben auch Auswirkungen auf die Zulieferfirmen. Welche konkret ist noch unklar.
Hauser
Ingolstadt
Wie berichtet, verlängert Ingolstadts größter Arbeitgeber Audi auf den B-Linien, auf denen der A4 und der A5 produziert werden, um zwei Wochen die Werksferien. Auf der A-Linie, auf der die Modelle Q2 und A3 vom Band laufen, wird von 6. bis 31. August eine Schicht entfallen − wechselweise Spät- und Nachtschicht. Zusätzlich soll es an den B-Linien vereinzelt zu produktionsfreien Tagen kommen. Auch der Produktion vorgelagerte Bereiche wie Presswerk, Lackiererei, Karosseriebau und Modulfertigung könnten von Abweichungen betroffen sein. Welche genau, ist noch unklar. Die Mitarbeiter müssen dadurch keine finanziellen Einbußen hinnehmen, hatte der Betriebsrat bei der Betriebsversammlung mitgeteilt. Doch was ist mit den Zulieferbetrieben und deren Mitarbeitern?

Der Betriebsrat über die Versammlung

 
 


Allein im Güterverkehrszentrum (GVZ) in unmittelbarer Nähe zu Audi sind rund 25 ansässige Unternehmen mit insgesamt etwa 6000 Mitarbeitern für Audi tätig. „Zu 100 Prozent“, wie Johann Horn, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, sagt. Einige von ihnen lassen direkt bei Audi ans Band liefern, ihre Produktion ist 1:1 von der des Autobauers abhängig. „Das bedeutet auch 1:1 Konsequenzen für die Zulieferer“, so Horn. Derzeit, sagt er, sei die IG Metall in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat von Audi. Heute stehe ein Gespräch mit den Betriebsräten im GVZ an. Wenn klar sei, für welchen Zeitraum und in welchem konkreten Bandabschnitt Schichten entfallen, gebe man diese Information an die Zulieferbetriebe weiter. Erst dann sei absehbar, was die Betriebe erwarte. Für Kurzarbeit müssten Betriebsvereinbarungen gefasst werden. Auch interne Regelungen wie bei Audi, wo ein Teil der entfallenden Arbeitszeit für die Beschäftigten ausgeglichen wird, seien möglich. Was Audi anbelangt, spricht Horn von einer „guten Regelung“. Auch, wenn nicht der gesamte Ausfall, sondern nur ein Teil ausgeglichen werde.

Bei den Betrieben im GVZ zeichne sich jetzt aus, dass die meisten mittlerweile einen Betriebsrat haben und gewerkschaftlich organisiert sind. Vor zwei oder drei Jahren war dies noch anders. „Da hätte es in einer solchen Situation sicher große Hektik gegeben.“ Lösungen müssten auch für die Zeitarbeitsfirmen gefunden werden. Die Beschäftigungsgarantie bis 2025 gilt nur für direkte Audi-Mitarbeiter. Für die von Zulieferbetrieben und Zeitarbeitsfirmen nicht.

Die Zulieferbetriebe selbst halten sich mit öffentlichen Aussagen zurück. „Wir wollen uns nicht äußern“, sagte Volker Folwill, Personalchef bei SMP in Neustadt, gestern auf DK-Anfrage. Dann lässt er sich doch noch zwei Sätze entlocken: „Wir sind es gewohnt, uns den Kunden anzupassen. Nach oben wie nach unten.“ Wirklich optimistisch klingt das nicht. SMP fertigt unter anderem Stoßfänger, Türverkleidungen und andere Teile für die Automobilindustrie.

Das Unternehmen Faurecia liefert Autositze. Auch Faurecia gibt sich wortkarg: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns grundsätzlich nicht zur Situation bei Audi oder anderen Kunden äußern. Wir befinden uns in einer sich schnell verändernden Branche, die Hersteller und Zulieferer gleichermaßen vor Herausforderungen stellt“, teilte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage schriftlich mit. Auch die Firma Scherm, die für die Teile-Logistik zuständig ist, also die von den Zulieferern gefertigten Teile direkt ans Band liefert, will sich nicht äußern. „Das ist eine heiße Sache“, sagt ein Sprecher. „Es betrifft die ganze Region.“

Keinen Anlass zur Sorge sieht gegenwärtig dagegen Norbert Forster, der Geschäftsführer der Stadttochter IFG, die die Flächen des Güterverkehrszentrums an die Zulieferfirmen vermietet. Die Maßnahmen bei Audi hätten noch keinen Durchschlag aufs GVZ, sagt er. Alle Hallen seien derzeit voll belegt. Sie würden täglich von 800 Lkw angefahren, weshalb die IFG für Lkw eine zusätzliche Parkfläche schaffe. „Wir haben keinen Leerstand und keine Kündigung“, so Forster. Er sei in sehr gutem Kontakt zu Audi, betont der IFG-Chef und verweist unter anderem auf das voranschreitende Projekt IN-Campus. Forster gibt sich optimistisch. Und rät: „Wir müssen wieder positiv über Audi sprechen.“

Lesen Sie hierzu auch: "Audi baut nicht mehr auf".
 
Ruth Stückle
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