Dienstag, 20. November 2018
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Neueröffnung des Theaterrestaurants unter dem Namen Jedermann - Pächter ist Lorenz Stiftl

"Dass dir der Wein das Hirn aufdunst"

Ingolstadt
erstellt am 10.09.2018 um 19:58 Uhr
aktualisiert am 14.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) In Salzburg ist er ein Dauerbrenner: Seit 1920 wird der "Jedermann" Jahr für Jahr bei den dortigen Festspielen aufgeführt.
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Traditionell werden die Titelrolle und die der Buhlschaft stets hochkarätig besetzt, wobei die Inszenierungen des Theaterstücks aus der Feder von Hugo von Hoffmannsthal zugleich immer ein gesellschaftliches Ereignis sind.

So kann man?s aushalten im Jedermann: (von rechts) Hans-Jörg Vogt, Betriebsleiter, seine Stellvertreterin Laura Johanngieseker und Gastronom Lorenz Stiftl.
So kann man's aushalten im Jedermann: (von rechts) Hans-Jörg Vogt, Betriebsleiter, seine Stellvertreterin Laura Johanngieseker und Gastronom Lorenz Stiftl.
Hammer
Ingolstadt
Jetzt hat auch die Stadt Ingolstadt ihren Jedermann - und das nicht nur einmal im Jahr wie die Salzburger, sondern jeden Tag von 9 bis 23 Uhr, bei Veranstaltungen oder privaten Feiern auch länger. Der Besucher muss auch nicht für teures Geld Karten erwerben, sondern kann noch Belieben hineinspazieren. Und was im Stück der Lustgarten, ist den Gästen ihre Terrasse. Jedermann heißt das neue Restaurant im Stadttheater, das gestern eröffnet wurde, und der Pächter ist wahrlich kein Unbekannter in der Gastronomieszene. Lorenz Stiftl wird das Theaterrestaurant in den nächsten Jahren betreiben.

Als Gastronom auf der Wiesn und einigen anderen Volksfesten ist der Stiftl-Lorenz ja eher ein bodenständiger Typ denn ein holder Musensohn. Und so stammt der Name Jedermann auch nicht von ihm - selbst wenn er auf den ersten Blick für eine Wirtschaft sehr passend erscheint. Aber wer will denn bitteschön ein Lokal betreiben, in dem es laut der literarischen Vorlage um das "Spiel vom Sterben des reichen Mannes" geht? Wie Stiftl erzählte, waren es die Angestellten des Theaters, die unter mehreren Vorschlägen diesen Namen ausgesucht haben.

Weil ein richtiger Wirt auch immer rechnen können muss, basiert im Gegensatz zu Salzburg das Restaurant Jedermann in der Schanz nicht auf der Vorlage eines mittelalterlichen Mysterienspiels. Es handelt sich vielmehr um eine handfeste Investition - genaue Zahlen will Stiftl jedoch nicht nennen. "Die Küche war das teuerste", sagt er. Die wurde genau so gebaut, wie sie benötigt wird, steht komplett auf Rollen und kann so innerhalb kurzer Zeit umgebaut oder transportiert werden. High-Tech und Handwerk gehen hier Hand in Hand: Während die Schnitzel mit dem Fleischhammer hauchdünn geklopft werden, hat der Nudelkocher einen Sekundenzähler.

Die Einrichtung im komplett sanierten Lokal gehört auch Stiftl. "Die stammt teilweise aus dem Village", erzählt er, teils auch vom Deutschen Theater, wo Stiftl die Gastronomie betrieben hat. Anderes Mobiliar, wie beispielsweise die Stühle, sind aus dem Fundus des Theaters. "Das spart Kosten", räumt Stiftl ein, und sei außerdem ökologisch, weil ja die Dinge nicht weggeschmissen, sondern weiter verwendet werden. Als Gast kann man im Jedermann ganz gut sitzen - ob Einrichtung und die Deko freilich Hardt-Waltherr Hämer (Architekt des Theaters) gefallen hätte, ist eine andere Frage. . ? .

Die Besucher jedenfalls können unter 122 Plätzen auswählen, davon 50 im Nebenraum und 40 draußen. Das anhaltend schöne Spätsommerwetter lädt zu einem Besuch der Terrasse ein, die zum Bedauern vieler Bürger in den vergangenen Jahren kaum genutzt wurde, obwohl die Lage durchaus reizvoll ist. Nur der dichte Baumbestand verwehrt derzeit einen Blick auf die Donau und auf den gegenüber liegenden Klenzepark.

Die Speisekarte bietet ein umfangreiches Angebot - von Weißwürsten bis zur Healthy Bowl. Letzteres ist eine Schüssel, wo irgendwie alles drin ist, und außerdem noch sehr gesund, heißt es. Wie Stiftl sagt, könne sich die Karte aber durchaus noch ändern, je nachdem, was die Gäste essen wollen. Und die Preise? Sagen wir mal so: Es gibt Lokale in der Innenstadt, da kostet das Weißbier deutlich mehr.

Wer weiß, vielleicht wird das Jedermann im Theater so ein Publikumsmagnet wie in Salzburg. Wobei wir dann schon ganz gerne wissen möchten, wer denn die Buhlschaft wird. Ansonsten halten wir es mit dem "Jedermann" und schließen mit einem Auszug aus dem dritten Kapitel:



Dünner Vetter:
"Potz Velten, Vetter Jedermann,
Habt Ihr leicht die Melancholie?
Wenn nit, was sonsten ficht Euch an? "

Dicker Vetter:
"Kenn das, sitzt hinterwärts der Stirn
Ist eine Trockenheit im Hirn
Ist mir von meinem Herrn Vater bekannt
Mit ihm wars öfter so bewandt.
Mußt brav eines trinken, mit Vergunst
Daß dir der Wein das Hirn aufdunst. "
Bernhard Pehl
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